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Robert Edwards: Nur das Sterben konnte er nicht neu erfinden

Der „Vater“ des ersten Retortenbabys und der künstlichen Befruchtung ist tot.

Robert Edwards (27.9.1925–10.4.2013)

Robert Edwards (27.9.1925–10.4.2013) (Foto: dpa)

Millionen Paare wären ohne ihn kinderlos geblieben, Millionen Babys nie geboren worden: Der Pionier der künstlichen Befruchtung, Robert Edwards, ist tot. Der britische Mediziner und Nobelpreisträger sei am Mittwochmorgen nach langer und schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen, teilte seine Familie mit.

„Seine Arbeit hatte unermessliche Bedeutung für die ganze Welt“, hieß es in der Mitteilung. „Bob Edwards war ein bemerkenswerter Mann, der die Leben so vieler Menschen verändert hat“, sagte Martin Johnson von der Universität Cambridge, wo Edwards Jahre lang gearbeitet hatte.

Widerstände aus Kirche und Medizin

Edwards, geboren am 29. September 1925 im englischen Leeds, studierte nach dem Militärdienst zunächst Biologie, und begann bald seine Forschung auf dem Gebiet der Reproduktion und Genetik. Schon in den frühen 1950er Jahren legte er die Grundlagen für seine späteren Entwicklungen, zunächst in Tierversuchen.

Der Wissenschafter lernte, die Hormone, mit denen auch der Mensch das Wachstum und die Reifung seiner Eizellen regelt, für seine Zwecke einzusetzen. Seinen Traum, die künstliche Befruchtung auch am Menschen möglich zu machen, musste er aber gegen viele Widerstände aus Kirche und Medizin durchsetzen.

Am 25.7.1978 kam Louise Joy Brown zur Welt

Er tat sich mit dem Gynäkologen Patrick Steptoe zusammen, und gemeinsam schafften sie das früher Undenkbare: Am 25. Juli 1978 wurde mit Louise Joy Brown das erste „Retortenbaby“ der Welt geboren. Die Eltern Lesley und John Brown hatten zuvor neun Jahre lang vergeblich versucht, ein Kind zu bekommen. Steptoe und Edwards gründeten außerdem die Bourn Hall Clinic für künstliche Befruchtungen.

Rund jedes zehnte Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen – bis 1978 ließ sich dagegen kaum etwas tun. Heute leben Millionen Menschen, die durch künstliche Befruchtung zur Welt kamen.

Ein Biologe, der Träume wahrmachte

Erst 2010 wurde Edwards Arbeit mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt. Steptoe, dessen Bedeutung Edwards bei der gemeinsamen Arbeit immer wieder betonte, war da bereits 1988 gestorben. Kurz darauf bekam Edwards von der britischen Königin Elizabeth II. den Titel „Sir“ verliehen. Seine letzten Lebensjahre waren allerdings durch Krankheit geprägt.

„Nur wenige Biologen haben die Welt so positiv beeinflusst und einen solchen praktischen Einfluss auf die Menschheit gehabt“, sagte Peter Braude vom King’s College London. „Er verlässt die Welt als bessern Ort.“ Edwards, der selber fünf Töchter hatte, betonte stets das Menschliche an seiner Arbeit. Er soll den Wahlspruch gehabt haben: „Es gibt nichts wichtigeres im Leben als ein eigenes Kind.“

(dpa)

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