Regierung plant 150-Millionen-Euro-Sonderprogramm für Integrationsbetriebe

Umverteilung der Gelder: Alternativen zu Werkstätten für Menschen mit Behinderung sollen gefördert werden.

Uwe Schummer, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag (Pressefoto)

Uwe Schummer, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag (Pressefoto)

Deutschlandweit beschäftigen rund 800 Integrationsbetriebe mehr als 22.000 Beschäftigte auf sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. In den Belegschaften sind Menschen mit Behinderungen mit einem Anteil von 25 bis 50 Prozent vertreten. Die Firmen positionieren sich zwischen betreutem Arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) und dem regulären Arbeitsmarkt.

Die Koalitionsfraktionen wollen den Ausbau dieser Integrationsbetriebe mit 150 Millionen Euro fördern. Eine Initiative dazu soll am morgigen Donnerstag abschließend im Plenum beraten werden. Dazu erklärt der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Uwe Schummer:

Zwölf statt 15 Stunden pro Woche

„Integrationsbetriebe sind Lotsenboote der Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Als Wirtschaftsunternehmen mit einem klaren sozialen Auftrag machen sie Teilhabe für Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt möglich und sind somit eine Alternative zu Werkstätten für behinderte Menschen. Aus diesem Grund will die Union die Anzahl der Integrationsbetriebe verdoppeln. Hierfür sollen in den Jahren 2015, 2016 und 2017 jeweils 50 Millionen Euro aus dem Ausgleichsfonds zur Verfügung gestellt werden. Mit dem neuen 150-Millionen-Euro-Programm können bis zu 4.500 neue Arbeitsplätze in Integrationsbetrieben geschaffen werden.

Was zählt, sind die Menschen mit ihren Stärken und Fähigkeiten. Deswegen will die Koalition vor allem für Menschen mit psychischen Erkrankungen den Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt erleichtern und senkt dazu die wöchentliche Mindestarbeitszeit in Integrationsbetrieben von bisher fünfzehn auf zwölf Stunden. Darüber hinaus soll die betriebliche Gesundheitsförderung verbessert und das Weiterbildungsangebot ausgeweitet werden. Auch sollen gezielt mehr langzeitarbeitslose Schwerbehinderte in Inklusionsbetrieben eingestellt werden. Damit die Integrationsbetriebe wettbewerbsfähig bleiben, sollen sie bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt berücksichtigt werden.“

„Die Zeit drängt“

Der Sozialverband SoVD begrüßt das Sonderprogramm für Integrationsbetriebe. „Die Arbeit der Integrationsbetriebe gezielt zu fördern ist der richtige Weg. Denn dadurch wächst die Chance, die berufliche Teilhabe behinderter Menschen wirksam zu verbessern. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die Zeit drängt. Denn die finanziellen Spielräume schwinden. Und das wirkt sich unmittelbar auf die Beschäftigungsmöglichkeiten der Betroffenen aus“, so SoVD-Präsident Adolf Bauer, der glaubt, dass das neue Programm entscheidend dazu beitragen kann, den Erfolg der Integrationsbetriebe fortzusetzen.

(RP/PM)

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