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Rheuma-Patienten fühlen sich oft im Stich gelassen

Umfrage vor der Bundestagswahl: Betroffene beklagen unter anderem lange Wartezeiten bei Fachärzten und sorgen sich vor Altersarmt.

Die Olympia-Siegerin Heike Drechsler (m.) ist mit der Überschrift nicht gemeint – sie ist Botschafterin der Deutschen Rheuma-Liga. (Foto: Kirsten Kofahl/Deutsche Rheuma-Liga)

Die Olympia-Siegerin Heike Drechsler (m.) ist mit der Überschrift nicht gemeint – sie ist Botschafterin der Deutschen Rheuma-Liga. (Foto: Kirsten Kofahl/Deutsche Rheuma-Liga)

Lange Wartezeiten bei Ärzten, Sorge vor Altersarmut, Hoffnung auf flexiblere Arbeitsmodelle: Menschen, die an Rheuma erkrankt sind, kämpfen mit zahlreichen Problemen im privaten und beruflichen Alltag. Das hat eine Online-Umfrage der Deutschen Rheuma-Liga bestätigt. Rund 1.000 Personen haben an der Umfrage teilgenommen und detailliert beschrieben, vor welchen Problemen sie stehen. Mit der Umfrage wollte die Deutsche Rheuma-Liga herausfinden, ob sie mit ihrem „Aktionsplan Rheuma“ auf dem richtigen Weg ist.

Ein zentrales Ergebnis: Es dauert nach wie vor viel zu lange, bis Rheuma diagnostiziert wird. Über die Hälfte der Befragten hat vier Monate oder länger warten müssen, bis ein Rheumatologe die Diagnose gestellt hatte. Nur etwa 10 Prozent haben einen Termin in den ersten sieben Tagen erhalten. Die Konsequenzen können gravierend sein: Je später die rheumatische Erkrankung diagnostiziert wird, desto geringer sind die Chancen auf Remission. Auch bei einem akuten Schub müssen an Rheuma Erkrankte lange Wartezeiten hinnehmen. Rund 30 Prozent warten länger als einen Monat auf einen Termin. Immerhin erhält jeder Fünfte (19 Prozent) innerhalb von drei Tagen einen Termin beim Rheumatologen. Ähnlich lange Wartezeiten zeichnen sich bei Terminen bei Orthopäden ab. Über 25 Prozent warten dort länger als einen Monat auf einen Termin.

Ein Verbandsthema für den Wahlkampf

Beim Thema Rente herrschen große Enttäuschung und Sorgen unter den Betroffenen. Fast 70 Prozent fühlen sich in Puncto finanzielle Sicherung im Alter von der Politik im Stich gelassen. Die Teilnehmer waren überwiegend der Meinung, dass chronisch kranke Menschen benachteiligt werden. Die Neuregelungen zur Erwerbsminderungsrente werden das Risiko der Altersarmut für junge Rheumatiker nicht wesentlich verbessern. Private Altersvorsorge ist schwierig, wenn das Einkommen nicht reicht, um Geld beiseite zu legen, sagt über die Hälfte der Befragten. Zumal viele Betroffene finanzielle Belastungen für nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Fahrtkosten zu Therapien und Ärzten von mehreren hundert Euro pro Jahr tragen müssen.

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Immer mehr Unternehmen und Organisationen bieten mittlerweile flexible Arbeitszeiten, Gleitzeit und Homeoffice an. Trotzdem gibt es immer noch viele Arbeitgeber mit sehr starren Modellen. Für Rheumaerkrankte führt das zu vielen Problemen, etwa wenn Arzttermine anstehen. Rund 81 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice geben sollte. Mit ihrer Erkrankung geht eine deutliche Mehrheit sehr offen um: Etwa 63 Prozent informieren ihre Kollegen und Vorgesetzten über ihre rheumatische Erkrankung. Es kommt aber auch vor, dass die Krankheit verschwiegen wird, etwa aus Angst den Arbeitsplatz zu verlieren oder benachteiligt zu werden.

Mit den Ergebnissen geht die Deutsche Rheuma-Liga „gestärkt in die politische Arbeit“, wie der Verband mitteilte. Er will zur anstehenden Bundestagswahl den Abgeordneten deutlich mitteilen, was Menschen mit Rheuma von der Politik erwarten. Dafür wurden die Kernforderungen in einem „Aktionsplan Rheuma“ zusammengefasst.

Mehr Infos: https://www.rheuma-liga.de/aktionsplan

(PM)

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