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15 Mitglieder eines Rollstuhltanzvereins aus brennendem Reisebus gerettet

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Julia Samoilowa +++ Buchtipp +++ Sterbehilfe +++ Tischfußball-WM +++ Rollstuhlbasketball

TAGEBUCH
DONNERSTAG, 13. APRIL 2017
Vermischtes

Reisebus brennt auf Autobahn – 15 Mitglieder eines Rollstuhltanzvereins in Sicherheit gebracht

(Symbolfoto: dpa)

(Symbolfoto: dpa)

Beim Brand eines Reisebusses auf der Autobahn 3 bei Wittgert im Westerwald sind fünf Menschen verletzt worden. Die Reisenden, 15 Mitglieder des österreichischen Rollstuhltanzvereins „Wheelchairdancers Salzburg“ (davon sieben Rollstuhlfahrer), konnten den Bus am Donnerstag rechtzeitig verlassen, bevor er komplett in Flammen aufging. „Zum Teil sind Rollstühle verbrannt“, so Kerstin Govekar von den Wheelchairdancers. Leichte Rauchgasvergiftungen erlitten zwei der Reisenden sowie zwei Polizisten. Ein weiterer Polizist wurde durch einen Reifenplatzer am Trommelfell verletzt.
Wie die Autobahnpolizei Montabaur (Rheinland-Pfalz) mitteilte, war der Spezialbus aus Wien in Richtung Köln unterwegs, als es wegen eines technischen Problems im Motorraum zu dem Feuer kam. Der Fahrer konnte den Bus noch auf den Seitenstreifen lenken. Rund 50 Feuerwehrleute löschten den Brand. Während des Einsatzes musste die Autobahn zeitweise in beide Richtungen voll gesperrt werden. (RP/dpa)

Eurovision Song Contest

ESC wird nicht im russischen Staatsfernsehen gezeigt

Julia Samoilowa solte für Russland beim ESC in der Ukraine antreten. (Foto: Kanal 1)

Julia Samoilowa solte für Russland beim ESC in der Ukraine antreten. (Foto: Kanal 1)

Das russische Staatsfernsehen wird den Eurovision Song Contest (ESC) nach dem Einreiseverbot für die russische Kandidatin nicht übertragen. Das teilte der Sender Pervy Kanal heute in Moskau mit. Man werde auch keine anderen Sänger zu der Veranstaltung nach Kiew schicken. „Diese Variante ist völlig inakzeptabel“, hieß es in einer Mitteilung der Agentur Interfax zufolge. Die Diskriminierung der im Rollstuhl sitzenden russischen Sängerin Julia Samoilowa verstoße gegen die Regeln und Prinzipien des Wettbewerbs.
Samoilowa war 2015 auf der Krim aufgetreten. Reisen auf die Halbinsel über Russland sind seit der Annexion aber von ukrainischer Seite verboten und werden mit einer mehrjährigen Einreisesperre geahndet. Kiew will auch für Samoilowa keine Ausnahme machen. Die ESC-Veranstalter hatten in einer Ausnahmeregelung zudem eine Live-Zuschalte ihres Beitrags angeboten. Das wurde jedoch sowohl von Kiew als auch von Moskau abgelehnt.
Die Halbfinale des ESC finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, am 13. Mai folgt das Finale. Für Deutschland tritt die Sängerin Isabella Levina Lueen an. (dpa)

Rheinland-Pfalz

Fortbildungen für Erzieher und Lehrer im Umgang mit Diabetes

Erzieher und Lehrkräfte können sich in Rheinland-Pfalz fortan regelmäßig für den Umgang mit diabetischen Kindern und Jugendlichen fortbilden lassen. Bei einem im Mai 2015 gestarteten Pilotprojekt mit einem eigens entwickelten Lehrplan seien bisher 44 Schulungen für pädagogische Fach- und Lehrkräfte angeboten worden, teilte das Bildungsministerium heute in Mainz mit.
Bei dem den Angaben zufolge bundesweit ersten Schulungskonzept dieser Art wird Basiswissen für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen vermittelt, die an Diabetes Typ 1 leiden. An dem Projekt beteiligt sind der Diabetes-Kinderhilfeverein mit Sitz in Ingelheim, das rheinland-pfälzische Bildungsministerium sowie Ärzte, Diabetesberater und Hersteller von Diabetes-Hilfsmitteln. (dpa/lrs)

