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ROLLINGPLANET exklusiv: Die erste Text- und Hörprobe aus dem Buch „Ziemlich beste Freunde“

Als erstes deutsches Onlinemagazin bietet Ihnen ROLLINGPLANET einen Vorgeschmack auf die gedruckte und Audiofassung von „Ziemlich beste Freunde“, die in einer Woche erhältlich sind.

Ziemlich beste Freunde

Für manche Kritiker zu viel des Guten: 'Ziemlich beste Freunde' mit Omar Sy und François Cluzet in den Hauptrollen

Einige deutsche Kritiker, so war zu befürchten, würden sich mit „Ziemlich beste Freunde“ schwer tun. Die Geschichte eines reichen Rollstuhlfahrers und seines Pflegers, die beide zusammen ziemlich viel Quatsch veranstalten und Lebensfreude pur erleben, zwei gegensätzliche Außenseiter, die ihren eigenen Platz in der Gesellschaft haben und trotzdem einander respektieren – und das Ganze ohne moralischen Zeigefinger und mit viel Humor dargestellt? So etwas ist in Deutschland eigentlich bereits zum Scheitern verurteilt, und tatsächlich mokierte sich die „Süddeutsche Zeitung“ nach ihrem Kinobesuch, dass die „beinahetragische Fallhöhe fehlt“.

Kann das denn das alles wahr sein?

„Das alles kann ja keine wahre Geschichte sein“, lautete die voreilige Meinung mancher Journalisten. Dass ein Rollstuhlfahrer in einem Maserati (im wirklichen Leben: Rolls Royce) durch die Gegend rast, dass man trotz hoher Lähmung ein wildes, gieriges Leben führen kann – das wollten einige nicht glauben. Das entspricht so gar nicht dem Bild von einem pflegebedürftigen Menschen. Besonders peinlich war ein Beitrag in der „taz“, deren Autorin komplett überfordert war: „Wer in Olivier Nakaches ‚Ziemlich beste Freunde‘ bis zum Abspann sitzen bleibt, kann, wie zur Beglaubigung, einen Blick auf die ‚Originale‘ werfen, auf denen die als ungewöhnlich angekündigte Geschichte beruht… Die wahre Geschichte – sie wird anders gewesen sein.“

ROLLINGPLANET ist bis zum Abspann sitzen geblieben und prognostizierte, dass die „ungewöhnlich angekündigte Geschichte“ eben auch deshalb so erfolgreich (bislang schon über 6 Millionen Zuschauer) sein würde, weil es eine wahre Geschichte ist. Im Gegensatz zu den meisten waren wir sogar überzeugt, dass der Kinofilm eher UNTERTREIBT als übertreibt – und möglicherweise manche Szenen sehr viel heftiger ausgefallen wären als in der familienfreundlichen Leinwandversion, wenn die beiden Regisseure dem Original bedingungslos gefolgt wären.

Frank Röth

Frank Röth

Die Autobiografie von Philippe Pozzo di Borgo, die den Stoff liefert, wird dies beweisen. Am 16. März werden sowohl die Buch- als auch Audio-Version erscheinen, einen Monat früher als geplant.

Das Audiobuch wird von Frank Röth gesprochen. Der 53-Jährige Weinheimer ist die deutsche Synchronstimme von François Cluzet, der im Film Philippe spielt.

Als erstes deutsches Magazin bietet Ihnen ROLLINGPLANET heute einen Vorgeschmack auf den Text und die gesprochene Version. Klicken Sie auf den nachfolgenden Link für die Hörprobe – und wenn Sie den Film bereits gesehen haben, wird Ihnen manches sehr vertraut vorkommen:

Hörprobe

Ziemlich beste Freunde Hörprobe

Text für Hörgeschädigte

Eines Nachmittags parkt Abdel sein Auto in der Nähe unseres Hauses, vor der Einfahrt der Nachbarn. Er geht zum Haus zurück, um abzuschließen. Ich bin im Wagen. Laetitia sitzt auf dem Beifahrersitz. Ein Auto mit Diplomatenkennzeichen fährt vor. Der Nachbar. Er fängt laut an zu hupen. Doch damit erreicht er in keiner Weise, dass Abdel sich beeilt. Im Gegenteil. Er schaut sogar noch einmal nach, ob ich auch richtig angeschnallt bin.

