Rollstuhlbasketball: Rolling Devils kämpfen ums Überleben

Das mögliche Aus der Teufel verdeutlicht eine Grauzone, in der sich viele Bundesligaclubs bewegen.

So präsentieren sich die Rolling Devils derzeit noch auf ihrer Webseite

So präsentieren sich die Rolling Devils derzeit noch auf ihrer Webseite

Große Träume hatten die Rollstuhlbasketballer aus Kaiserslautern. Nachdem den Rolling Devils 2013/14 ohne Niederlage der Aufstieg in die Bundesliga gelang, packten sie in der vergangenen Spielzeit – trotz des zuvor überraschenden und kurzfristigen Abgangs ihres Ex-Natio-Centers Sebastian Spitznagel zu den Frankfurter Mainhatten Skywheelers – souverän den Klassenerhalt.

Ab 3. Oktober, wenn die neue Saison startet, wollten die Rolling Devils so richtig angreifen. Mit dem amerikanischen Nationspieler Carter Arey (Klassifizierungspunkte: 4,5 Punkte) war man sich im Frühjahr bereits einig, von Zwickau holte man Kai Möller, einen der stärksten 3-Punkte-Akteure der Liga. Insgeheim wähnten sich einige schon in den Play-offs.

Doch nur zweieinhalb Wochen vor dem Auftaktmatch gegen Thüringen weiß bei den Devils keiner so recht, wie es weitergehen soll. Carter Arey jedenfalls wird nicht kommen, und ob Möller bleibt, ist fraglich. Für den ehemaligen Topscorer der Zwickauer heißt es wohl: Vom Regen in die Traufe gekommen.

War sich bereits einig mit den Devils einig: Carter Arey (Foto: Arey)

War sich bereits mit den Devils einig: Carter Arey (Foto: Arey)

Spitzensport ist teuer

Die Rolling Devils haben ähnlich wie Zwickau ein fantastisches Fanpublikum. Nachdem die Ostdeutschen Ende vergangenen Jahres Insolvenz anmelden mussten und sich mit einer neuen Vereinsgründung retteten, stehen nun die Pfälzer aufgrund finanzieller Probleme möglicherweise vor dem Aus. Es fehlen rund 60.000 Euro.

Diese Summe müssen die Rolling Devils an ausstehenden Rechnungen und offenen Krankenkassenbeiträgen zahlen – eine Nachforderung, die sie von ihrem ehemaligen Mutterverein, dem Fußballclub FC Kaiserslautern, serviert bekamen. Seit Juli sind die Rolling Devils eigenständig, losgelöst vom FCK. Der Schritt rettete sie jedoch nicht aus dem Dilemma, in dem sich viele Rollstuhlbasketballvereine befinden. Fast alle Clubs bezahlen heutzutage ihren Spitzenspielern offiziell oder inoffiziell Geld, obwohl die Budgets knapp sind.

Grauzone Lohnsteuerabgaben

Oft fallen da Lohnsteuerabgaben unter den Tisch – eine Grauzone, in der sich viele Clubs befinden, die auf der einen Seite mit steigenden Kosten kalkulieren müssen, um ihren Ansprüchen als Profisportler gerecht zu werden. Und es ist eine Grauzone, bei der der FCK offensichtlich zu Recht kalte Füße bekam. Andererseits gelingt es mit wenigen Ausnahmen wie RSV Lahn-Dill, RSB Thuringia Bulls oder USC München nur wenigen Teams, jährlich ihre Sponsoringeinnahmen stabil zu halten oder zu steigern. Nicht ohne Grund gehören sie als seriöse Geschäftsleute zu den Vorbildern der Liga.

Bis zu 120.000 Euro pro Saison, haben die Rolling Devils ausgerechnet, bedarf es, um eine leistungsstarke Truppe in die Bundesliga zu schicken. Doch die Hälfte dieses Betrags ist jetzt wegen der Nachforderungen nicht mehr verfügbar. „Wir haben mittlerweile über 1.000 E-Mails mit Sponsorenanfragen geschrieben. Wir haben alles probiert, aber leider keinen Erfolg gehabt“, sagte der 1. Vorsitzende Thomas Lorenz in einem Interview mit dem SWR. Die Wende für die Rolling Devils sollte am vergangenen Freitag eine Spendenaktion der FCK-Fans beim Heimspiel ihrer Fußballer gegen den SC Freiburg bringen:

„Hallo FCK-Fans, wir alle sind jetzt gefordert!
Seit Jahren vertreten die FCK Rolling Devils würdig unsere Farben Rot und Weiß, leben die Betze-Tugenden so richtig vor, heizen ihren Gegnern in der Hölle von Kaiserslautern gehörig ein und verkörpern erfolgreich die Werte unseres Vereins. Doch jetzt stecken unsere Rollstuhlbasketballer überraschend in Finanzproblemen: es fehlen rund 60.000 Euro in der Kasse, die Teilnahme an der Bundesligasaison 2015/16 ist gefährdet, vielleicht sogar die Existenz der Devils. Vom FCK kam bisher leider keine Hilfe.
Lautrer, wir können unsere rollenden Roten Teufel unmöglich hängen lassen! Und deshalb gibt es beim kommenden Betze-Heimspiel gegen Freiburg eine Sammelaktion für die FCK-Rollstuhlbasketballer. An drei Ständen in West-, Süd- und Haupttribüne wird gesammelt, und zwar ab Stadionöffnung bis zum Anpfiff, in der Halbzeitpause und nach dem Schlusspfiff. Wenn jeder nur ein paar Euro gibt, dann spielt und rollt unser Betze auch in der Saison 2015/16 erstklassig. Außerdem werden in der Westkurve Becher gesammelt, deren Pfand an die Devils geht.
FCK-Fans, macht mit!

Die rührige Aktion brachte zwar 3.360 Euro – eine stolze Summe, wie die Initiatoren zu Recht betonen, aber weniger, als die Rolling Devils erhofften. Immer noch droht einem der attraktivsten Clubs der Bundesliga das Aus. ROLLINGPLANET drückt den Teufeln den Daumen, dass sie jetzt noch – egal – göttlichen Beistand bekommen.

(RP)

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1 Kommentar

  • Hermann Schwieters

    Vom Rehasport zum Profisport ist ein weiter Weg. Rollstuhlbasketball ist nicht Fussball!!!

    14. September 2015 at 18:07

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