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Rollstuhlbasketball: Titelverteidiger Lahn-Dill wird zur Thüringer Bratwurst

Die neue Bundesliga-Saison erlebt an ihrem zweiten Spieltag ihre erste große Überraschung. Dagegen gewinnt der zweite Meisterschaftsfavorit Zwickau pflichtgemäß sein Spiel gegen den Abstiegskandidaten Jena Caputs.

In dieser Szene setzt sich Jena-Spieler Eric Zinke (M.) gegen die Zwickauer Wolfgang Almer (rechts) und Adam Erben (links) durch – am Ende gewann der Vizemeister RSC-Rollis Zwickau jedoch souverän. Siehe dazu zweiter Teil unseres Berichts. (Foto: Christoph Worsch)

Noch am vergangenen Samstag war der bis dato so übermächtigen Mannschaft aus Hessen ein „Auftakt nach Maß“ gelungen: Einen ersatzgeschwächten USC München fertigte man zum Start der neuen Bundesliga-Saison 2012/2013 mit 85:32 ab. Doch heute musste der neunfache Deutsche Meister RSV Lahn-Dill am zweiten Spieltag seine erste Niederlage einstecken. Bei der letztjährigen Überraschungsmannschaft RSB Team Thüringen verloren die Mittelhessen verdient mit 55:65 (13:14/33:26/41:41), nachdem die eigene Leistung in der Offensive dem starken Auftritt des Gegners nicht gewachsen war.

„65 Punkte in Thüringen zu kassieren ist keine Schande, aber mit einer eigenen Offensivleistung von nur 55 Punkten können wir natürlich nicht zufrieden sein“, so RSV-Headcoach Nicolai Zeltinger nach der Niederlage im Sportzentrum Elxleben, und er ergänzte: „Wir haben es noch nicht geschafft, die Stärken von Joe Bestwick besser in Szene zu setzen. Da mangelt es uns mit einer neuen Mannschaft natürlich noch an Spielverständnis“. Damit bezog sich der 40-Jährige auch auf die extrem kurze Vorbereitungszeit nach den Paralympics, während die Ostdeutschen intensiv auf die neue Spielzeit hinarbeiten konnten, was Zeltinger jedoch nicht als Entschuldigung gelten lassen wollte.

Die Partie des zweiten Spieltages begann aus Sicht des RSV Lahn-Dill verhalten, ehe Michael Paye & Co. im zweiten Viertel einen Weg gegen die starken Gastgeber zu finden schienen. So steckten die Wetzlarer Rollis das 13:14 nach den ersten zehn Minuten weg und drehten die Partie über 23:18 (16.) auf den Halbzeitstand von 33:26. In dieser Phase überzeugte vor allem Kapitän Paye und U22-Europameister Thomas Böhme, während sich auf Thüringer Seite der weißrussische Center Aliaksandr Halouski und sein schwedischer Teamkollege Joakim Linden zu den Schlüsselspielern entwickelten.

Rabenschwarzer Start von Lahn-Dill in Durchgang zwei

Während Zeltinger noch zahlreichen verpassten Chancen vor der Pause nachtrauerte, die das Spiel vorzeitig hätten entscheiden können, erwischte der Gast aus Hessen dann einen rabenschwarzen Start in Durchgang zwei. Schnell war die Führung (35:26, 21.) verspielt, während US-Routinier Taz Capasso nun seine große Zeit hatte und maßgeblichen Anteil an der eigenen 37:35-Führung (27.) hatte. „Sieht man sich die Wurfquoten an, hatten wir vor allem Joakim Linden und Diana Dadzite gut unter Kontrolle und auch Halouski war im Limit, doch Capasso hatten wir in der zweiten Halbzeit leider nicht auf der Rechnung“, bezog sich Nicolai Zeltinger nach Spielende auf den vielleicht wichtigsten personellen Faktor im Spiel der Thüringer an diesem Tag.

Doch sein RSV hatte weiterhin die Chance die Partie für sich zu entscheiden, denn nun wogte die Begegnung mit wechselnden Führungen bis in die Schlussphase hin und her. Als Thomas Böhme mit seinem 18. Punkt zum 53:51 (37.) seine Farben erneut in Führung brachte, war ein Sieg des Meisters noch in greifbarer Nähe. Mit vier Punkten binnen weniger Sekunden hatte Raimund Beginskis, von Zwickau aus nach Elxleben gewechselt, jedoch postwendend eine passende Antwort, die Capasso auf 59:53 (39.) ausbaute. Während nun die Dreierversuche von Thomas Böhme und Gesche Schünemann ihr Ziel verfehlten, machten Joakim Linden und Aliaksandr Halouski den Sack von der Freiwurflinie zu.

„Thüringen hat verdient gewonnen, aber nun haben wir den Beleg dafür, an was wir weiter intensiv arbeiten müssen und die Zeit wird für uns sprechen“, so Trainer Zeltinger in seinem Fazit, bei dem er nicht vergaß, vor allem dem erst 20-jährigen Böhme eine starke Partie zu attestieren. Bereits am kommenden Samstag hat der RSV Lahn-Dill vor eigenem Publikum nun die Chance diese Niederlage wieder wettzumachen, wenn um 16 Uhr Aufsteiger Roller Bulls St. Vith in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle gastiert.

