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Rätsel um iranischen Schüler mit Glatze gelöst

Der Junge ist glücklich, aber nicht geheilt – und von der versprochenen Weiterbehandlung in Deutschland ist keine Rede mehr.

Vor vier Monaten: Mahan und Mitschüler mit Klassenlehrer Ali-Mohammed Mohammedian (Foto: dpa)

Vor vier Monaten: Mahan und Mitschüler mit Klassenlehrer Ali-Mohammed Mohammedian (Foto: dpa)

Das Bild ging um die Welt: Alle Jungen einer iranischen Schulklasse hatten sich die Haare vom Kopf rasiert. Ihr Lehrer hatte ihnen das Beispiel gegeben – um einem kranken Mitschüler zu helfen (ROLLINGPLANET berichtete).

Der iranische Schüler Mahan führt inzwischen wieder ein weitgehend normales Leben – doch seine seltene Krankheit, die ihm die Haare vom Kopf fraß und internationale Aufmerksamkeit schuf, ist noch nicht geheilt. „Mahan geht es den Umständen entsprechend gut, er macht einen glücklichen Eindruck, aber die Krankheit selbst ist noch da“, sagte Mahans Klassenlehrer Ali-Mohammed Mohammedian in der westiranischen Kleinstadt Mariwan.

Glatze sorgte für riesengroße Resonanz

Der achtjährige Mahan war Ende 2013 plötzlich immer dünner geworden, bekam Haarausfall und wurde letztendlich ganz kahl. Um sein Mitgefühl mit dem Jungen zu zeigen und die Hänselei seiner Mitschüler zu beenden, rasierte sich sein Klassenlehrer eine Glatze und stellte sein Bild auf seine Facebook-Seite.

Diese Aktion führte zu einer riesengroßen nationalen und internationalen Resonanz. Präsident Hassan Ruhani schaltete sich ein und ließ den Jungen für medizinische Untersuchungen nach Teheran schicken. Sein Lehrer wurde als einer der Lehrer des Jahres ausgezeichnet und befördert.

„Der Junge kommt wieder in die Schule, psychisch geht es ihm wegen der ganzen Sympathien in den Monaten gut, aber physisch hat sich nichts geändert“, sagte sein Lehrer der Nachrichtenagentur dpa. Die Ergebnisse der Tests aus Deutschland hätten ergeben, dass es sich um eine seltene, genetisch bedingte Hautkrankheit handele. Die sei zwar nicht lebensgefährlich, aber schwer zu behandeln, so Mohammedian.

Kaum noch Interesse an dem Jungen

Der Lehrer der zweiten Klasse an der Scheich-Schaltut-Grundschule beklagte, dass die Aufmerksamkeit nach dem Medienrummel um den Jungen erheblich nachließ. Mahan werde zwar weiterhin gratis in Teheran behandelt, aber die Reisekosten muss die Familie nun selber bezahlen. Von der versprochenen Weiterbehandlung in Deutschland sei keine Rede mehr. „Ich bin bisschen enttäuscht“, sagte Mohammedian.

Die Hoffnungen ruhen nun auf einer Gruppe der Ärzte ohne Grenzen, die demnächst nach Isfahan in Zentraliran für einige medizinische Untersuchungen kommen soll. Die Gruppe will sich auch um die seltsame Hautkrankheit des Jungen aus Mariwan kümmern. „Mahan steht ganz oben auf der Liste“, sagte sein Lehrer.

(dpa)

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2 Kommentare

  • Günni

    Ich hoffe, sie werden über die Special Olympics auch so fleißig berichten wie über die Para Oylmpics!

    24. April 2014 at 09:47
  • ROLLINGPLANET
    Rollingplanet

    Auch wenn der Kommentar vermutlich nicht hierher gehört: Wir berichten regelmäßig über die Special Olympics:
    http://rollingplanet.net/index.php?s=Special+Olympics

    24. April 2014 at 11:43

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