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REHAB Karlsruhe – Quo vadis…?

Selten fiel die Resonanz auf die REHAB International so unterschiedlich aus wie in diesem Jahr. Michael Heil über die Zukunft und Vergangenheit der Messe.

Schade eigentlich - dieses Jahr ohne Strohballen auf der REHAB International in Karlsruhe: Der Stand von Rehability

Schade eigentlich – dieses Jahr ohne Strohballen auf der REHAB International in Karlsruhe: Der Stand von Rehability

Wir haben jemanden um ein Fazit gebeten, der es wissen muss: Michael Heil kennt die Messe bereits seit 29 Jahren – als Rollstuhlfahrer und Aussteller.

Die gerade abgelaufene REHAB in Karlsruhe (25. -27. April 2013) ist und bleibt eine Traditionsmesse. Nachdem der Gründer und langjährige Verantwortliche, Dieter Borgmann aus Dortmund, mit 75 Jahren den Staffelstab übergeben hatte und die Entscheidung pro Karlsruhe statt Stuttgart fiel, blieb bei mir der Drama-Anfall weg.

Schließlich ist Karlsruhe meine ganz persönliche Hausmesse, und die Erinnerungen daran sind sehr vielfältig. Schon 1984, dem ersten Jahr, bei dem ich noch als junger Frischling im Rollstuhl als Mitglied der Sportgruppe rund um den Youngster Sopur dabei sein durfte, war die Messeluft eine ganz besondere.

Weil das Geld knapp war: Bastmatten und Holzkisten

Wie bei Firmen mit vielen Ideen und wenig Geld war die Gestaltung des Standes eher dürftig. Wir hatten ein paar Rollstühle, damals revolutionär bunt statt chromfarben und kompakt in der Bauweise statt weit ausladende Kisten mit langem Fußrastenvorbau und Armlehnen. Da brauchte es keines ausgefeilten Messebaus.

Die Standgestaltung war geprägt von Bastmatten und Holzkisten. Mit damals zirka 35 Quadratmetern – gefühlten 15 Quadratmetern, weil alles vollgestellt war – erwies sich der Auftritt trotzdem als der reinste Magnet. Endlich waren Farbe und Design im Rehaspiel.

Später, als ich in Karlsruhe meine erste eigene Messepräsenz mit meiner neuen Firma Rehability gestalten musste, war das ähnlich. Wenig Kohle, dafür eine Menge Ideen und den Vorteil, als ehemaliger Marketingleiter von Sopur ein paar Vorzüge durch die Messeleitung zu genießen.

Damals wie bald auch wieder in 2015 war Christiana Hennemann mitverantwortliche Mitarbeiterin der REHAB und hatte ein Einsehen, dass Strohballen, Baugerüst und Metallzaun statt perfekter Industrie-Messewand halt irgendwie Charme hatten und dem Gesamtbild zwar vielleicht nicht unbedingt zuträglich waren, aber doch irgendwie avantgardistisch daher kamen.

Bitte wieder mehr Stimmung und Aktionen

Die Band von Olli Roth spielte auf der Messe-Party von Rehability

Die Band von Olli Roth spielte auf der Messe-Party von Rehability

Die bemalten Ölfässer und später ein Dach mit Wasserrinne, aus dem dann der Orangensaft gezapft werden konnte, waren Kreationen, die ich mit der Messe der vergangenen 20 Jahre verbinde. Dieses Jahr hatten wir mit über 200 Quadratmetern Fläche nicht nur den größten Händlerstand, sondern mit der Standparty am Freitag Abend zusammen mit Otto Bock auch den größten Anteil am Come together.

Dass sich dabei auch so mancher tummelt und mit Bier und Currywurst bedienen lässt, den man in 30 Jahren Reha-Karriere lieber nicht dabei gehabt hätte, ist wohl normal und im Erfolg auszuhalten.

Und wie geht es weiter? Zu wünschen wäre der Messe nicht nur, dass sie etabliert bleibt, sondern wieder mit mehr Stimmung und Aktionen auch Neugierige anzieht.

Fachpublikum war wie immer in großer Zahl da. Aber die, die eigentlich interessiert sein sollten, was es Neues für den eigenen Bedarf gibt, könnten zahlreicher gewesen sein (insgesamt hatte die REHAB vergangene Woche 20.700 Besucher gegenüber 23.900 im Jahr 2011, das ist ein Minus von zehn Prozent). Also: Mut zum Ölfass und Holzlattenboden statt Messeteppich und Standdesign von der Stange…

(Der Autor ist Geschäftsführer von ROLLINGPLANET-Sponsor Rehability, Deutschlands größtem Aktiv-Reha-Versorger, und Mitinitiator des Heidelberger Aktiv-Reha-Centers.)

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