Rollstuhlbasketball: „Sehen, wie die Welt am Samstagabend aussieht!“

Der Titelverteidiger unter Druck – RSV Lahn-Dill will im Playoffinale eine dritte Partie erzwingen. Und André Bienek spricht über seine Geburt.

Am Wochenende entscheidet sich zwischen RSB Thuringia Bulls (blaue Trikots) und RSV Lahn-Dill (hier Steve Serio beim Wurf), wer Deutscher Meister 2015/16 im Rollstuhlbasketball wird. (Foto: Armin Diekmann)

Am Wochenende entscheidet sich zwischen RSB Thuringia Bulls (blaue Trikots) und RSV Lahn-Dill (hier Steve Serio beim Wurf), wer Deutscher Meister 2015/16 im Rollstuhlbasketball wird. (Foto: Armin Diekmann)

Titelverteidiger RSV Lahn-Dill muss wie im Vorjahr am kommenden Samstag einen Matchball im Kampf um die Deutsche Meisterschaft abwehren, um ein drittes und dann alles entscheidendes Finalspiel zu erzwingen. Nach ihrer 58:70-Heimniederlage vor Wochenfrist (ROLLINGPLANET berichtete und zeigte das Video zum Spiel) sind die Wetzlar Rollis nun am Samstagabend um 18 Uhr bei den RSB Thuringia Bulls gefordert. Nur wenn die Hessen den Ausgleich schaffen, kommt es in der „best-of-three“ Playoffserie am Sonntag um 14 Uhr zu einem weiteren Endspiel an gleicher Stätte.

Dabei sieht sich Lahn-Dill plötzlich in der ungewohnten Rolle des Außenseiters, nachdem man seit Jahren den deutschen und oft auch den europäischen Rollstuhlbasketball dominierte – aber die Thüringer Bulls sind nach einer bärenstarken Saison für ROLLINGPLANET die Favoriten. RSV-Trainer Nicolai Zeltinger gibt sich jedoch gewohnt siegesbewusst: „Natürlich ist unser Ziel ein drittes Finalspiel, und selbstverständlich sind wir in der Lage dazu“, sagt er.

Noch schmunzelt Zeltinger

Die Hessen wollen sich beim Showdown vor allem am letzten Spielviertel der vergangenen Partie orientieren, in dem Kapitän Michael Paye & Co. einen beeindruckenden 19:1-Lauf auf das Parkett legten – nachdem sie allerdings zuvor von den Ostdeutschen demontiert worden waren. Mit Blick nach vorne schmunzelt Zeltinger: „Wir werden sehen, wie die Welt am Samstagabend aussieht.“

„Wichtig ist vor allem, dass die Mannschaft nach der über drei Viertel schwachen Vorstellung vom letzten Samstag den Kopf wieder frei und die Sicherheit im Abschluss zurückbekommt“, so der 44-Jährige. Leistungsträger wie Kapitän Paye, sein scheidender US-Landsmann Steve Serio oder aber Nationalspieler Thomas Böhme sind hierbei wichtige Faktoren. „Wir haben gut analysiert, trainiert und sind aufgeräumt. Entscheidend wird nicht nur sein, was wir taktisch, sondern auch, wie wir mental spielen“, so Zeltinger.

Herausforderer auf Augenhöhe

Auf der Gegenseite steht ein Team, das nicht erst in diesem Jahr auf Augenhöhe mit dem RSV Lahn-Dill agiert. Schon im Vorjahr, als die Wetzlarer in allen drei Wettbewerben die Nase teils hauchdünn vor den Thüringern hatten, war zu erkennen, dass vor den Toren der Landeshauptstadt Erfurt ein Team der europäischen Spitzenklasse gereift ist. Allen voran zeigte vor Wochenfrist der deutsche Nationalspieler André Bienek eine bärenstarke Leistung, erzielte in Spiel eins 26 Punkte, davon alleine drei Dreier binnen des ersten Viertels. Neben dem 29-jährigen aus Castrop-Rauxel gehören der Schwede Joakim Linden, der Finne Teemu Partanen und der Lette Raimund Beginskis zu den Leistungsträgern, die unter dem Korb durch Aliaksandr Halouski einen deutschen Nationalcenter als Vollstrecker haben.

In Elxleben versucht der Herausforderer, sich nicht von der Euphorie blenden zu lassen. „Natürlich war die Freude groß nach dem überzeugenden Auswärtssieg beim Dauermeister RSV Lahn Dill. Die Gefahr für die RSB Thuringia Bulls liegt jedoch im Kopf, jeder, der einem über den Weg läuft, meint, mit dem Auswärtssieg sei das Finale schon gewonnen“, warnt der Verein seine Anhänger.

Als Bienek noch nicht geboren war

„Nichts zu spüren von Zufriedenheit, für uns geht es wieder bei Null los,“ betont Bienek. „Es gibt keinen Grund, wegen zwei Siegen gegen den Klassenprimus Lahn Dill (Anm.d.Red.: der erste Sieg war am 7. Spieltag in der Hinrunde) sich einzubilden, dass es problemlos so weiter geht. Ich weiß nicht, wann Lahn Dill je drei Spiele in Folge verloren hätte, da war ich vermutlich noch nicht geboren.“ Bienek kam ünrigens am 31. Oktober 1986 auf die Welt.

„Wir haben am letzten Wochenende im letzten Viertel gesehen, wie schnell der Titelverteidiger wieder in die Spur zurück findet, wenn er nicht mit 120 Prozent bespielt wird. Wir müssen 40 Spielminuten Vollgas geben und keine Ruhepausen einlegen, dann ist die Sensation möglich. Die Zeiten haben sich nicht geändert, Lahn Dill ist das Maß aller Dinge, wir müssen unseren besten Rollstuhlbasketball spielen, hart arbeiten und an uns glauben“, erklärt Halouski, „dann können wir gewinnen. Mit weniger werden wir nicht schaffen.“

(RP/PM/aj)

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1 Kommentar

  • Wheelie

    Wer zuletzt lacht ,lacht am besten.

    14. April 2016 at 15:23

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