""

ROLLINGPLANET zweifelt wieder an Marktwirtschaft: Barrierefreie Busbahnhöfe – ob das wohl klappt?

Keine Bundes-Zuschüsse für Ausbau des Fernbusmarkts als Alternative zu Bahn und Autos.

Fernbusse wollen durch günstigere Preise und besseren Service punkten (Foto: MeinFernbus/Verena Brandt)

Fernbusse wollen durch günstigere Preise und besseren Service punkten (Foto: MeinFernbus/Verena Brandt)

Beim Ausbau von Haltestationen und Ticketsystemen für Fernbusse in Deutschland kann die Branche keine Zuschüsse des Bundes erwarten. Die Bundesregierung begrüße es, wenn die Zahl der derzeit 53 größeren Busbahnhöfe steige und diese auch im Bestand verbessert würden, antwortete das Verkehrsministerium auf eine Anfrage der SPD-Fraktion.

„Allerdings sind hier in erster Linie die Betreiber der Fernbuslinien gefordert und die Kommunen, für die sich der Anschluss an das nationale Fernbusliniennetz als zunehmend wichtiger Standortfaktor erweisen dürfte.“ Vertriebsinstrumente lägen ebenfalls in der eigenen Initiative der Unternehmen, heißt es in der Regierungsantwort, über die zuerst die „Wirtschaftswoche“ berichtete.

Seit Januar weitgehend liberalisiert

Die Branche dringt auf Investitionen in Ausbau und Modernisierung von Busbahnhöfen vor allem in manchen größeren Städten. Der Markt für nationale Fernbuslinien ist nach jahrzehntelangen Beschränkungen zum Schutz der Bahn seit 1. Januar weitgehend freigegeben.

Beantragt werden müssen Linien aber noch immer. Haltestellen müssen mindestens 50 Kilometer voneinander entfernt sein. Das soll verhindern, dass Fernbusse Routen im öffentlich mitfinanzierten Nahverkehr ansteuern. Nach Verbandsschätzungen gibt es inzwischen etwa 160 Fernbuslinien.

Der SPD-Verkehrsexperte Sören Bartol sagte der „Wirtschaftswoche“: „Nach der von vielen Seiten gewünschten Liberalisierung ist nun die unternehmerische Initiative gefragt, etwa auch beim Neu- und Ausbau von Busbahnhöfen.“

Städtetag fordert barrierefreie Haltestellen

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, sagte, die Busbetreiber seien gefordert, Haltepunkte einzurichten und barrierefrei auszugestalten. „Die Städte können dazu nur Hilfestellung leisten.“ Busbahnhöfe sollten den Angaben zufolge laut EU-Vorgaben etwa Fahrkartenschalter und Warteräume haben.

Barrierefreie Busbahnhöfe – ob das wohl klappt? ROLLINGPLANET zweifelt wieder an der freien Marktwirtschaft – aber vielleicht dieses Mal ja grundlos: Wenn tatsächlich viele Senioren wie geplant als Kunden gewonnen werden sollen, bleibt den Betreibern gar nichts anderes übrig, als ihre Anlaufstellen möglichst hürdenfrei und angenehm zu gestalten.

Zu tun und investieren ist allerdings noch viel: Während der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in München davon profitiert, dass er direkt am Hauptbahnhof liegt – und damit Reisende die ohnehin vorhandene Infrastruktur vom Zeitschriftenladen bis zur Toilettenanlage nutzen können – ist beispielsweise der ZOB in Berlin kein Aushängeschild. In Flensburg etwa gibt es einen schönen Busbahnhof, aber keine Gepäckschließfächer.

(RP/dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN