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Rollstuhlbasketball: RSV Lahn-Dill ist erneut Deutscher Meister

Dauerrivale RSC-Rollis Zwickau überlistet sich selbst mit katastrophaler Starttaktik.

Jubel bei RSV Lahn-Dill: Kapitän Michael Paye (#5) bekommt die Trophäe aus den Händen von Vizepräsident Werner Otto überreicht, hinten v.l.: Thomas Gundert, Pia Briegel, Beke Scheil, David Amend, Nicolai Zeltinger, Ralf Neumann, Dirk Köhler; vorne v.l.: Annabel Breuer (#12), Björn Lohmann (#8), Thomas Böhme (#13), Jan Haller (#6), Christopher Huber (#9), Michael Paye (#5), Joe Bestwick, Marco Zwerger, Werner Otto, Felix Schell, Steve Serio (#16). (Foto: Armin Diekmann)

Jubel bei RSV Lahn-Dill: Kapitän Michael Paye (#5) bekommt die Trophäe aus den Händen von Vizepräsident Werner Otto überreicht, hinten v.l.: Thomas Gundert, Pia Briegel, Beke Scheil, David Amend, Nicolai Zeltinger, Ralf Neumann, Dirk
Köhler; vorne v.l.: Annabel Breuer (#12), Björn Lohmann (#8), Thomas Böhme (#13), Jan Haller (#6), Christopher Huber (#9), Michael Paye (#5), Joe Bestwick, Marco Zwerger, Werner Otto, Felix Schell, Steve Serio (#16). (Foto: Armin Diekmann)

Es war 21:39 Uhr, als Kapitän Michael Paye am Samstagabend die neu geschaffene Meisterschafts-Trophäe in die Höhe reckte und die 1.600 Besucher die Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle in ein Tollhaus verwandelten. Zuvor bewältigte der alte und neue Deutsche Meister RSV Lahn-Dill vierzig packende Finalminuten gegen den alten Rivalen RSC-Rollis Zwickau, der sich im zweiten Playoff-Finale der „best-of-three“ Serie als würdiger Endspielgegner erwies und den Gastgebern alles abverlangte.

31 Spiele – 31 Siege

„Es war ein unfassbar anstrengendes Spiel. Ein immenser Druck lastete in den letzten Tagen auf uns, denn natürlich erwartete jeder von uns den Titel. Aber Zwickau ist ein ebenbürtiger Gegner, und wir wussten, wie schwer dies werden würde“, war RSV-Trainer Nicolai Zeltinger am Ende ebenso glücklich wie erleichtert über den 31. Sieg im 31. Pflichtspiel der laufenden Saison.

Und so waren die Szenen direkt nach der Schlusssirene unter den Augen zahlreicher prominenter Zaungäste wie Hessens Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel oder Dragoslav Stepanovic umso emotionaler. Der 65-jährige Kulttrainer ließ es sich nach dem viel umjubelten Ende nicht nehmen, allen Spielern persönlich zum Meistertitel zu gratulieren.

Möller und Erben zunächst auf der Bank

In einem wechselvollen Match starteten die Sachsen mit einer überraschenden Anfangsformation. Dieser taktische Kniff ging jedoch nach hinten los – nach einem Drei-Punkte-Spiel von Steve Serio legten die mittelhessischen Hausherren einen 14:4-Blitzstart (5.) hin. RSC-Coach Sinclair Thomas reagierte, brachte mit Junioren-Weltmeister Kai Möller und Center Adam Erben seine etatmäßigen Akteure aufs Parkett und stellte die Wetzlarer Rollis in der Folge vor riesige Probleme.

