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Rollstuhlbasketball-EM am Main: „Meilenstein für Behindertensport“

Selten zuvor war das mediale Interesse an der Sportart größer. Ab Freitag soll es um mehr gehen als nur um den Erfolg auf dem Platz. Von Maximilian Koch

V.l.n.r.: Ulf Mehrens, Vorsitzender des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes, Basketballerin Edina Müller, Basketballnationalspieler Dirk Nowitzki, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und DBB-Präsident Ingo Weiss bei einem Empfang für die deutsche Basketballnationalmannschaft im Bundeskanzleramt 2011 anlässlich Deutschlands Bewerbung um die Rollstuhlbasketball-EM 2013 und EURO 2015 der Läufer (Foto: Guido Bergmann/dpa)

V.l.n.r.: Ulf Mehrens, Vorsitzender des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes, Basketballerin Edina Müller, Basketballnationalspieler Dirk Nowitzki, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und DBB-Präsident Ingo Weiss bei einem Empfang für die deutsche Basketballnationalmannschaft im Bundeskanzleramt 2011 anlässlich Deutschlands Bewerbung um die Rollstuhlbasketball-EM 2013 und EURO 2015 der Läufer (Foto: Guido Bergmann/dpa)

Sebastian Magenheim gerät noch immer ins Schwärmen, wenn er an London zurückdenkt. „Das war das Highlight meiner sportlichen Karriere“, sagte der 26-Jährige in Erinnerung an die Paralympics vor einem Jahr. „Wie die Leute in der Halle standen und unsere Sportart gefeiert haben, das werde ich nicht vergessen.“

Mehr als 15.000 Zuschauer waren damals regelmäßig dabei, um eine der populärsten paralympischen Disziplinen zu bestaunen: Rollstuhlbasketball.

Gänsehaut-Feeling schon im Vorfeld

MagenheimVon diesem Freitag an stehen Magenheim und Co. erneut im Fokus: Mit der deutschen Nationalmannschaft spielen sie in Frankfurt am Main um den Europameistertitel, es ist bereits die 21. Auflage der kontinentalen Titelkämpfe. Und geht es nach Magenheim (Foto), darf sich das emotionale Erlebnis vom vergangenen Jahr gerne wiederholen.

„Ich habe jetzt schon Gänsehaut, wenn ich an das Eröffnungsspiel denke. Dass wir vor unseren eigenen Fans spielen, wird uns zusätzlich Energie geben“, sagte der Power Forward von den Mainhatten Skywheelers.

Großbritannien Top-Favorit bei den Herren

Den Auftakt macht das deutsche Herrenteam am Freitag (20.15 Uhr) in der Frankfurter Eissporthalle gegen Titelverteidiger Großbritannien. Ein Härtetest gleich zu Beginn. „Großbritannien ist für mich der Top-Favorit auf den Titel“, sagte Bundestrainer Nicolai Zeltinger, der jedoch ein Duell auf Augenhöhe erwartet.

Deutschland und Großbritannien – man kennt sich: Zur Eröffnung gibt es die Neuauflage des vergangenen EM-Finales 2011, das die Briten gewannen. Auch bei den Paralympics 2012 in London traf man im August in der Vorrunde aufeinander – hier der deutsche Bundestrainer Nicolai Zeltinger (Foto: EPA/Andy Rain/dpa)

Deutschland und Großbritannien – man kennt sich: Zur Eröffnung gibt es die Neuauflage des vergangenen EM-Finales 2011, das die Briten gewannen. Auch bei den Paralympics 2012 in London traf man im August in der Vorrunde aufeinander – hier der deutsche Bundestrainer Nicolai Zeltinger (Foto: EPA/Andy Rain/dpa)

„Die Tagesform wird entscheiden. Wir sind bei den vergangenen Turnieren immer an Großbritannien gescheitert, deshalb ist unsere Motivation besonders groß.“ Bei der Zielsetzung herrscht Einigkeit: „Eine Medaille soll es schon werden“, sagte der Coach.

Damen kennen das Championsgefühl

Die deutschen Damen von Trainer Holger Glinicki starten tags darauf gegen Frankreich ins Turnier (16.45 Uhr). Und anders als die Männer wissen sie, wie sich ein Europameistertitel anfühlt – schon achtmal setzten sie sich Europas Krone auf.

Bei den Paralympics in London waren sie ebenfalls nicht zu bezwingen. „Unser Ziel ist auch diesmal wieder das Endspiel“, gibt Glinicki die Richtung vor. Deutschland gilt neben den Niederlanden als heißester Anwärter auf den Titel.

Neue Dimensionen im Rollstuhlbasketball

Doch nicht nur sportlich sollen Maßstäbe gesetzt werden – auch medial und bei den Zuschauern stößt der Rollstuhlbasketball in neue Dimensionen vor. „Das Interesse an dem Turnier ist enorm“, sagte Ulf Mehrens, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes. 5000 Dauerkarten wurden bereits verkauft, an den Finaltagen (6. und 7. Juli) rechnet man mit einer vollen Halle. „Rollstuhlbasketball wird immer populärer“, sagte Mehrens.

Das zeigt sich nicht nur daran, dass Bundespräsident Joachim Gauck die EM am Freitag (18.45 Uhr) offiziell eröffnen wird. Selten zuvor hätten sich die Medien so stark für Rollstuhlbasketball interessiert, sagte Mehrens. „Wir wollen die Sportart bekannter machen, indem wir das Event medial kommunizieren – das ist uns schon jetzt gelungen.“

Nachhaltigkeit und neue Sponsoren erhofft

So werden Rollstuhlbasketball-Länderspiele auf deutschem Boden erstmals live im Fernsehen übertragen, die ARD und der Hessische Rundfunk steigen vom Viertelfinale an in die Berichterstattung ein. „Die Veranstaltung könnte einen Meilenstein für den Behindertensport in Deutschland bedeuten“, meint Mehrens. „Wir wünschen uns neben dem sportlichen Erfolg natürlich auch Nachhaltigkeit. Vielleicht gelingt es uns mit der EM, neue Sponsoren zu gewinnen.“

(dpa)


ROLLINGPLANET-SPECIAL: Eurobasketball 2013
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