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Publikumspreis der Panter Stiftung für Inge Hannemann

ROLLINGPLANET-Redakteur Lothar Epe hat mit der „Hartz-IV-Rebellin“ telefoniert – und gratuliert.

Inge Hannemann (Foto: Privat)

Inge Hannemann (Foto: Privat)

Inge Hannemann ist seit Monaten von ihrem Job als Mitarbeiterin im Jobcenter der Hansestadt Hamburg freigestellt, weil sie sich weigerte, jugendliche Hartz IV Empfänger zu sanktionieren. Und weil sie schon seit langem einen Blog betreibt, in dem sie die Missstände im Hartz IV System öffentlich anprangert (siehe ROLLINGPLANET-Interview: Die Frau, die für die Menschenrechte von Hartz-IV-Empfängern kämpft ). Jetzt wurde der Schwerbehinderten (Rheuma) der Publikumspreis der Panter Stiftung der taz verliehen. In Zeiten von Wahlen eine gute Wahl.

„Ich habe gar nicht mit dem Preis gerechnet. Ich konnte deshalb relativ locker mit dem Medienrummel umgehen und hatte noch nicht mal eine Rede vorbereitet“, hat mir Inge Hannemann soeben in einem Telefonat erzählt. Wer Hannemann bei öffentlichen Auftritten sieht, erlebt sie stets locker und auf natürliche Weise sympathisch. Und das, obwohl sie eine Menge Stress am Hals hat: „Seit ich für das Hartz-IV-Netzwerk arbeite, habe ich wesentlich mehr zu tun als zu der Zeit, als ich den Job im Job Center gemacht habe“.

In ihrem Kampf für Hartz-IV-Empfänger und gegen das Hartz-IV-System, das sie als zutiefst ungerecht empfindet, erhielt Hannemann den Preis für ihr privates soziales Engagement. Die „Fabienne von der Elbe“ (so ihr Spitzname aufgrund einer französischen Aktivistin in ähnlicher Sache), die auch ausgebildete Journalistin ist, hatte schon Anfang September den Preis der „Initiative für soziale Gerechtigkeit Gera ISG e.V.“ (Erste Deutsche Fabienne) erhalten.

Warten auf das Gerichtsurteil

Hannemann weiß nicht so genau, ob ihr die durch die Preisverleihung zusätzlich entstandene Aufmerksamkeit dabei hilft, wenn sie am 22. November vor Gericht endgültig darum kämpfen muss, Mitarbeiterin des Job Centers Hamburg zu bleiben („und da will ich auch wieder hin“): Öffentlichkeit dürfe ja bei Gerichtsentscheidung keine Rolle spielen, so Hannemann. „Aber es hilft uns, bei unserem Kampf gegen die Ungerechtigkeiten des Hartz IV Systems, auch finanziell.“

Der mit 5000 Euro dotierte Publikumspreis helfe bei der Finanzierung von Flyern und anderen bei ihrem Engagement entstehenden Kosten. Aufklärung sei bei ihrem Kampf gegen das bestehende Hartz-IV-System das A und O. Hierfür hat sich Inge Hannemann gut vernetzt. Inzwischen erhalte sie auch viel Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen. Sogar einen Kollegen gebe es mittlerweile, der ebenfalls einen öffentlichen Blog gegen die Ungerechtigkeiten des Hartz- IV-Systems betreibe.

Die richtige Wahl

Der Panter-Preis ist eine Auszeichnung für Zivilcourage, die seit 2005 jährlich von der Panter-Stiftung der Tageszeitung taz vergeben wird. Er ist mit insgesamt 10.000 Euro ausgestattet. Der Preis wird zur Hälfte als Preis der Leser und Leserinnen und als Preis der Jury ausgelobt. Die Auszeichnung sollen Personen erhalten, die sich sozial, politisch oder menschlich für andere engagieren, aktiv gegen politische und gesellschaftliche Missstände auftreten und häufig im Verborgenen große Taten vollbringen.

Dieses Jahr wurde mit Inge Hannemann eine Frau ausgezeichnet, die – rücksichtslos gegen sich selbst und ungeachtet aller Nachteile, die auf sie persönlich zukommen – in einer Art und Weise Solidarität lebt und einfordert, wie wir es uns öfter wünschten. Egal, ob man ihr inhaltlich zustimmt oder nicht: Diese Haltung beeindruckt. ROLLINGPLANET gratuliert.

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2 Kommentare

  • Manfred Keitel

    „In ihrem Kampf für Hartz-IV-Empfänger und gegen das Hartz-IV-System, das sie als zutiefst ungerecht erfindet, erhielt Hannemann den Preis für ihr privates soziales Engagement. “

    Erfindet? 😉

    20. September 2013 at 14:15
    • Rollingplanet

      Oh je – Danke für den Hinweis! Das muss natürlich „empfindet“ heißen. Wir haben es korrigiert.

      20. September 2013 at 14:19

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