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Rollstuhlbasketball-EM: Statt „Platz 1 bis 3“ bitteres K.O. für deutsche Herren

Verlängerungskrimi: 79:89-Niederlage gegen Türkei. Jetzt geht es noch um die WM-Quali.

Überragend, aber am Schluss hatte auch er das Nachsehen: Topscorer Dirk Passiwan (Foto; Uli Gasper/uliphoto.de)

Überragend, aber am Schluss hatte auch er das Nachsehen: Topscorer Dirk Passiwan (Foto: Uli Gasper/uliphoto.de)

Als Deutschland am Mittwoch das letzte Gruppenspiel gegen Italien verloren hatte und trotz einer durchwachsenen Vorrunde – zwei Siege und drei Niederlagen – in das heutige Viertelfinalspiel gegen die Türkei eingezogen war, sagte Bundestrainer Nicolai Zeltinger: „Uns war bereits im Vorfeld egal, ob wir auf Spanien oder die Türkei treffen. Wir haben beide Teams in der Vorbereitung bereits geschlagen und bereiten uns nun akribisch auf dieses Spiel vor. Das Viertelfinale ist das wichtigste Spiel des gesamten Turniers, wenn wir gewinnen, dann spielen wir um eine Medaille, egal, wie die Vorrunde lief.“

ROLLINGPLANET fragte daraufhin: Woher nimmt Zeltinger eigentlich seinen Optimismus? In der Tat ist Deutschland – wie schon bei den Paralympics 2012 – bei der Eurobasketball 2013 in Frankfurt am Main früh gescheitert, und dennoch: Am Freitagabend schlug sich die Nationalmannschaft weitaus besser, als von uns befürchtet. Es war ein bitteres K.O.

Echter Viertelfinalkrimi

Rund 1.500 Zuschauer in der Eissporthalle erlebten einen wahren Viertelfinalkrimi, bei dem die deutsche Herren-Nationalmannschaft nach großem Kampf mit 79:89 (17:22/30:32/49:51/69:69) nach Verlängerung der Türkei den Vortritt lassen musste. Im Überkreuzspiel um die Platz fünf bis acht trifft Deutschland nun am Samstag erneut – wie schon in der Gruppe A der Vorrunde – auf die Niederlande.

Nach einem 9:0-Blitzstart der Türken nach nur zwei Spielminuten drohte die Partie frühzeitig zu einer Enttäuschung zu werden, doch mit einer unglaublichen Moral und den Zuschauern im Rücken kämpfte sich das Team von Bundestrainer Nicolai Zeltinger zurück ins Spiel, hatte beim 23:26 (16.) durch den späteren Topscorer Dirk Passiwan – mit überragenden 42 Punkten – den Anschluss hergestellt und zur Pause die Partie wieder offen gestaltet.

Türkei rettete sich in die Verlängerung

Doch zunächst lief der Vize-Europameister auch nach dem Seitenwechsel weiter einem Rückstand hinterher (52:53, 32.). Aber das 54:62 (35.) schien ein wahrer Weckruf für den Gastgeber zu sein, der mit Dreiern von André Bienek und Dirk Passiwan zum 67:64 (39.) die Partie noch zu drehen schien. Allerdings agierte die Türkei wie ein Topteam und gab sich längst nicht geschlagen, rettete sich in die Verlängerung und hatte dort Mitte der fünfminütigen Extrazeit das glücklichere Händchen zweier starker Teams.

„Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel abgeliefert, darüber bin ich sehr froh. Umso bitterer ist es in der Verlängerung zu verlieren, obwohl heute Abend beide Teams das Halbfinale verdient gehabt hätten. Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Zuschauern, die uns heute getragen haben“, so ein über das Ergebnis enttäuschter Bundestrainer Zeltinger. Vor der EM hatte er als Ziel „Platz 1 bis 3″ ausgegeben.

Jetzt geht es noch um die WM-Qualifikation

Seine Mannschaft muss nun am Samstag um 17:15 Uhr im Überkreuzspiel um die Plätze fünf bis acht gegen die Niederlande antreten. Das Spiel in der Vorrunde hatte Niederlande 67:47 für sich entschieden. Für Deutschland geht es dabei noch um die Qualifikation für die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr im südkoreanischen Incheon, für die sich die besten sieben europäischen Teams qualifizieren.

Deutschland: Dirk Passiwan (42/3 Dreier, Goldmann Dolphins Trier), Thomas Böhme (21, RSV Lahn-Dill), André Bienek (8/2, Uniphol Briantea ´84 Cantu/ITA), Marco Zwerger (4, RSV Lahn-Dill), Björn Lohmann (2, RSV Lahn-Dill), Sebastian Wolk (2, Mainhatten Skywheelers), Jan Haller (RSV Lahn-Dill), Matthias Heimbach (Jena Caputs), Sebastian Magenheim (Mainhatten Skywheelers), Thomas Becker (n.e., Mainhattan Skywheelers), Lars Lehmann (n.e., Mainhatten Skywheelers), Felix Schell (n.e., RSV Lahn-Dill).

Türkei: Özgür Gürbulak (29/3), Cem Gezinci (28), Ismail Ar (10), Ferit Gümüs (10), Murat Arslanoglu (5), Fikri Gündogdu (5), Bestami Bos (2), Deniz Acar, Kaan Dalay, Selim Sayak, Yasin Cirgaoglu (n.e.), Bülent Yilmaz (n.e.).

(RP/aj)


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