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Rettungsassistenten gefeuert, weil sie geholfen haben

Ist das zu fassen? Das Bayerische Rote Kreuz kündigt zwei Mitarbeitern wegen sinnvoller Medikamentengabe.

Ein Rettungswagen des Bayerischen Roten Kreuzes (Foto: flickr/NobbiUSA)

Ein Rettungswagen des Bayerischen Roten Kreuzes (Foto: flickr/NobbiUSA)

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat zwei Rettungsassistenten wegen der Gabe eines Epilepsie-Medikamentes fristlos gekündigt. Hintergrund ist, dass es selbst innerhalb Bayerns sehr unterschiedliche Regelungen zur sogenannten Notfallkompetenz gibt, in deren Rahmen Rettungsassistenten in Ausnahmefällen durchaus Medikamente verabreichen dürfen.

Im konkreten Fall hatten die Mitarbeiter in zwei ähnlichen Fällen eines besonders lang andauernden Epilepsie-Anfalls das medizinisch korrekte Medikament gegeben beziehungsweise dessen Gabe vorbereitet, um drohenden Schaden von den Patienten abzuwenden.

Hauptsache, man hält sich an das System

Jedoch: „Im Kreisverband Neustadt/Aisch gibt es die klare Ansage, dass dieses Medikament nicht verabreicht werden darf“, sagte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk am Montag. „Auch der, der helfen will, muss sich an das System halten.“

Der Anwalt der Betroffenen verweist hingegen auf die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, die die Gabe des Medikaments sogar durch medizinische Laien empfiehlt. „Ein ausgebildeter Rettungsassistent bekommt dafür die Kündigung. Da versteht man die Welt nicht mehr“, sagte auch der BRK-Bereitschaftsarzt Hans Joachim Schirner am Montag in Nürnberg.

(RP/lby/dpa)

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14 Kommentare

  • Andreas Finetti

    Frechheit

    25. November 2013 at 18:07
  • Carsten Meier

    Und einige Kilometer weiter wäre es unterlassene Hilfeleistung gewesen, wenn die Sanitäter nicht geholfen hätten…

    25. November 2013 at 18:09
  • Ralf

    Heißt es demnächst: Keine Rettung ohne meinen Anwalt?

    25. November 2013 at 18:25
  • ulf_der_freak

    DIe wollen sicherlich lieber nicht-selbständig denkende MitarbeiterInnen haben, die man neu eingestellt sicherlich auch schlechter bezahlen kann.

    25. November 2013 at 18:58
  • Dr. E. Schmidt

    Nein – das ist nicht zu fassen

    25. November 2013 at 19:11
  • georg merklein

    da weiss man nicht mehr, was man dazu noch sagen soll, nur noch zum kopfschuetteln…

    25. November 2013 at 21:44
  • Andrea Bröker

    Unglaublich. Hätten sie das Medikament nicht verabreicht, wären sie wohl wegen unterlassener Hilfeleistung gekündigt worden.

    25. November 2013 at 23:41
  • Paul Sanders

    Das ist soooo falsch

    25. November 2013 at 23:53
  • Katja Contu

    tja, so geht das, in unserer verblödeten Gesellschaft 🙁

    26. November 2013 at 10:22
  • Thomas

    Das ist typisch für das System Deutschland, in dem die Ärzte das Sagen haben und alle anderen ihre Sklaven sind. In der Schweiz haben Schwestern, Pfleger und Sanitäter wesentlich mehr Kompetenzen, kein Wunder, dass kaum jemand noch diese Berufe in Deutschland machen will.

    26. November 2013 at 10:44
  • Manuela

    Soll sich der Epileptiker jetzt überlegen, wo er seinen Anfall bekommt, oder was? Einmal ist es unterlassene Hilfeleistung und einmal wird dem Helfer dafür gekündigt? Hoffe, ein Unternehmen ein paar Kilometer weiter, weiss die Tat zu schätzen und stellt die Sanis ein!
    Wenn sie nicht gehandelt hätten, wäre evtl. ein Schaden für den Verletzten/Kranken nicht mehr abwendbar gewesen und die Beiden haben gehandelt, ohne an die persönlichen Folgen zu denken! Hut ab! Chapeau! Das ist mal gelebte Zivilcourage!

    26. November 2013 at 15:42
  • Petter Bernd

    Hallo

    Da bin ich aber froh dass ich in Frankreich lebe! Hier kann man über das deutsche System nur lachen obwohl es nicht zum lachen ist.

    Was mein Vorredner aus der Schweiz sagte trift auch für Frankreich zu. Das medizinische „Hilfs“personal ist nicht nur besser ausgebildet, es darf auch selbständiger arbeiten.

    mit freundlichen Grüßen
    Bernd Petter

    26. November 2013 at 15:55
  • Daniel KEMPER

    Vielleicht hätte man sie erst man abmahnen sollen gleiche feuern ist unmenschlich. .. wenn das rote Kreuz bei mir anderen Tür schellt und um ne spende bittet werde ich nichts mehr geben …..

    20. Februar 2014 at 09:40
  • Heidi

    Das nicht ärztliches Personal in Deutschland nicht eigenständig entscheiden und handeln darf, liegt an einem Gesetz, daß vorgesetzte Ärzte dafür gerade stehen läßt, wenn dem nicht ärztlichen Personal beim Verabreichen von Medikamenten etwas unvorhergesehenes passiert. Das gleiche gilt für das Legen von paenteralen Zugängen und intravenösen Blutentnahmen, etc. Deutschlands Pflegekräfte und Sanitäter kämpfen schon seit Jahrzehnten dafür, bei ihrer Arbeit einen größeren Spielraum und mehr Verantwortung zu bekommen. Und sei es nur unter telefonischer Anleitung möglich Notfallmaßnamen durch zu führen. (Ist in den USA im Sanitätsdienst seit vielen Jahren üblich). Doch ohne die Änderung von Gesetzten geht gar nichts. Trotzdem ist ein größerer Handlungsspielraum heute schon möglich. Ich arbeitete mal in einer Schule mit ziemlich vielen epilepsiekranken Kindern. Es gab auch schwere Anfälle. Einer davon mit Todesfolge. Der Arzt der diese Schule betreute hatte schriftlich festgelegt, daß Pflegekräfte und Lehrer bei schweren epileptischen Anfällen Notfallmedikamente geben dürfen, sofern vom behandelnden Kinderarzt eine Dosierempfehlung vorhanden war. Wenn das DRK seinen leitenden Arzt bittet für solche schweren Krampfanfälle eine to do Liste zu unterschreiben, in der festgelegt wird welche Notfallmedikamente in Ausnahmefällen vom nicht ärztlichen Personal verabreicht werden dürfen, dann hätten sich diese Resttungsasistenten nicht strafbar gemacht und wären immer noch im Dienst.

    20. Februar 2014 at 18:10

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