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Rheinland-Pfalz will „mehr Inklusion wagen“

Gegen den Widerstand der CDU: Eltern behinderter Kinder haben künftig Wahlrecht für Schule.

Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) bedient sich rhetorisch bei Willy Brandt (Foto: Robert Schlesinger/dpa)

Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) bedient sich rhetorisch bei Willy Brandt (Foto: Robert Schlesinger/dpa)

Die Eltern behinderter Kinder in Rheinland-Pfalz können künftig wählen, ob ihr Kind auf eine Förderschule oder eine besondere Regelschule geht. Der Landtag beschloss am Mittwoch in Mainz mit den Stimmen von Rot-Grün eine Novelle des Schulgesetzes. Bei der Inklusion – dem gemeinsamen Lernen – setzt Rheinland-Pfalz auf Schwerpunktschulen.

Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) warb dafür, „mehr Inklusion zu wagen“. Die CDU stimmte gegen das Gesetz. Fraktionschefin Julia Klöckner warnte vor neuen Millionenausgaben (ROLLINGPLANET berichtete: CDU wirft Regierung Erpressungsmethoden vor). „Wenn Sie Inklusion wollen, dann stehen Sie auch zu den Kosten,“ so Klöckner.

Von fast 20.000 Kindern mit anerkanntem Förderbedarf im Land lernen derzeit laut Bildungsministerium 27 Prozent mit nicht behinderten Schülern. Der Anteil könnte bis 2016 auf 40 Prozent steigen.

Auch künftig wird’s Streit geben

Zwischen Land und Kommunen schwelt ein Streit um die Kosten des gemeinsamen Unterrichts. Als Ausgleich bot das Land den Kommunen zehn Millionen Euro im Jahr an. Kreise, Städte und Gemeinden sowie die Lehrergewerkschaft VBE fordern, dass das Land das komplette Geld für Integrationshelfer übernimmt, während die Regierung diese Aufgabe bei den Kommunen sieht.

Diese beziffern die Kosten für Integrationshelfer auf mindestens 22 Millionen Euro im Jahr. Der Sozialverband VdK wertete das Wahlrecht der Eltern positiv, forderte aber genug Fachpersonal.

(dpa/lrs)

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2 Kommentare

  • Jörg Buthe

    Das fehlende Geld kann man doch sicher bei den vollstationären Pflegeplätzen einsparen. Da arbeiten doch sowieso genug Pflegekräfte. Und falls noch was übrig bleibt, gibt es bestimmt noch irgendeine Rennstrecke zu kaufen.

    23. Juli 2014 at 19:15
  • Nic Ole

    Wie bitte soll das funktionieren – es entscheiden Menschen über Inklusion, die überhaupt KEINE Ahnung haben wie das umgesetzt werden soll! Es gibt viel zu wenig Fachpersonal die das umsetzen könnte. Zudem ist die Bereitschaft der Regelschule nicht „nur“ zu integrieren, sondern tatsächlich zu inkludieren noch gar nicht ausgereift. Die Lehrer der Regelschule sind über Kinder mit besonderem Förderbedarf weder ausreichend informiert und schon gar nicht dafür ausgebildet. Inklusion ist ein toller Gedanke, letztendlich bleibt es aber bei der Integration…..und das ist wiederum, in manchem Fällen, fast wieder eine Separation, weil, je nach Förderbedarf, eine 1:1 Betreuung unumgänglich ist!

    23. Juli 2014 at 21:53

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