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ROLLINGPLANET-Warnung (nicht nur) für blinde Menschen: Rattengift bei Lidl im Verkaufsraum

Behinderte mit Assistenzhund sollten jetzt beim Einkaufen vorsichtig sein – falls sie nicht mit einem toten Tier nach Hause kommen wollen.

Bert Bohla (blind) und Felix Müller (Diabetiker) vor einem Lidl-Supermarkt (Foto: privat)

Bert Bohla (blind) und Felix Müller (Diabetiker) vor einem Lidl-Supermarkt (Foto: privat)

Vor einigen Wochen warf Lidl Felix Müller (hat Diabetes Typ 1) mit seiner Hündin Bella raus – er wurde vom Sicherheitspersonal „wie ein lästiger Störenfried“ rausgeworfen, berichtete Bert Bohla, Vorsitzender des Vereins Lichtblicke zur Förderung des Blindenführhundwesens, auf ROLLINGPLANET. Immerhin – anschließend verkündete der Discounter auf seiner Webseite:

„Wir legen großen Wert darauf, Menschen mit einem Handicap zu unterstützen. Kunden, die auf einen Assistenz- oder Blindenführhund angewiesen sind, dürfen gekennzeichnete und nachweislich ausgebildete Tiere selbstverständlich in alle Filialen mitnehmen.”

Möglicherweise ist das derzeit keine besonders gute Idee. Denn Lidl verstreut angeblich mitten im Verkaufsraum Rattengift. „Das hat nichts in der Nähe von Lebensmitteln zu suchen“, kritisierte der Handelsexperte der Verbraucherzentrale, Armin Valet, am Donnerstag. „Das ist aus unserer Sicht ein Verstoß, weil da Gesundheitsgefahren vorhanden sind.“

ROLLINGPLANET sagt Danke an Lidl


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(Foto: Die-kleene-Hexe/pixelio.de)

Durch ein Loch in der Wand kamen im Januar 2012 Ratten nachts in die Intensivstation eines Krankenhauses in der nordwestindischen Stadt Jodhpur. Dort nagten sie einem 70-jährigen gelähmten Mannes an Ohren, Lippe und Nase – schwere Verletzungen. Auch die Schläuche des Beatmungsgeräts des Notfall-Patienten bissen die Viecher durch. Das kann uns beim nächsten Lidl-Shopping nicht passieren. Wenn das nicht mal ein Dankeschön verdient hat…

ARD-Magazin deckt Gift-Skandal auf

Hintergrund der Kritik ist ein Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“. Demnach soll Lidl Rattengift in seinen Verkaufsräumen eingesetzt haben, ohne den zuständigen Behörden Rattenprobleme zu melden. Beschäftigte in mehreren Bundesländern wurden demnach angewiesen, nur mit Handschuhen zu arbeiten und das Pulver keinesfalls einzuatmen.

Der Discounter erklärte, aktuell lägen keine Hinweise von Mitarbeitern über gesundheitliche Beschwerden vor. Lidl kontrolliere seine Märkte täglich auf Schädlingsbefall. Man werde den Hinweisen aber noch einmal nachgehen. „Ein Einkauf bei Lidl ist sicher und gefahrlos möglich“, betonte ein Sprecher in Neckarsulm.

Gift zwischen den Lebensmitteln

„Rattengift ist kein Indiz dafür, dass welche da sind“, erklärte auch der Vorsitzende vom Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller. Es könne auch vorbeugend verwendet werden – dann sei auch keine Meldung bei den zuständigen Behörden nötig. Allerdings komme es darauf an, an welchen Stellen im Verkaufsraum man das Gift auslege. „Es soll immer in Bereichen liegen, wo Kunden und Mitarbeiter nicht damit in Kontakt kommen.“

Verbraucherschützer sehen dabei Versäumnisse. „Auch eine Präventivmaßnahme muss so gestaltet werden, dass der Verbraucher geschützt ist“, sagte Valet. Er verwies auf die sogenannte Rattenbekämpfungsverordnung. „Nur Ausstreuen ohne Hinweis, das geht gar nicht“, betonte er. „Das muss in verschlossenen Boxen gemacht werden.“ Andernfalls sei das Gift nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde im Supermarkt gefährlich.

Von Mäusen und Ratten

Ungewöhnlich sind ungebetene Gäste Lebensmittekontrolleuren zufolge dort allerdings nicht. „Da, wo es etwas Fressbares gibt, gehen die Tiere hin“, sagte Müller. Die meisten Supermärkte seien allerdings eher von Mäusen geplagt, als von Ratten. Wichtig sei es dann, die Filialen permanent auf Schädlinge zu überprüfen oder gleich mit Profis zusammenzuarbeiten.

Lidl tut nach eigenen Angaben genau das. Man führe täglich Kontrollen durch, erklärte die Supermarktkette. Sollte es dabei Hinweise auf Mäuse, Ratten oder andere Tiere geben, arbeite man mit professionellen Schädlingsbekämpfern zusammen.

Der Discounter war in der Vergangenheit schon mehrfach in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Meistens ging es dabei aber um den Umgang mit seinen Mitarbeitern – Lidl beobachtete seine Angestellten nicht nur mit Kameras, sondern führte auch über ihren Krankenstand genau Buch. Auch in den jüngsten Skandal um Pferdefleisch in Fertigprodukten war Lidl verwickelt.

(RP/ Antonia Lange, dpa)

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