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Prozessor auf der Zunge navigiert blinde Menschen

Wohin soll es denn gehen? Bei „Tongueduino“ dienen elektrische Impulse als visuelle Prothesen.

Sieht derzeit leicht verbesserungswürdig aus: Noch funktioniert Tongueduino nur mit einem Kabel

Sieht derzeit leicht verbesserungswürdig aus: Noch funktioniert Tongueduino nur mit einem Kabel

Ein kleiner Arduino-Prozessor namens „Tongueduino“ übermittelt visuelle Informationen anhand von elektrischen Signalen auf der Zungenspitze. (Die Arduino-Plattform ist eine aus Soft- und Hardware bestehende sogenannte Physical-Computing-Plattform. Beide Komponenten sind im Sinne von Open Source frei zugänglich.)

Die Leiterplatte, die aus einem drei Mal drei Strahlen-Gitter besteht, schickt dabei lesbare kribbelnde Impulse mit niedriger Spannung, die unter anderem als Kompass für Blinde dienen und als visuelle Prothesen fungieren können. Eines der neun Felder, das gerade Signale ausschickt, leitet den Nutzer in die jeweilige Richtung. Damit könnten stumme Richtungsanweisungen von einem GPS-Empfänger transportiert werden. Tongueduino ist bisweilen jedoch nur verkabelt anwendbar.

Gebastelt wurde der Prozessor nicht von irgendwelchen ROLLINGPLANET-Redakteuren mit zwei linken Händen, sondern vom weltberühmten MIT Media Lab (Massachusetts Institute of Technology) der Technischen Hochschule und Universität in Cambridge, Massachusetts (USA).

“Klick-Sonar-Technik“ üblich

„Um Hindernisse wahrzunehmen, können blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen unter anderem die ,Klick-Sonar-Technik‘ anwenden, indem sie mit der Zunge schnalzen und so den Gegenstand, der das Echo zurückwirft, erkennen“, erklärt Raimund Lunzer, Pressesprecher des Blinden- und Sehbehindertenverbands Österreich.

Das innovative System kann zudem an magnetische Sensoren gebunden werden. Dadurch können magnetische Erdfelder und Objekte um den Anwender herum dazu genutzt werden, Daten über die Richtung und Hindernisse zu schicken. Dadurch, dass die menschliche Zunge besonders schnell anpassungsfähig ist, benötigen die User des Prozessors keine besondere Übung, bis sie die Signale identifizieren können.

Kabellose Variante geplant

Weitere Forschungen zu Tongueduino sollen fortgesetzt werden. Je nach Verlauf und Erfolg soll das Produkt verbessert und zusätzlich eine kabellose Variante entwickelt werden. „Grundsätzlich ist jede technologische Art von Hilfsmitteln für sehbehinderte Menschen begrüßenswert, sobald sie erprobt und zugelassen ist. Die Technologie kompensiert dann einen Teil der fehlenden Sehkraft und ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben“, so der Experte.

(pte)

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