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Private Pflegeversicherung muss elektrisches Pflegebett zahlen

Und dafür musste ein Mann, der Muskeldystrophie hat und über eine Maske beatmet werden muss, erst vor Gericht ziehen?

Pflegebett (Foto: privat)

Pflegebett (Foto: privat)

Achtung, wir reden hier von Mehrkosten zwischen 1000 bis 2000 Euro. Und wie intelligent muss ein Sachbearbeiter eigentlich sein, der heute lieber spart, um morgen das Zigfache für eine Dekubitus-Behandlung genehmigen zu müssen?

Der Fall: Ein über 1,90 Meter großer Mann hat Muskeldystrophie (Muskelschwäche) und muss über eine Maske beatmet werden. Seine private Pflegeversicherung hatte die Pflegestufe II anerkannt. Die Versicherung war bereit, den Patienten mit einem Standard-Pflegebett zu versorgen. Dies sei für seine Bedürfnisse ausreichend, so die Begründung. Die Übernahme der Kosten für ein elektrisches Pflegebett lehnte sie dagegen ab. Gegen diese Entscheidung zog der Patient vor Gericht.

Das Gericht muss es der Pflegeversicherung erklären

Für Pflegebedürftige, die die meiste Zeit ans Bett gefesselt sind, ist ein elektrisches Bett eine Erleichterung. Eigenständiges Aufsetzen wird oft als ein Gewinn von Lebensqualität empfunden. Gleichzeitig entlastet es die Pflegenden. Die private Pflegeversicherung muss daher die Kosten für die Anschaffung eines solchen Pflegebetts übernehmen. Das hat das Bayerische Landessozialgericht entschieden (Az.: L 2 P 66/11), wie die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt.

Das Urteil: Die private Pflegeversicherung müsse das elektrische Pflegebett zahlen, befanden die Richter. Denn es diene vor allem dazu, die Pflege zu erleichtern und die Beschwerden zu lindern. Außerdem ermögliche es dem Mann eine selbstständigere Lebensführung. Das Gericht nannte eine Reihe von Vorteilen des Spezialbetts, die kein anderes, kostengünstigeres Bett aufweise. Darüber hinaus sei die Prophylaxe gegen Wundliegen und gegen Thrombosen nur mit diesem besonderen Pflegebett möglich.

(dpa)

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2 Kommentare

  • Daniel Fernholz

    Das liegt u. a. daran das die Pflegekassen / Krankenkassen von vornherein erst mal fast jeden Antrag ablehnen. Es ist intern geregelt, das nur eine bestimmte Menge an Pflegestufen vergeben werden / Monat und auch bei der Bewilligung von Pflegehilfsmitteln wird erst mal geblockt. Gerade alte Menschen „trauen sich dann nicht“ Widerspruch einzulegen. Eiskaltes Kalkül der Kassen! Man kann das unter dem Begriff „sozialverträgliches Ableben“ zusammenfassen (was gab das damals für eine Pseudo-Entrüstung! Heute Gang und Gäbe). Die Kassen „hoffen“ halt auf darauf das der (Noch-) Versicherte vorher sein „Besteck abgibt“… Empört Euch!

    23. Mai 2013 at 11:45
  • AOK Mitglied

    Richtig, Zeit schinden, heißt bei den Krankenkassen die Devise. Man verzögert die Vergabe der Hilfmittel hinnaus, und zwar in der Hoffnung, dass man verstirbt. Es werden einem die verschriebenen Hilfmittel verweigert. Nach viel Schriftverkehr und Widerspruch sind bereits 6 Monate vergangen. Trotzdem bleibt jetzt nur noch die Klage. Wie lange da wohl noch dauert? Es ist zum Verzweifeln, dass man von der AOK wie Dreck behandelt wird.

    10. Oktober 2013 at 16:34

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