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Räume richtig planen: Heute bauen und an morgen denken

Eine ungünstig geschnittene Küche oder ein großer Flur sind verschenkter Platz. Von Barrierefreiheit bis Rückzugsmöglichkeiten: Was Sie bei der Architektur beachten sollten. Von Susanna Hoke

Auf den Grundriss kommt es an (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Auf den Grundriss kommt es an (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Nie mehr Stress mit dem Vermieter oder den Nachbarn: Ein eigenes Heim wünschen sich viele. Wer selber baut, braucht dafür nicht nur das nötige Kleingeld. Er sollte auch wissen, wie er leben will. Dabei geht es nicht nur um Zimmeranzahl und Wohnfläche, sondern auch um Vorlieben und Gewohnheiten. Wer zum Beispiel häufig Besuch empfängt, benötigt eine Diele mit großer Garderobe und womöglich ein Gästezimmer. Und wer viele Bilder aufhängen möchte, braucht entsprechend viel Wandfläche.

Heute an die Zukunft denken

Auch sollte der Bauherr nicht nur an seine aktuellen Wünsche, sondern an die Zukunft denken. Er plant besser vorausschauend, denn das Haus könnte sonst irgendwann zu klein oder zu groß sein. „Der Großteil der Wohnhäuser wird von Bauherren im Alter um 35 Jahre gebaut“, sagt Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz in Mainz. „Bereits einige Jahre später können sich die Lebensumstände, Wohnwünsche oder auch Komfortansprüche grundlegend verändert haben.“

Kinder werden erwachsen und ziehen aus, dafür ziehen später vielleicht die eigenen Eltern ein. Wer viele Räume in etwa gleich groß plant und auf tragende Innenwände verzichtet, kann die Aufteilung später leichter wieder ändern. So kann aus dem Kinderzimmer ein Gästezimmer oder ein Hobbyraum werden, erläutert die Architektenkammer Rheinland-Pfalz in ihrem Handbuch „Was Bauherren wissen müssen“.

Rechtzeitig über Barrierefreiheit nachdenken

Wer sich schon beim Hausbau Gedanken über Barrierefreiheit macht, kann später teure Umbauten vermeiden. Türöffnungen sollten von vornherein so geplant werden, dass sie sich später noch verbreitern lassen, und die Treppe so großzügig sein, dass sich ein Lift einbauen lässt.
Weitere Maßnahmen sind schwellenfreie Raumübergänge, tief gesetzte Schalter und ausreichend dimensionierte Bäder mit ebenerdigen Duschen. „Vieles kommt ja auch Familien mit kleinen Kindern zugute“, sagt Reker.

Die Wohnfläche ist natürlich auch eine Frage des Budgets. Aber zu sehr sollte am Platz nicht gespart werden. „Wenn man schon baut, will man schließlich Wohnqualität schaffen“, sagt Alexander Scholz, freier Architekt aus Bliesdorf (Brandenburg). Zur Orientierung empfiehlt er: 12 bis 16 Quadratmeter für Schlaf- oder Kinderzimmer, 40 bis 50 Quadratmeter für Küche und Wohnzimmer zusammen. Planen Hausbauer bei Türen einen Mindestabstand von 60 Zentimetern zur Wand ein, passt hinter die geöffnete Tür noch ein Schrank. Für ein Regal oder die Garderobe reichen 40 Zentimeter.

Offener oder geschlossener Grundriss

Was ist besser: Ein offener oder ein geschlossener Grundriss? Eine offene Wohnküche wirke großzügig und hell, erläutert Scholz. Dafür mangele es an Rückzugsmöglichkeiten. Beim geschlossenen Grundriss sind die Zimmer kleiner, aber man kann die Tür auch mal hinter sich zumachen. „Ich selber bevorzuge offene Räume, da bekommt man allerdings nie richtig Ordnung rein“, sagt der Architekt. Wen Dünste vom Kochen und herumstehendes Geschirr stören, der sollte Küche und Wohnzimmer lieber trennen.

