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Punker mit Down-Snydrom und Autismus beim ESC: Pertti Kurikan Nimipäivät

Guildo Horn kritisiert deutsche Eurovision-Song-Contest-Macher.

Die finnische Band Pertti Kurikan Nimipäivät beim Provinssirock 2013 (Foto: Wikipedia/Cecil)

Die finnische Band Pertti Kurikan Nimipäivät beim Provinssirock 2013 (Foto: Wikipedia/Cecil)

Schlagersänger Guildo Horn (52) weiß schon, für wen er im Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) in Wien stimmen wird: Für die finnische Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN), die sich aus drei Musikern mit Down-Syndrom und einem Autisten zusammensetzt. „Ein Segen für den Wettbewerb, dass sie dabei sind“, sagt Horn der Deutschen Presse-Agentur in Trier. Es sei auch ein politisches Statement: „Endlich können geistig Behinderte auf der europäischen Bühne mal zeigen, wo der Hammer hängt.“

Die Punker hatten Ende Februar beim finnischen Vorentscheid das Ticket für Wien geholt – mit ihrem 90-Sekunden-Song „Aina mun pitää“ (deutsch: Ich muss immer). Zunächst treten sie nun beim Halbfinale des ESC am 19. Mai für Finnland an. Wenn alles gut geht, sind sie auch im Finale am 23. Mai dabei.

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„Es wird so viel über Inklusion gesprochen“, sagt Horn. Dabei sei es wichtig, die mit ins Boot zu holen, die noch nie etwas mit Behinderten zu tun hatten. Das gelinge am besten über Unterhaltung, ESC sei da eine gute Plattform. „Man wird sehen: Das tut nicht weh, das tut sogar gut, man kann miteinander lachen und dabei Vorurteile abbauen.“

Deutschland kneift (noch)

Die Punker aus Finnland, die sich 2009 bei einem Workshop für Menschen mit Behinderten kennengelernt haben, seien super. Sie bräuchten keinen Behindertenbonus. „Ein guter Mittelplatz ist auf jeden Fall drin“, sagte der gebürtige Trierer. Horn hatte 1998 beim damaligen Grand Prix mit „Guildo hat Euch lieb“ den siebten Platz belegt.

Schlagersänger Guildo Horn  (Foto: Birgit Reichert/dpa)

Schlagersänger Guildo Horn (Foto: Birgit Reichert/dpa)

2014 habe er sich auch mit einer Hamburger Behindertenband für den deutschen Vorentscheid zum ESC beworben. „Die Verantwortlichen haben uns am langen Arm verhungern lassen“, sagt Horn, mit richtigem Namen Horst Köhler. Man habe sich wohl „mit dem Thema nicht kommod gefühlt“. Dies zeige den deutschen Umgang: „Da hat man Angst, sich zu verbrennen, da hat man Angst, was falsch zu machen.“ Horn kündigte an, er werde sich 2016 erneut mit einer Behindertenband bewerben. Der Musiker arbeitet seit 30 Jahren mit geistig Behinderten zusammen (siehe auch ROLLINGPLANET-Bericht: Guildo Horn würde gerne mit Behinderten-Band beim Grand Prix antreten.)

(Birgit Reichert/dpa/lrs)

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1 Kommentar

  • Karola Fleißer

    Das ist mal endlich Inclussion !!!! Genialer Sound wenn auch Punk aber hausgemacht

    9. März 2015 at 10:06

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