Querschnittsgelähmter überlebt drei Horror-Tage in US-Wüste

Das nennt sich wohl Survival-Training: Nach einer Meinungsverschiedenheit wurde Ricky Gilmore in der Wüste ausgesetzt und führte einen Überlebenskampf ohne Rollstuhl, Verpflegung und warme Kleidung. Und das alles nur, weil er ein bisschen geizig war. Von Susan Montoya Bryan

Ricky Gilmore im Krankenhaus – und das alles, weil er seinen Alkohol nicht teilen wollte… (Foto: AP)

Zerfetzt und schmutzig erzählt die Jeans von Ricky Gilmore einen Teil jener Geschichte, die ihn wohl beinahe das Leben kostete. Drei Tage lang robbte der Querschnittsgelähmte eine unbefestigte Straße in der Wüste von New Mexico entlang, bis endlich ein Fahrzeug hielt und Rettung brachte. Jetzt liegt Gilmore im Krankenhaus von Shiprock. Die Haut am linken Bein und am Gesäß ist aufgerissen, das Handgelenk verstaucht und die Nieren arbeiten nach der Zeit ohne Wasser und Essen auch schlechter.

„Mann, mein ganzer Körper tut weh und ich bin erst in der ersten Heilungsphase“, sagte Gilmore der Nachrichtenagentur AP am Dienstag (Ortszeit) vom Krankenbett aus. Zuerst hatte die örtliche Zeitung „The Farmington Daily Times“ über den 49-Jährigen berichtet, der nach einem Autounfall auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Gilmore sagt, er habe beim Trampen ein Pärchen mit einem weißen Lastwagen kennengelernt. Man verstand sich gut, Gilmore lud die beiden zu sich nach Hause zum Essen ein. Anschließend machten die drei sich auf zu einer Fahrt durch die Wüste im Indianerreservat Navajo Nation. Als er es aber ablehnte, seinen Alkohol mit den neuen Bekannten zu teilen, habe der Mann ihn an den Beinen gepackt und aus dem Wagen geschmissen, sagt Gilmore.

Rettung in letzter Stunde

Früher Abend, keine Verpflegung, kein Rollstuhl, nicht einmal eine Jacke gegen die kalte Wüstennacht – erst am nächsten Morgen habe er in den Überlebensmodus geschaltet und begonnen, sich mit den Händen die Piste entlang zu ziehen, erzählt Gilmore. Gut sechs Kilometer hatte er so hinter sich gebracht, als am dritten Nachmittag ein blauer Wagen hielt. Ein anderes Auto sei vorher hupend vorbeigefahren, sagt Gilmore.

Er wurde 16 Kilometer entfernt von seinem Zuhause in Newcomb gefunden, seine Körpertemperatur betrug nur noch 34,5 Grad. „Ich glaube nicht, dass ich noch eine Nacht länger durchgekommen wäre.“ Jetzt muss Gilmore noch mindestens eine Woche im Krankenhaus bleiben. Bei der Polizei war zunächst niemand zu erreichen, der Gilmores Bericht bestätigte. Nach Angaben der Lokalzeitung haben die Behörden die Ermittlungen aufgenommen.

(Susan Montoya Bryan ist Korrespondentin der Nachrichtenagentur AP)

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