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Rabatt-Verbot für ausländische Versandapotheken

Ein Nachteil insbesondere für viele behinderte Menschen: Medikamente aus der Internet-Apotheke könnten künftig teurer werden.

Bekannteste ausländische Versandapotheke: DocMorris wurde im Jahr 2000 extra in den Niederlanden gegründet, um deutsche Preisbindungen zu umgehen. Mit diesem Vorteil ist es nun wohl vorbei.

DocMorris N.V. ist eine Versandapotheke, die telefonisch, per Post oder über das Internet Bestellungen für Arzneimittel aufnimmt. Sie beliefert vorwiegend Kunden in Deutschland. Ihren Standort hat die Firma in den Niederlanden – unweit der deutschen Grenze, rund 15 Kilometer von Aachen entfernt. Der Grund für die Wahl des Sitzes im Ausland: Bis 2003 war in Deutschland der Arzneimittelversandhandel verboten, und für rezeptfreie Medikamente gab es eine Preisbindung. Eine clevere Geschäftsidee: DocMorris macht jährlich 280 Millionen Euro Umsatz (2010).

Das Unternehmen wurde im Jahre 2000 von dem niederländischen Apotheker Jacques Waterval und dem Deutschen Ralf Däinghaus gegründet. Heute wird es geleitet von Olaf Heinrich und Michael Veigel. Die beiden Herren sollten jetzt schnell mal eine kräftige Kopfschmerztablette in ausreichender Menge ordern. Beispielsweise 100 Aspirin für 11,49 Euro, wenn sie in ihrem eigenen Onlineshop einkaufen. Bei einem deutschen Apotheker um die Ecke kostet die gleiche Menge rund 5,46 Euro mehr.

Nachteil für chronisch kranke und behinderte Menschen

Heinrich und Vogel können das Aspirin derzeit gut gebrauchen. Denn der Bundestag verabschiedete am Abend eine Gesetzesänderung, wonach die deutschen Vorschriften für Arzneimittelpreise künftig auch bei ausländischen Versandapotheken gelten. Diese können ihren deutschen Kunden damit keine Rabatte und Boni mehr gewähren. Allerdings bedarf diese Neuregelung auch noch der Zustimmung des Bundesrats.

Ferner soll das neue Gesetz die Patienten besser vor gefälschten Medikamenten schützen. Deshalb erhalten verschreibungspflichtige Arzneimittel in Zukunft ein Sicherheitsmerkmal, dass ihre Echtheit garantieren soll.

Im Vorfeld hatten die BAG Selbsthilfe sowie der Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) das geplante Gesetz kritisiert. Die BAG Selbsthilfe verwies darauf, dass gerade chronisch kranke und behinderte Menschen durch Rabatte und Boni finanzielle Mittel einsparen. Sie hätten durch die Bestellung bei Versandapotheken einen barrierefreien Zugang, sparten Fahrtkosten und könnten die Versorgung mit notwendigen Medikamenten einfacher und billiger organisieren.

(dpa/RP)

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1 Kommentar

  • Eva

    Na die Pfründe der deutschen Apotheker müssen doch auf dem Rücken der Patienten gesichert werden. Wir haben deutlich mehr Apotheken als Tankstellen in Deutschland.

    29. Juni 2012 at 11:05

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