Packendes Duell: Der herausragende Zwickau-Spieler Ghazian Choudhry (#4) gegen seinem britischen Nationalmannschaftskollegen Joe Bestwick (#4) (Foto: Armin Diekmann)

Packendes Duell: Der herausragende Zwickau-Spieler Ghazian Choudhry (#4) gegen seinen britischen Nationalmannschaftskollegen Joe Bestwick (#4) (Foto: Armin Diekmann)

Insbesondere im zweiten Viertel spielte der Gast eine nahezu perfekte Defensive, die Lahn-Dill immer wieder in schlechte Wurfpositionen brachte. Und so sank zwischen der siebten und 16. Spielminute die Trefferquote des Titelverteidigers ebenso dramatisch wie zeitgleich dessen Verunsicherung anstieg. Bereits zum Ende des ersten Viertels hatte Zwickau bis auf 18:22 verkürzt, ehe mit Beginn des zweiten Spielabschnitts der britische Europameister Ghazian Choudhry aus allen Lagen zu treffen schien. 16 Punkte durch ihn und weitere zwölf durch den Tschechen Erben sorgten für eine 38:27-Führung der Gäste (Halbzeit: 40:30 für Zwickau).

RSV zur Halbzeit ratlos – und danach mit neuer Defensive

Lange saß das Trainergespann Nicolai Zeltinger und Ralf Neumann mit Kapitän Paye beratend zusammen, ehe in der Kabine die taktische Marschroute für Durchgang zwei festgelegt wurde. Und dieser Plan ging einmal mehr auf, denn nach dem Seitenwechsel übernahm wieder der RSV Lahn-Dill mit einer passenden Umstellung in der Defensive das Heft in die Hand. Während in der Offensive nun Urgestein Dirk Köhler zu seiner besten Halbzeit der gesamten Saison ansetzte, konnten die Sachsen geschlagene sechs Spielminuten nichts Zählbares mehr in der RSV-Reuse unterbringen.

Eindrucksvolle Kulisse in Wetzlar mit 1600 Zuschauern: Dirk Köhler (RSV Lahn-Dill) behält beim Freiwurf die Nerven (Foto: Armin Diekmann)

Eindrucksvolle Kulisse in Wetzlar mit 1600 Zuschauern: Dirk Köhler (RSV Lahn-Dill) behält beim Freiwurf die Nerven (Foto: Armin Diekmann)

Punkt für Punkt kamen die Hausherren nun den Gästen aus Zwickau näher, ehe der 44:44-Ausgleich wie auch die 47:44-Fürhung in der 29. Spielminute von Nationalspieler Köhler nervenstark von der Freiwurflinie aus von der nun tobenden Zuschauermasse frenetisch gefeiert wurde.

Jetzt geht es um den internationalen Erfolg

Über 55:48 (32.) durch Steve Serio bis auf 69:60 (38.) durch den starken Thomas Böhme baute der bis dato zehnfache Deutsche Meister seinen Vorsprung aus, auch wenn ein Dreier von Choudhry wieder den zwischenzeitlichen 60:58-Anschluss (35.) bedeutete. Doch die Butter ließ sich der nun mental wie physisch überlegene RSV Lahn-Dill nicht mehr vom Brot nehmen und siegte eine Woche nach dem 67:53-Auswärtserfolg in Sachsen auch im zweiten Playoff-Finale.

Nach dem Ende der nationalen Spielzeit mit dem neunten Doublegewinn der Vereinsgeschichte (im Pokalfinale siegte Lahn-Dill gegen Thüringen) stehen beide Endspiel-Kontrahenten nun vor internationalen Aufgaben. Anfang Mai wartet in der spanischen Hauptstadt Madrid die IWBF Champions League auf die beiden besten deutschen Mannschaften. Bereits dann könnte es auch zur Neuauflage des Klassikers zwischen Zwickau und Wetzlar kommen.

Lahn-Dill: Dirk Köhler (26), Thomas Böhme (17), Steve Serio (16), Joe Bestwick (6), Michael Paye (4), Björn Lohmann (2), Annabel Breuer, Marco Zwerger, David Amend (n.e.), Jan Haller (n.e.), Christopher Huber (n.e.), Felix Schell (n.e.).

Zwickau: Ghazian Choudhry (25/1 Dreier), Adam Erben (21), Kai Möller (6), Rostislav Pohlmann (6), Bryce Doody (2), Abdi Jama (2), Matt Sealy (2), Frank Oehme, Daniel Gehse (n.e.), Julia Kittlaus (n.e.), Tim Lange (n.e.), Günther Mayer (n.e.).

(Andreas Joneck/Der Autor ist Manager des RSV Lahn-Dill.)

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