Sozialgesetzbuch VIII

Bentele lobt und kritisiert neues Kinder- und Jugendstärkungsgesetz

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (Foto: Friedrich Bungert/dpa)

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (Foto: Friedrich Bungert/dpa)

Das Bundeskabinett hat den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendstärkungsgesetz – KJSG) beschlossen. Mit ihm geht eine Reform des Sozialgesetzbuchs VIII einher. Der Bundesrat muss dem KJSG noch zustimmen. Dazu sagte die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele: „Ich bedauere es sehr, dass es auch in dieser Wahlperiode nicht gelungen ist, die Inklusive Lösung zu erreichen. Mit dieser würde eine einheitliche Zuständigkeit für alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von der Art der Behinderung unter dem Dach der Kinder und Jugendhilfe und damit die Leistungserbringung aus einer Hand erfolgen.“
Dennoch sei nach jahrelangem Stillstand ein erster Schritt in Richtung gleichberechtigte Teilhabe gemacht, betonte Bentele: „Ein wichtiger Schritt in Richtung Umsetzung UN-Behindertenrechtskonvention ist zweifelsfrei, dass mit dem vom Kabinett beschlossenen Gesetzentwurf zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen der programmatische Grundsatz Inklusion in die Kinder- und Jugendhilfe implementiert wurde und auch klarere Regelungen für die Verantwortlichkeiten der Träger im Falle von Übergängen getroffen werden. Auch die gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne Behinderungen unter Berücksichtigung der besonderen Bedarfe von Kindern mit Behinderungen und von Behinderung bedrohten Kindern ist im Entwurf festgeschrieben. Nun appelliere ich an Bundestag und Bundesrat, diese richtige Weichenstellung zu unterstützen und erwarte im Interesse der betroffenen Kinder und ihrer Eltern, dass die Inklusive Lösung in der nächsten Legislaturperiode zeitnah angepackt und vollendet wird.“ (PM)

Arbeitsmarkt

Behinderte in Werkstätten oft ohne Chance auf regulären Job

Menschen mit Behinderung gelingt nur äußerst selten der Sprung aus einer speziellen Werkstatt auf den normalen Arbeitsmarkt. Nur 0,02 Prozent der Betroffenen wechseln pro Jahr in einen regulären Job, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht. Bezogen auf das Jahr 2015 wären das 56 Personen gewesen. ROLLINGPLANET

MITTWOCH, 12. APRIL 2017
Buch

Ein Mann, der fällt

Der Mann der Schriftstellerin Ulrike Edschmid stürzte beim Renovieren von einer Leiter. Diagnose: Querschnittslähmung. Über seine buchstäbliche Wiederauferstehung hat sie einen beeindruckenden Roman geschrieben. In „Ein Mann, der fällt“ (Suhrkamp, 187 Seiten; 20 Euro) entrollt sie die Geschichte eines Mannes, der beim Renovieren einer Berliner Altbauwohnung, in welche er in Kürze mit der Frau, die er liebt, einzuziehen gedenkt, von der Leiter stürzt – und anschließend querschnittsgelähmt ist.
Wer aber erwartet, im Folgenden eine gefühlige Aufarbeitung der folgenschweren Ereignisse aufgetischt zu bekommen, wird eines Besseren belehrt. Denn die 1940 in Berlin geborene und in der nordhessischen Rhön aufgewachsene Autorin ist offenbar immun gegen jede Art von Sentimentalität. Obgleich es sich bei dem Mann, der 1986 fiel, um ihren eigenen handelt, mit dem sie bis heute zusammenlebt – und die Erinnerungen an den damals erlittenen Schicksalsschlag teilt. „Sein erster Gedanke ist Querschnittslähmung“ heißt es im Buch, nachdem der Gestürzte wieder zu sich kommt. „Er fühlt sich wie ein zersprungenes Gefäß. Und doch hat er die Vorstellung, sagt er, dass die Scherben aus einem vorausgegangenen Ganzen wiederzufinden sind und zusammengesetzt werden können.“ Spiegel Online

