Rollstuhlbasketball: Die Mainhatten Skywheelers steigen ab

56:70-Niederlage des Ex-Vizemeisters beim Showdown gegen Köln. Sieger und Verlierer müssen sich einen neuen Trainer suchen.

Das Team der Mainhatten Skywheelers verabschiedet sich von seinen Fans - und aus Liga eins (Foto: Harald Appel)

Das Team der Mainhatten Skywheelers verabschiedet sich von seinen Fans – und aus Liga eins (Foto: Harald Appel)

Der Deutsche Vizemeister der Saison 2012/2013 muss den Gang in die 2. Rollstuhlbasketball-Bundesliga (RBBL) antreten. Im alles entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt unterlagen die Mainhatten Skywheelers den RBC Köln 99ers am Samstagabend mit 56:70 (8:18, 10:16, 22:20, 16:16). Eine schwache und nervöse erste Halbzeit sowie ein gut aufgelegter Gast vom Rhein waren die Zutaten, die zur Niederlage gegen den direkten Abstiegskonkurrenten führten. Die 99ers hatten bereits in der vergangenen Saison das „Vergnügen“, ein solches Do-or-Die-Spiel zu gewinnen. Damals waren es die Roller Bulls, die am letzten Spieltag der Saison bezwungen wurden.

Hauptrunde der Saison 2015/16 beendet

Mit dem 18. Spieltag ging am Wochenende die Hauptrunde der Saison 2015/16 zu Ende. Für die Playoffs qualifizierten sich RSB Thuringia Bulls, RSV Lahn-Dill, Doneck Dolphins Trier und BG Baskets Hamburg. Neben den Mainhatten Skywheelers steigt Hannover United ab. Positivste Überraschung war der deutsche Rekordmeister USC München, der nach zweijähriger Abstinenz mit dem sechsten Tabellenplatz ein starkes Comeback lieferte. Die Halbfinals um den Titel (Thüringen – Hamburg und Lahn-Dill – Trier) finden am 5. und 9. März statt.

Eine kraftzehrende und ereignisreiche Saison gipfelte am Wochenende im Abstieg der Skywheelers in die 2. RBBL. Zwar konnten die Hausherren in einer lautstarken Ausweichhalle in Frankfurt Höchst per Freiwurf mit 1:0 in Führung gehen, mussten danach jedoch einen 8:0-Lauf der Kölner zum 1:8 über sich ergehen lassen, ehe die Paralympicssiegerinnen Heike Friedrich (3:8) und Anne Brießmann (5:10) für ihre Farben verkürzen konnten. Das erste (8:18) wie auch das zweite Viertel (10:16) waren von viel Nervosität und einer schwachen Trefferquote geprägt. Während die 99ers all ihre Routine in die Waagschale warfen, die Mainstädter kaum in die eigene Zone ließen und deren Angriffsbemühungen schon früh unterbanden, versenkten die Gäste ihrerseits die Würfe und blieben von der Freiwurflinie nahezu fehlerfrei. Zwei 8-Sekunden-Verstöße, verhakte Rollstühle und etliche Fehlpässe prägten das zerfahrene Spiel der gastgebenden Frankfurter, die mit einem 18:34-Rückstand im Gepäck zum Pausentee rollten.

Kölner routinierter

Der scheidende Spielertrainer Sebastian Spitznagel schien die passenden Worte gefunden zu haben, kämpften sich die Frankfurter doch bis Mitte des dritten Viertels auf 30:40 an die Domstädter heran, was den Kölner Headcoach Martin Otto – auch er gibt seinen Trainerposten auf – zu einer Auszeit zwang. Der Spielunterbrechung zum Trotz verkürzte Heike Friedrich umgehend auf 32:40 und einige Spielzüge später auf 36:44. Ein Kraftakt, der unbelohnt blieb und vom Kölner Jaime Mazzi eiskalt und abgebrüht gekontert wurde. Zweimal binnen kürzester Zeit verwandelte der 2,0-Punkte-Mann von der Dreipunktelinie zum 36:47 und 38:50. Ein herber Schlag gegen die Angriffsbemühungen von Spitz & Co., denen ein weiterer Nackenschlag – in Form eines Kölner Buzzerbeaters – mit Ertönen der Pausensirene zum 40:54 folgte. Dass die Herrschaften aus der Bankenmetropole mit den Gästen mithalten konnten, stellte der dritte Spielabschnitt unter Beweis, konnte dieser doch mit 22:20 gewonnen werden. Ferner erzielten die Hausherren in diesen zehn Minuten mehr Punkte als in der kompletten ersten Halbzeit.

Die kraftzehrende Spielweise forderte im letzten Abschnitt von beiden Mannschaften ihren Tribut. Weiter hart kämpfend, gelang es den Frankfurtern nicht, den Rückstand aufzuholen. Zwar konnte der Abstand stellenweise leicht verkürzt werden (45:56), jedoch waren die Gäste an diesem Abend einfach zu routiniert, um sich die Führung und den Klassenerhalt noch nehmen zu lassen. Nach vierzig gespielten Minuten hieß es 56:70 aus Frankfurter Sicht. Ein Resultat gleichbedeutend mit dem Abstieg aus Deutschlands höchster Spielklasse.

Fairer Absteiger

Nach dem Match zeigte sich der Frankfurter Coach enttäuscht, aber als fairer Verlierer: „Glückwunsch an die Kölner, die heute einfach die bessere Mannschaft waren. Unserer jungen Truppe fehlte ein Stück weit die Routine. Ich kann meinen Jungs und Mädels aber keinen Vorwurf machen. Der Abstieg lässt sich auch nicht an einer verlorenen Partie festmachen, sondern an vielen Kleinigkeiten, die sich in dieser Spielzeit kumuliert haben. Das soll nicht als Ausrede dienen, vielmehr müssen alle das Positive aus dieser Spielzeit mitnehmen. Mir hat der Job in Frankfurt sehr viel Freude bereitet. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen Mitstreitern auf und neben dem Platz bedanken. Die Skywheelers werden auch in Zukunft ihren Weg gehen. Dessen bin ich mir mehr als sicher.“

Auch der Manager der Frankfurter Korbjäger, Pierre Fontaine, ließ es sich trotz Niederlage und Abstieg nicht nehmen, sich bei dem gesamten Team erkenntlich zu zeigen: „Ich möchte mich bei Sebastian Spitznagel für seinen unermüdlichen Einsatz für den Verein bedanken. Das weiß nicht nur ich, sondern auch das Skywheelers-Umfeld sehr zu schätzen. Auch allen Spielern, Helfern, Betreuern, Partnern und Fans sei an dieser Stelle gedankt. Am Main, so viel sei gesagt, wird es auch in Zukunft Rollstuhlbasketball zu sehen geben.“

(RP/PM)

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