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Keine überflüssigen Fakten: ROLLINGPLANET zum Weltwassertag am 22. März 2012

Wer ist von Blasenschwäche betroffen? Welche Arten von Harninkontinenz gibt es? Was sollten Querschnittgelähmte wissen? Schnelle ROLLINGPLANET-Infos für Einsteiger/innen.

Wasserhahn

(Foto: Kurt Michel/pixelio.de)

Allgemeiner Überblick

Wann spricht man von einer Blasenschwäche (Harninkontinenz)?

Eine Harninkontinenz (lat.: Incontinentia urinae) bezeichnet den Verlust oder das Nichterlernen der Fähigkeit, Urin sicher in der Harnblase zu speichern und selbstbestimmt Ort und Zeitpunkt der Entleerung zu bestimmen.

Wie viele Menschen sind von Harninkontinenz betroffen?

Blasenschwäche ist eine weit verbreitete Erkrankung, die in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen betrifft. Für die meisten ist dies ein Tabu – die Mehrheit der Betroffenen schweigt: 62 % der Männer und 58 % der Frauen reden nicht über ihr Problem, oft nicht einmal mit ihrem Arzt.

Wie funktioniert die Blase?

Die Blase fasst bei einem Erwachsenen normalerweise zwischen 150 und 500 ml. Die Blasenwand ist aus Muskelschichten aufgebaut, mit vielen Nerven ausgestattet und innen mit einer Schleimhautschicht ausgekleidet. Durch ihren muskulären Aufbau hat die Harnblase elastische Eigenschaften und kann sich der Füllmenge anpassen. Sie dehnt sich bei gesunden Menschen so lange, bis die Nerven dem Gehirn melden, dass sie gefüllt ist. Das ist der Moment des Harndrangs, der bei Inkontinenz nicht funktioniert.

Welche Arten der Inkontinenz gibt es?

80 Prozent aller Betroffenen leider unter Belastungs- oder Dranginkontinenz oder einer Kombination aus beiden Formen.

Belastungsinkontinenz: Eine Störung des Verschlusssystems. Besonders wenn zusätzlicher Druck auf den Bauchraum und auf die Blase entsteht (Husten, Niesen, Lachen, sportliche Betätigung), kommt es zu einer unwillkürlichen Abgabe von Urin.

Überaktive Blase/Dranginkontinenz: Ein überfallartiger Harndrang, der so plötzlich kommt, dass es die Betroffenen nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen. Ebenfalls typisch: häufiges nächtliches Wasserlassen.

Mischinkontinenz: Bei 35 Prozent aller Betroffenen tritt diese Form auf.

Neurogene Blasenentleerungsstörungen: Hier kann sich der Muskel der Blasenwand nicht mehr selbstständig zusammenziehen. Gründe liegen in der fehlenden, nervalen Ansteuerung der Blasenwandmuskulatur.

Stuhlinkontinenz: Eine verkürzte Vorwarnzeit ist kennzeichnend. Häufige Gründe sind OP’s am Darm oder Schließmuskel, Mehrfachgeburten, Beckenbodenschwäche, angeborene Ursachen, Erkrankungen, Verletzungen oder Opererationen am Rückenmark, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Tumore.

Inkontinenz bei Querschnittslähmung

Wie hoch ist das Ausmaß der Störung?

Aufgrund von Störungen des im unteren Rückenmark sitzenden Blasenzentrum tritt oft eine Inkontinenz ein. Bei einer traumatischen Schädigung des Rückenmarks zum Beispiel durch Unfälle ist daher auch immer mit einer Funktionsstörung der Blasenfunktion zu rechnen, die vom so empfindlichen Nervensystem gesteuert wird. Das Ausmaß der Funktionsstörungen variiert sehr. Es ist abhängig von den geschädigten Rückenmarksstrukturen und den beteiligten Nervenbahnen, aber unabhängig von der Ursache.

Was sind die häufigsten Formen der Blasenlähmung?

Die beiden häufigsten Formen der Blasenlähmung und daraus resultierenden Inkontinenz bei Querschnittslähmungen, der Para- und Tetraplegie, sind die „schlaffe Blase“ und die „spastische Blase“ mit einer Reflexinkontinenz.

Was ist die schlaffe Blase?

Wenn die Schädigung im Rückenmark im Bereich des unteren Blasenzentrums liegt, kommt es in der Regel zu einer schlaffen Blase. Schlaffe Blasen haben meist ein großes Fassungsvermögen. Damit keine Überdehnung stattfindet, sollten Betroffene spätestens alle vier Stunden die Blase mit einem Katheter entleeren. Manche Menschen mit einer schlaffen Blase haben einen sehr geringen Blasenanstoßwiderstand und schaffen es allein durch Drücken auf die Blase, den Urin herauszupressen.

Vermeidung von Restharn: die intermittierende Selbstkatheterisierung

Es kann allerdings zu schwerwiegenden urologischen Komplikationen führen, wenn die Blase nicht vollständig entleert wird. Betroffene sollten deshalb lernen, sich selbst regelmäßig zu katheterisieren und die Blase vollständig zu entleeren. Im Restharn können Bakterien sich vermehren und zu einer Blasenentzündung führen. Wenn die Bakterien sich ausbreiten, kann es zu schweren Infektionen der Prostata und der Nieren kommen.

Was ist die spastische Blase?

Sofern die Schädigung des Rückenmarks nicht das Blasenzentrum betrifft, kommt es eher zu einer spastischen Blase. Die Meldung über den Füllstand der Blase kommt zwar im unteren Blasenzentrums noch an, kann dann aber nicht mehr weitergeleitet werden. Auch ist diese erste Meldung häufig schon fehlerhaft und erfolgt zu früh und zu oft. Es kann dann zu einer reflektorischen, also spastischen und damit unwillkürlichen und oft unbemerkten Auslösung der Blasenentleerung kommen, zur Inkontinenz.

Ausgeglichene Reflexblase

Im günstigsten Fall füllt sich die Blase recht gut, der Blaseninnendruck steigt dabei nur mäßig an und es kommt zu einer Reflexaktiviät. Diese führt einige Male innerhalb von 24 Stunden zur nahezu restharnfreien Entleerung. In diesem Fall spricht man von einer „ausgeglichenen Reflexblase“. Dieser günstige Fall kann und muss dadurch verbessert werden, dass der Betroffene den Reflex durch Blasentraining und durch so genanntes Triggern und Klopfen selbst auslöst und damit den Zeitpunkt der Blasenentleerung willentlich bestimmt. Leider kommt die ausgeglichene Reflexblase eher weniger oft vor. Weit häufiger ist die „nicht ausgeglichene Reflexblase“.

Komplikationen einer Blasenlähmung

Grundsätzlich gilt, dass jede Störung der Steuerung der Harnblase zu schweren anatomischen Veränderungen der Harnwege führen kann, zu Restharnbildung bis hin zum Verlust der Nierenfunktion. Dies erklärt sich dadurch, dass Blasenmuskel und Schließmuskel häufig nicht korrekt zusammenarbeiten. Blasenlähmung bedeutet lebenslange Nachsorge und sorgsames Umgehen mit der kontrollierten Blasenentleerung.

(Quellen: RBB, Incoasn, innocept)

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