Niederlanden

Zehn Prozent mehr Fälle von aktiver Sterbehilfe

Mehr als 6000 Menschen sind in den Niederlanden 2016 durch aktive Sterbehilfe gestorben. Das sind rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem Jahresbericht der zuständigen staatlichen Kommission für Sterbehilfe hervor, der heute in Den Haag veröffentlicht wurde. In den meisten Fällen ging es um Krebspatienten im letzten Stadium ihrer Krankheit. Die meisten Menschen starben zu Hause mit Hilfe ihres Hausarztes.
Die Kommission nannte als mögliche Erklärung für den Anstieg der Fälle die zunehmende Überalterung sowie die Bereitschaft der Ärzte, den Sterbewunsch ihrer Patienten zu erfüllen. Etwa vier Prozent der Todesfälle in den Niederlanden gehen auf aktive Sterbehilfe zurück.
Aktive Sterbehilfe durch einen Arzt ist in den Niederlanden unter bestimmten Bedingungen nicht strafbar. So muss ein Patient aussichtslos und unerträglich leiden und mehrfach ausdrücklich den Wunsch geäußert haben. Jeder Fall muss gemeldet werden und wird geprüft. In zehn Fällen hatten sich Ärzte dem Bericht zufolge 2016 nicht an die gesetzlichen Regeln gehalten. (dpa)

Kicker

Mit Rollstuhlfahrern: Tischfußball-WM in der Hamburger Kampnagelfabrik

In der Hamburger Kampnagelfabrik ist heute die Weltmeisterschaft im Tischfußball gestartet – Rollstuhlfahrer inklusive. Bis zum Ostersonntag werden die Titelträger in insgesamt 25 Disziplinen ermittelt. Männer, Frauen, Senioren, Junioren und Rollstuhlfahrer kämpfen nach der Premiere im Jahr 2006 zum zweiten Mal in der Hansestadt um die WM-Krone. Nach Angaben des Veranstalters absolvieren die etwa 800 Teilnehmer aus 40 insgesamt Ländern an den fünf Veranstaltungstagen mehr als 2000 Spiele an 120 Tischen. (dpa/lno)

Ehrenamt

Stadt Coburg sucht neuen Behindertenbeauftragten

Blick auf die Moritzkirche in Coburg. (Foto: Presse03/Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Blick auf die Moritzkirche in Coburg. (Foto: Presse03/Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Der bisherige Beauftragte für die Menschen mit Behinderung für die Stadt Coburg (Bayern), Dr. Johannes Thaben, steht aus persönlichen Gründen für diese Funktion nicht mehr zur Verfügung. Nun soll die Neubesetzung des Ehrenamtes erfolgen. Ein Schwerpunkt der künftigen Arbeit seien unter anderem bauliche Maßnahmen, wie etwa neue Leitstreifen für Blinde und barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Gebäuden oder der Umbau der Bushaltestellen mit sogenannten „Kasseler Borden“, die den Zugang für gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer zu den Bussen erleichtern.
Die Neuwahl erfolgt ab dem 1. Juli 2017 und endet mit der Wahlperiode des Stadtrates zum 30.04.2020. Coburger Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Aufgabe des Behindertenbeauftragten interessieren, können sich jetzt bewerben beim Sozialamt. (Bürglaßschlösschen, Oberer Bürglaß 1, Tel.: 0956189/1500; Rückfragen: Peter Schubert, Leiter des Sozialamtes der Stadt Coburg). (RP)

Rollstuhlbasketball

Joe Bestwick muss nach fünf Jahren RSV Lahn-Dill verlassen

Joe Bestwick (Foto: Marco Kessler Mediashots)

Joe Bestwick (Foto: Marco Kessler Mediashots)

Nach Björn Lohmann, der bereits vor Monatsfrist sein Karriereende bekannt gab, wird am Saisonende mit Center Joe Bestwick ein zweiter Spieler den RSV Lahn-Dill verlassen. Der 32-jährige Brite erhält nach fünf Jahren keinen Vertrag mehr bei den Mittelhessen, obwohl er gerne geblieben wäre. „Die Entscheidung ist uns persönlich alles andere als leichtgefallen, aber im Sport muss man eben auch solche Entscheidungen fällen“, so RSV-Geschäftsführer Andreas Joneck zum Abgang des Centers mit der Nummer vier.
Mit dem RSV Lahn-Dill gewann Bestwick drei Meisterschaften, viermal den DRS-Pokal und 2015 im italienischen Giulianova die Champions League. 2008 gehörte Bestwick der britischen Bronzemedaillenmannschaft bei den Paralympics in Peking an, 2013 wurde er mit dem Team von der Insel in Frankfurt Europameister. (RP/aj)

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