Rathaus: Was ist das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom?

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Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ist das Erfinden, Übersteigern oder tatsächliche Verursachen von Krankheiten oder deren Symptomen bei Dritten, meist Kindern, um anschließend die medizinische Behandlung zu verlangen.

Wie extrem dieses Syndrom sein kann, zeigt ein „Spiegel“-Bericht, der eine Mutter zitiert, die ihre Tochter fast zu Tode quälte: „Ich wollte unbedingt ein schwerstbehindertes Kind zur Welt bringen. Ein Kind z. B. mit Down-Syndrom hätte mir nicht gereicht. Ich wollte ein Kind mit ganz schwerer Behinderung, z. B. mit einer Tetra-Spastik (spastische Lähmung aller vier Extremitäten).“

Die Störung ist relativ selten. Seit erstmals der britische Kinderarzt Roy Meadow 1977 im Fachblatt „The Lancet“ das Syndrom beschrieb, sind einige hundert Fälle weltweit benannt worden. Auffällig ist, dass dieses Verhalten fast ausschließlich Frauen (in der Regel Mütter) zeigen, die zudem in ihrem sonstigen Erziehungsverhalten als fürsorgend beschrieben werden. Die Todesrate der Opfer geben Studien mit zwischen 5 und 35 Prozent an.

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