Der Nachbar ist schon ganz rot im Gesicht und nimmt die Hand gar nicht mehr von der Hupe. Abdel geht langsam auf die Autotür zu. Da reißt dem Nachbarn der Geduldsfaden. Er springt aus seinem schicken Volvo und wirft Abdel eine Beleidigung an den Kopf. Er ist Amerikaner. Einen Kopf größer als unser Held und mindestens 30 Kilo schwerer. Abdel packt ihn am Kragen. „Na, was hast Du für ein Problem?“

Der andere empört sich in gebrochenem Französisch über Abdels Ignoranz und Unhöflichkeit. Erste Kopfnuss. Der Amerikaner blutet aus dem Mund. Er ist fuchsteufelswild. Er verlangt, Abdels Arbeitgeber zu sprechen. Abdel, ein wenig blasser als sonst, zeigt auf mich hinten im Wagen und setzt noch zwei saftige Ohrfeigen drauf.

Ich versinke in meinem Rollstuhl. Laetitia legt sich flach auf die Rückbank, so sehr schämt sie sich. Der Amerikaner zieht sich verlegen in sein Auto zurück und entschuldigt sich. Er fährt zur Seite, damit wir vorbeikommen.

Abdel lacht geschlagene fünf Minuten. Die kleine Auseinandersetzung hat ihm gut getan. Ich glaube, er fühlt sich nur wohl, wenn er sein Tageskontingent an Schlägen ausgeteilt hat. Und dass ich ihm eine Standpauke halte, überrascht ihn.

In der Regel schläft er nach fünf Minuten ein, wenn ich in den Studienvorbereitungskursen meine Einführungen in die betriebswirtschaftliche Ethik gebe. Und wenn ich in Gymnasien oder Kirchen über die Hoffnung referiere, schnarcht er laut im Stehen.

Er ist so kurz wie möglich zur Schule gegangen, gerade lange genug, um ein paar Lehrer zusammenzuschlagen, und bei der Gruppenvergewaltigung eines anderen dabei zu sein, an der er sich, so versichert er mir, sich aber nicht beteiligt hat.

Er ist in einer Hochhaussiedlung bei Paris aufgewachsen, wo das Leben darin bestand, Stehlen und Dealen zu lernen. Er lacht, wenn sich das Gespräch um die französischen Gefängnisse dreht, veritable Hotels, seiner Meinung nach überwintern viele Vorort-Bewohner dort, weil es so schön warm ist und im Sommer kommen sie wieder raus, um neue Dinge zu drehen.

Er schätzt mich, glaube ich, weil ich ihn für intelligent halte und der Meinung bin, dass er eine Zukunft verdient, die besser ist als Elend. Unser privilegiertes Milieu ist für ihn eine Welt von Außerirdischen. Die einzige Realität, die er kennt, ist die Gewalt der Straße.

Buch: Hanser Berlin, 260 Seiten, ISBN 978-3-446-24044-5, 14,90 Euro. – Hörbuch: GoyaLiT (4 CDs, ISBN 978-3-8337-2939-3, 19,99 Euro), gesprochen von Frank Röth.


Interview mit Bettina Bach, Übersetzerin des Buchs


Zum Themenschwerpunkt Ziemlich beste Freunde


10 x „Ziemlich beste Freunde zu gewinnen“

Unter allen ROLLINGPLANET-Nutzern, die sich bis zum 15. März 2012 für unseren Newsletter registrieren, verlosen wir 5 x die Autobiografie von Philippe Pozzo di Borgo (Hanser Berlin) und 5 x das Hörbuch, gesprochen von Frank Röth, der deutschen Synchronstimme von François Cluzet, der im Film Philippe spielt (GoyaLiT, 4 CDs)
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