Wer sich für einen großen Bereich für Essen, Kochen und Relaxen entscheide, könne auf verschiedenen Ebenen planen – zum Beispiel eine Sitzecke schaffen, die etwas geschützt zwei, drei Stufen tiefer liegt.

Japanische Schiebetüren im Trend

Edel und praktisch auch für Rollis: Shojis (Foto: Takumi Japanische Raumgestaltung)

Edel und praktisch auch für Rollis: Shojis (Foto: Takumi Japanische Raumgestaltung)

Im Trend sind außerdem „Shojis“, sagt Scholz. Die japanischen Schiebetüren oder -wände dienen nicht nur als Raumteiler oder Schranktüren, sondern auch als ästhetisches Gestaltungselement – und sind beispielsweise für Rollstuhlfahrer besonders praktisch. Weil die papierbespannten Sprossenrahmen Licht hindurch lassen, wirken sie leichter und eleganter als massive Schiebetüren. Sie machen einen Raum allerdings hellhörig.

Bei der Raumplanung kommt es auch auf kleinere Dinge an: „Steckdosen sind immer an der falschen Stelle“, sagt Alexander Scholz. Also: Ausreichend einplanen und auch an Vierer- oder Fünfer-Leisten denken. Über Daten- oder Lautsprecherkabel sollte man sich ebenfalls rechtzeitig Gedanken machen, damit sie später nicht quer durch die Wohnung verlegt werden müssen.

120 bis 180 Quadratmeter sind bei einem Haus für eine vierköpfige Familie eine gute Größe. Aber manche müssen mit 100 Quadratmetern auskommen. Alexander Krippstädt, Vorsitzender des Bundes Deutscher Innenarchitekten Mitteldeutschland in Dresden, rät, zum Beispiel die Arbeitsecke dann eben im Wohn- oder Schlafzimmer einzurichten.

Wohnen ohne Bürofeeling

Wie aber verhindert man, dass der gemütliche Raum zu sehr nach Büro aussieht? „Eine beliebte Lösung ist es, eine Wand aus einem angrenzenden Zimmer noch etwa 60, 70 Zentimeter weiter in den Raum hineinzuführen“, erklärt Krippstädt. „So entsteht eine Nische mit genug Platz für die Arbeitsplatte.“

Eine offene Treppe könne als Möbelstück mit Schubladen und Türen gestaltet werden und bietet somit Stauraum. Wer allerdings plant, später eine Einliegerwohnung im Obergeschoss abzuteilen und zu vermieten, braucht ein geschlossenes Treppenhaus. Bei Spitzdächern kann der Teil des Dachgeschosses, der durch die Schräge nicht mehr begehbar ist, mit Schiebetüren abgetrennt und als Stauraum genutzt werden.

Unten wohnen, oben schlafen

Bei Platzmangel bietet sich eine offene Bauweise an, die mit weniger Grundfläche auskommt. „Wer lieber abgetrennte Räume hat, muss mehr Platz einplanen, auch für Flure“, erklärt Krippstädt. „Sonst fühlt man sich schnell eingeengt.“ In diesem Fall wäre ein Lebensraum zum Essen, Kochen und Wohnen die bessere Alternative. Als Raumteiler bieten sich Regale an. „Die müssen dann aber bis zur Decke reichen, sonst werden sie als Möbelstück wahrgenommen“, sagt der Innenarchitekt.

Unten wohnen und oben schlafen – das ist immer noch der Klassiker. Für die Lage der Räume gilt ein einfaches Prinzip: Nach Norden oder zur Straßenseite hin liegen idealerweise Funktionsräume für Hauswirtschaft, Garderobe und Technik sowie die Speisekammer, erläutert Krippstädt. Nach Osten ist die Küche ausgerichtet und nach Westen das Wohnzimmer, wo die Familie den Tag gemeinsam ausklingen lässt.

(dpa/tmn)

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