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Rollstuhlbasketball: Trier erwacht aus der Romantik und landet in der Realität

Ein Lette soll den Bundesligisten darüber hinweg trösten, dass es auch im Behindertensport schlechte Manieren gibt.

Dmitrijs Rukavisnikovs

Dmitrijs Rukavisnikovs

Goldmann Dolphins Trier ist bekannt dafür, dass es bei seiner Kaderplanung ebenso bunt wie unkonventionell zugeht. Auch dieses Jahr präsentiert der Verein wieder eine Multi-Kulti-Truppe (3 Kanadier, 2 Letten, 1 US-Amerikaner, 1 Brite, 3 Deutsche) – und eine logopädische Sprachübung: Dmitrijs Rukavisnikovs.

So heißt der neueste Zugang. Der 50-fache lettische Nationalspieler verstärkt das Team in der neuen Saison, die für die Rheinland-Pfälzer am 29. September mit dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV beginnt.

Der 27-Jährige spielte bisher auf der Guard-Position und ist ein sogenannter Lowpointer. Mit seinen nur 1,5 Klassifizierungspunkten ist er vielseitig im Team einzubauen, auch oder gerade als Backup für den Kanadier Chad Jassman, so die Hoffnung in Trier.

Dirk Passiwan lobt ihn als Teamplayer

Spielertrainer Dirk Passiwan entdeckte den kleinen, quirligen Spieler beim Besuch der C-EM vor einigen Wochen in St. Pölten/Österreich, als der für SK Riga agierende Spieler mit dazu beitrug, dass die lettische Nationalmannschaft den Aufstieg in die B-Gruppe für die nächsten Europameisterschaften erreichte: „Vor allem beeindruckte er mit seiner großen Stärke, dem Teamplay-Spiel, was da heißt, dass er sich völlig in den Dienst der Mannschaft stellt und zudem trotz seiner Körpergröße mit einer guten Defensivarbeit beeindruckte.“

Dirk Passiwan flog nach Riga und brauchte nicht lange, um Dmitrijs Rukavisnikovs und dessen Lebensgefährtin Diana Dadzite zu überzeugen, nach Deutschland zu kommen. Praktischerweise spielt auch Diana Dadzite Rollstuhlbasketball und wird ebenfalls dem Kader angehören. Für Rukavisnikovs ist es nicht das erste Auslands-Engagement: Er spielte bereits in der Serie A in Italien (Rieti und HB Torino).

Spektakuläre Verpflichtung misslungen

Der Lette soll die Goldmänner nun ein wenig darüber hinweg täuschen, dass sie vor drei Wochen aus allen Wolken und Träumen gefallen sind. Da hatte der bereits als Neuverpflichtung angekündigte US-Nationalspieler Jared Arambula unvermittelt einen Rückzieher gemacht.

Rollis-Manager Otmar Passiwan ist über den gescheiterten Coup immer noch frustriert: „Ich musste leider enttäuscht feststellen, dass es mittlerweile auch im Rollstuhlbasketball solche Vorgehensweisen gibt, die ich bei allem Verständnis nicht gutheißen kann! Es wird alles zunehmend professioneller in unserem Sport, leider aber auch mit diesen negativen Begleiterscheinungen. Zumindest werden wir daraus unsere Lehren ziehen!“.

Der Kader der Goldmann Dolphins Trier für die Saison 2013/14:
Mark Dexter Booth (USA), Diana Dadzite (Lettland), Florian Ewertz (GER), Tracey Ferguson, Chad Jassman, Janet McLachlan (alle Canada), Dirk Passiwan (GER), Dmitrijs Rukavisnikovs (Lettland), Tyler Saunders (GB) und Dirk Schmitz (GER).

Wir hatten in einer früheren Version dieses Berichts den Start der neuen Saison falsch angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

(RP/PM)

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