Rheinland-Pfalz: 90 Prozent der Arztpraxen nicht barrierefrei

VdK fordert von Gesundheitsbranche und Politik schärfere Regelungen. Behindertenbeauftragter will sich für das Thema einsetzen.

Beim Arzt – aber erst mal muss man es überhaupt in seine Praxis schaffen. (Foto: Shutterstock)

Beim Arzt – aber erst mal muss man es überhaupt in seine Praxis schaffen. (Foto: Shutterstock)

Nur zehn Prozent der Allgemeinmediziner oder Fachärzte in Rheinland-Pfalz sind für ältere oder behinderte Menschen ohne Barrieren erreichbar. Das ergab eine VdK-Telefonbefragung unter 558 (zehn Prozent) der rund 5.400 Arztpraxen (wobei das
auch auf andere Bundesländer zutrifft, siehe ROLLINGPLANET-Bericht: Treppen, Türen, Toiletten: Dr. med. Istmirdochegal). Die Barrierefreiheit wurde mit vier Kriterien überprüft: Behindertengerechter Parkplatz, Gebäudezugang, Behandlungszimmer und Toilette. Ohne das Kriterium „Behindertenparkplatz“ gelten 45 Prozent der Arztpraxen in Rheinland-Pfalz als zumindest „überwiegend barrierefrei“.

Vier Forderungen

„Barrierefreiheit ist das Thema der Zukunft“, sagte VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger auch mit Blick auf den demografischen Wandel. „Deswegen muss sie stärker gefördert werden.“

Von den Akteuren forderte Jäger zielgerichtete Regelungen. „Erstens müssen Ärzte umfassender auf Barrierefreiheit achten – und zwar nicht nur in den Praxisräumen, sondern auch beim Gebäudezugang.“ Zweitens seien Kommunen aufgerufen, mehr behindertengerechte Parkplätze auszuweisen. Drittens solle die Landesregierung mehr über den Nutzen von Barrierefreiheit informieren. Viertens nahm Jäger die Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung in die Pflicht. „Für Ärzte muss es sich lohnen, barrierefrei umzubauen. Das geht nur über Vereinbarungen und finanzielle Anreize.“

Behindertenbeauftragter greift Thema auf

„Die Aktion des VdK begrüße ich. Gerade bei bestehenden Arztpraxen und auch therapeutischen Praxen haben wir große Probleme mit der Barrierefreiheit“, erklärte Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen.

„Die Bundesregierung fordere ich zu einer Ergänzung des ‚Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes‘ im Rahmen der aktuellen Novellierung des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes auf, um hier generell Abhilfe zu schaffen. In Rheinland-Pfalz werde ich mich für die Wiederaufnahme der Zielvereinbarungsverhandlungen für barrierefreie Arztpraxen einsetzen“, so Rösch.

(RP/PM)

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2 Kommentare

  • Lieschen Müller

    ich kenne neu sanierte Ärztehäuser in denen ca 13 Ärzte untergebracht sind–auch Orthopäden – die haben nicht mal ein rollstuhlgerechtes WC ???? 🙁 …. da frag ich mich des öfteren wo diese Zuschüsse für barrierefeies Bauen hinkommen ??

    30. November 2015 at 16:29
  • Zack Tina

    Barrierefreiheit wird immer gleichgesetzt mit Rollstuhlgerecht oder für gehbehinderte barrierefrei. Aber Barrierefreiheit umfasst viel mehr! Was ist mit Kommunikationsfreiheit ( Erreichbarkeit per mail, persönliches Aufrufen usw…) Für gehörlose oder Barrierefreiheit für Blinde Menschen?? Ich finde hier wird das Wort „Barrierefreiheit“ zu stark reduziert !

    30. November 2015 at 19:35

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