""

Querschnittgelähmter Käfigkämpfer: Ex-Fitnessstudio-Chef erneut verurteilt

Doch der hat sich schon bisher um den Schadensersatz gedrückt und nicht einmal eine kleine Direkthilfe gezahlt.

Kampf der Gladiatoren: Freefight ist ein sogenannter „Vollkontaktwettkampf“

Das Amtsgericht Eschwege (Hessen) hat den früheren Betreiber eines Fitnessstudios wegen der Ausrichtung des illegalen Käfigkampfes „ Freefight“, bei dem ein Jugendlicher eine Querschnittslähmung erlitt, zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Mann muss wegen fahrlässiger Körperverletzung 3.600 Euro (120 Tagessätze zu je 30 Euro) zahlen, wie der Vorsitzende Richter Alexander Wachter heute sagte.

Freefight ist ein Mix aus Ringen, Boxen und Taekwondo. Besonders in Amerika ist der brutale Kampfsport kommerziell sehr erfolgreich: „ In den Vereinigten Staaten ist Freefight ein Riesengeschäft. Bis zu einer Million Pay-per-View-Kunden zahlen pro Kampfabend rund fünfzig Dollar“, schreibt die FAZ.

Der Ex-Studiobetreiber André B. hatte 2006 den Wettbewerb zwischen den damals 16 und 17 Jahre alten Jungen Kadir V. und Eldan K. vor Publikum ausgerichtet. Eldan erwischte Kadirs Kopf, klemmte ihn zwischen seine Beine – und setzte zu einem sogenannten „Piledriver“ an, einer lebensgefährlichen und verbotenen Kampftechnik.

Dreifacher Halswirbelbruch

Kadir knallte mit dem Kopf auf den Ringboden und zog sich einen dreifachen Halswirbelbruch zu: „Ich habe einen dumpfen Knacks gehört, nichts mehr gesehen, oder gespürt. Als ich wieder zu mir gekommen bin, konnte ich meine Beine nicht mehr bewegen“. Seither ist Kadir querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Nach Ansicht des Gerichts hatte der Angeklagte die Kontrahenten vor dem Kampf nicht ausreichend über die Regeln aufgeklärt. Zudem fehlte das Einverständnis der Eltern. Der Mann war schon zu einer Zahlung von 250.000 Euro Schadenersatz verurteilt worden – ein eher symbolisches Urteil, weil André B. zu wenig verdient, als dass sich Kadir je Hoffnung machen kann, etwas von diesem Geld zu sehen.

Laut Wachter wurde das laufende Strafverfahren 2011 deshalb unter der Auflage ausgesetzt, dass André B. dem Opfer statt des Schadensersatzes eine Direkthilfe in Höhe von 10.000 Euro leistet. Das Verfahren wurde wieder aufgenommen, weil der Mann bis heute nicht gezahlt hat. So sind aus 250.000 Euro 3.600 Euro geworden – mal sehen, ob André B. wenigstens die auftreibt.

(dapd/RP, Foto: www.marines.mi/Gemeinfrei.)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN