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Rollstuhlbasketball: RSV-Tollhaus feiert zehnte Deutsche Meisterschaft

Sensationelle Rekordkulisse mit 1.900 Zuschauern sieht ungefährdeten Heimsieg über Skywheelers. Von Andreas Joneck (Text) und Armin Diekmann (Fotos)

Alter und neuer Deutscher Meister: Nach der Schlusssirene folgte die Ehrenrunde und das Bad in der Menge.

Alter und neuer Deutscher Meister: Nach der Schlusssirene folgte die Ehrenrunde und das
Bad in der Menge.

Jubel beim RSV Lahn-Dill (v.l.): Jan Haller, Andreas Joneck, Joe Bestwick (#4), David Amend, Christopher Huber (#9), Trainer Nicolai Zeltinger, Thomas Gundert, Gesche Schünemann (#12), Marco Zwerger (#10), Techniker Rene Talaga, Physiotherapeutin Pia Briegel.

Jubel beim RSV Lahn-Dill (v.l.): Jan Haller, Andreas Joneck, Joe Bestwick (#4), David Amend,
Christopher Huber (#9), Trainer Nicolai Zeltinger, Thomas Gundert, Gesche
Schünemann (#12), Marco Zwerger (#10), Techniker Rene Talaga,
Physiotherapeutin Pia Briegel.

„Mission 10“ erfolgreich bewältigt: Vor einer Rekordkulisse von 1.900 Zuschauern hat der RSV Lahn-Dill am Samstagabend seine zehnte Deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht.

Nachdem der Titelverteidiger bereits das erste Finalspiel vor einer Woche in Frankfurt mit 65:33 für sich entschieden hatte, gelang nun ein in der zweiten Halbzeit ungefährdeter 72:40 (13:12/34:24/53:29)-Heimsieg über die Mainhatten Skywheelers. Damit sind die Rollstuhlbasketballer aus Wetzlar trotz eines personellen Umbruchs im vergangenen Sommer weiterhin die Nummer eins in Deutschland.

Bereits vor drei Wochen hatte Lahn-Dill den Pokal gewonnen – ebenfalls in einem Hessen-Derby gegen die Mainhatten Skywheelers.

So viele kamen noch nie

Niemals zuvor strömten mehr Zuschauer in die Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle, wo sich schon zwei Stunden vor Spielbeginn lange Schlangen am Eingang bildeten. So startete das zweite von maximal drei Playoff-Heimspielen vor 1.900 Besuchern in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Halle mit knapp 20 Minuten Verspätung.

Bis zur dritten Spielminute musste die Kulisse dann warten, bis sie den ersten Korb der Hausherren lautstark bejubeln konnte. Dirk Köhler war es, der in einem noch sehr verhaltenen Auftaktviertel den ersten Korb erzielen konnte.

Zunächst ausgeglichene Partie

Die Gastgeber schwören sich vor großer Kulisse ein.

Die Gastgeber schwören sich vor großer Kulisse ein.

In der Folge entwickelte sich eine zunächst ausgeglichene Partie zweier Teams, die sich taktisch bis in kleinste Detail analysiert hatten. Während der RSV in der Offensive vor allem seine lange Centergarde in die Waagschale warf und mit Joe Bestwick (8:4, 5.) und Routinier Köhler (19:16, 14.) punktete, war es auf der anderen Seite vor allem Andi Kress, der mit frühen acht Punkten seinen Frankfurtern den verdienten Anschluss wahrte.

Doch nach dem 19:18 (15.) setzte sich der RSV Lahn-Dill Richtung Halbzeitpause Schritt für Schritt ab. Basis hierfür war eine in dieser Phase nahezu lupenreine Freiwurfquote der Mittelhessen, die damit die steigende Foulbelastung bei den Gästen aus der Mainmetropole eiskalt ausnutzen und mit zehn Punkten Differenz zur Pause die erste deutlichere Führung einfuhren.

Nach Seitenwechsel schon alles klar

Nach dem Seitenwechsel sollte dann früh die Vorentscheidung in diesem Match und damit bedingt auch in der gesamten Finalserie fallen. Mit drei schnellen Körben schraubten Kapitän Michael Paye & Co. das Ergebnis zunächst auf 40:24 und hatten damit einen klaren mentalen Vorteil auf ihrer Seite. Ein sicherer Defensivrebound gegen die nun sinkende Frankfurter Trefferquote und daraus resultierend souverän und schnell vorgetragene Spielzüge sorgten in der Folge für die 47:27 (28.) und 57:33 (33.) Zwischenstände.

In den verbleibenden Minuten bis zur sehnlichst erwarteten Schlusssirene schwenkte die Rekordkulisse in der traditionellen RSV-Heimstätte nun in beste Feierlaune um und zelebrierte sich mit der „la ola“-Welle förmlich selbst. Nach weiteren Korberfolgen des starken Thomas Böhme (61:37, 37.) und von Nationalspielerin Gesche Schünemann (67:40, 39.) spendeten die 1.900 Zuschauer bereits Minuten vor dem Ende dann dem alten und neuen Deutschen Meister stehend Ovationen.

Familie aus Nottingham eingeflogen

„Dieser Titel bedeutet uns und unserem jungen und neuem Team so immens viel. Ich würde ihn auf eine Stufe mit der allerersten Meisterschaft 1998 stellen“, ließ RSV-Trainer Nicolai Zeltinger vor laufenden Kameras des Hessischen Fernsehens seinen Emotionen nach Spielende freien Lauf. Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen lag sich die RSV-Familie damit einmal mehr in den Armen, während das Spielertrio Björn Lohmann, Christopher Huber und Joe Bestwick, dessen Familie extra aus dem britischen Nottingham eingeflogen war, ebenso wie Co-Trainer Ralf Neumann und Techniker Rene Talaga ihre erste Deutsche Meisterschaft feiern konnte.

Auf der anderen Seite standen zwar bezwungene Mainhatten Skywheelers, die ein würdiger Finalgegner waren und auf ihre beste Saison seit 20 Jahren ebenso stolz sein dürfen, wie der alte und neue Deutsche Meister RSV Lahn-Dill. Was folgte war eine ausgelassene und feucht-fröhliche Nacht mit obligatorischer Siegerzigarre bis in die tiefe mittelhessische Nacht.

Lahn-Dill: Joe Bestwick (21), Dirk Köhler (16), Thomas Böhme (11), Michael Paye (10), Jan Haller (4), Gesche Schünemann (4), Marco Zwerger (4), Thomas Gundert (2), David Amend, Christopher Huber, Björn Lohmann, Felix Schell.

Mainhatten Skywheelers: Andi Kress (12), Sebastian Magenheim (10), Sebastian Wolk (8), Lars Lehmann (4), Benjamin Lenatz (4), Johannes Hengst (1), Jan-Niklas Neuroth (1), Anne Brießmann, Maria Kühn, Sven Diedrich (n.e.), Tim Diedrich (n.e.).

Der Autor ist Manager des RSV Lahn-Dill

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