Thüringen: Aliaksandr Halouski (22), Taz Capasso (17/1 Dreier), Joakim Linden (16), Raimund Beginskis (8), Diana Dadzite (2), Teemu Partanen, Jens-Eike Albrecht (n.e.), Karol Szulc (n.e.).

Lahn-Dill: Thomas Böhme (18), Joe Bestwick (15), Michael Paye (14), Jan Haller (4), Thomas Gundert (2), Marco Zwerger (2), Dirk Köhler, Björn Lohmann, Felix Schell, Gesche Schünemann, Christopher Huber (n.e.).

(Andreas Joneck)

Vizemeister Zwickau eine Nummer zu groß für Jena Caputs

Andy Ortmann (Jena Caputs) setzt zum Schuss an – Zwickaus Gaz Choudhry versucht dies mit viel Energie zu verhindern. (Foto: Christoph Worsch)

Mit einer 38:79 (11:20, 16:42, 28:59)-Niederlage gegen die Vizemeister vom RSC-Rollis Zwickau mussten sich die Jena Caputs zur Heimpremiere klar geschlagen geben. Die Westsachsen hatten ihr Team vor der Saison mit insgesamt fünf neuen Spielern aufgerüstet. Darunter auch drei britische aktuelle Nationalspieler, die für mächtig Wirbel unter dem Jenaer Korb sorgten.

Jena versuchte an die Leistung vom Auftaktspiel gegen Aufsteiger Roller Bulls, das mit 71:59 gewonnen wurde, anzuknüpfen. Kurzfristig musste Trainer Lars Christink auf Marcus Kietzer verzichten, der verletzungsbedingt pausierte. Nach einer 4:0 Führung der Zwickauer verkürzte Eric Zinke zum 2:4. Das Spiel ging hin und her. Beim Stand von 6:8 (5. Minute) erhöhten die Gäste den Druck und gingen schnell mit 16:8 (7.) in Führung. Zur Viertelpause führte Zwickau mit 20:11.

Im zweiten Viertel lief der Motor der Gäste dann richtig warm, und Jena fand kaum noch ins Spiel. Lediglich 5 Punkte erzielten die Saalestädter und lagen zur Halbzeitpause bereits mit 16:42 fast uneinholbar in Rückstand. Jetzt wurde vor allem die Klasse der Zwickauer Spieler sichtbar. Die etwa 250 Zuschauer in der Werner-Seelenbinder-Halle, die trotz des Rückstandes jeden Korb der Jenaer Mannschaft bejubelten, bekamen nach der Pause zunächst ein ausgeglichenes Spiel zu sehen. Jena schaffte es nach drei Körben der Zwickauer, sich einige gute Chancen zu erarbeiten. Mehr als Ergebniskosmetik war das hingegen nicht. Zwickau kontrollierte im weiteren Verlauf das Spiel und setzte sich am Ende mit 79:38 durch. Topscorer der Partie war Adam Erben (17) aus Zwickau, dicht gefolgt von Mehmet Hayirli mit 15 Punkten.

„Natürlich haben wir heute viel getestet, um uns auf das Spiel am Sonntag gegen den Hamburger SV vorzubereiten”. Deshalb habe ich auch viel rotiert. „Die Klasse der Zwickauer muss man einfach anerkennen.“, so das kurze Fazit von Trainer Lars Christink, der bereits vor der Saison erklärt hatte, dass man sich vor allem auf die Punkte gegen die Aufsteiger (Roller Bulls und HSV) konzentrieren wolle, um den Klassenerhalt zu sichern. Das HSV-Team von Trainer Holger Glinicki steht nach zwei Niederlagen (56:76 gegen Trier, heute 55:91 gegen Mainhatten Skywheelers) bereits mit dem Rücken zur Wand.

Jena Caputs: Mehmet Hayirli (15), Eric Zinke (10), Matthias Heimbach (8), Franziska Vogel (2), Santiago Mora (2), Andy Ortmann (1), Torsten Schüler, Mathias Brühl

RSC Rollis Zwickau: Adam Erben (17), Gaz Choudry (16), Ademola Orogbemi (14), Bryce Doody (8), Wolfgang Almer (8), Matt Sealy (6), Marcin Balcerowski (4), Rostislav Pohlmann (2), Frank Oehme (2), Günther Mayer (2), Joachim Pawle

(Thomas Henkel)

RBBL, 2. Spieltag

Jena Caputs – RSC-Rollis Zwickau: 38:79
RSB Team Thüringen – RSV Lahn-Dill: 65:55
Mainhatten Skywheelers – Hamburger SV: 91:55
GOLDMANN Dolphins Trier – Köln 99ers: 94:58

RBBL, 3. Spieltag

RSV Lahn-Dill – Roller Bulls St. Vith (06.10.)
RSC-Rollis Zwickau – USC München (06.10.)
Köln 99ers – Mainhatten Skywheelers (06.10.)
RSB Team Thüringen – GOLDMANN Dolphins Trier (06.10.)
Hamburger SV – Jena Caputs (06.10.)

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