Rheinland-Pfalz testet Medikamenten-Terminals bei Apotheken

Die Medikamente werden nicht vom Apotheker über den Tresen gereicht – sondern fallen aus dem Schacht eines Automaten. Das kann laut Gesundheitsministerium nachts und am Wochenende eine Alternative sein – wenn die Beratung nicht fehlt.

Abgabeterminal „Visavia“, das von der Firma Rowa entwickelt wurde. (Pressefoto)

Für eine bessere Medikamentenversorgung auf dem Land und außerhalb der Öffnungszeiten testet Rheinland-Pfalz Abgabeterminals in Apotheken. Das Projekt startete am Montag in Daun in der Eifel, Osthofen nahe Alzey, Bodenheim bei Mainz und Haßloch in der Pfalz, wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilte.

Begleitet wird der Test von Wissenschaftlern der Universitäten Trier und Mainz. Rezepte können dabei am Terminal gescannt und mit einer elektronischen Signatur versehen werden. Ein Apotheker berät den Patienten – meist über einen Bildschirm. Wenn nötig, sei der Apotheker auch persönlich vor Ort, teilte das Ministerium mit.

„Die veränderte Demografie stellt uns auch im gesundheitlichen Bereich vor allem im ländlichen Raum vor neue Herausforderungen“, erklärte Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD). Das Land wolle untersuchen, ob die Medikamentenabgabe über das Terminal eine sinnvolle Ergänzung zur Apotheke sein kann, bei der die Qualität gesichert ist.

Rechtliche Klippen umschiffen

Das Bundesverwaltungsgericht hatte in einem Urteil vor zwei Jahren untersagt, rezeptpflichtige Medikamente über automatisierte Terminals abzugeben (Az.: BVerwG 3 C 30.09 und 3 C 31.09 – Urteile vom 24. Juni 2010). Die Richter schmetterten die Klagen zweier Apotheker aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im Wesentlichen ab. Die Terminals erfüllten die Dokumentationspflichten nicht und auch nicht den gesetzlichen Auftrag eines Apothekers, entschied das Gericht.
Die rheinland-pfälzische Firma Rowa hatte seinerzeit das Arzneimittel-Abgabeterminal „Visavia“ entwickelt, das via Bildschirmtelefon mit einem Apotheker eines Service-Zentrums verbunden war.

Die Argumente aus dem Urteil seien bei der Vorbereitung des Tests bedacht worden, sagte eine Ministeriumssprecherin. So seien die neuen Terminal weiterentwickelt worden, zum Beispiel was die Möglichkeiten für eine Beratung und die Signatur angehe. „Ich sehe das Abgabeterminal nicht als Konkurrenz für die Apotheken, sondern es muss Bestandteil der Apotheken werden. Es ist an eine Präsenzapotheke angeschlossen“, erklärte Dreyer.

(dpa/lrs)

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