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Rollstuhlbasketballer ziehen sensationell ins EM-Halbfinale ein

70:63-Sieg über Spanien. Dramatische Szenen im letzten Viertel – Kapitän der Gastgeber disqualifiziert.

Center Alex Halouski setzt sich in der Zone gegen die spanische Defense durch. (Foto: Tanja Feddersen)

Center Alex Halouski setzt sich in der Zone gegen die spanische Defense durch. (Foto: Tanja Feddersen)

Die deutsche Herren-Nationalmannschaft steht nach einem packenden Spiel gegen Gastgeber Spanien sensationell im Halbfinale der Europameisterschaften auf Teneriffa ¬– und das ohne die bisherigen Leistungsträger André Bienek und Dirk Passiwan, die vor dem Turnier absagen mussten. Über vier Viertel hinweg bot man den Hausherren und ihren lautstarken Fans Paroli und kämpft nun an der Costa Adeje um eine Medaille. Beim 70:63 (14:14/32:26/44:40) ragte erneut das offensive Trio um Alex Halouski (24), Thomas Böhme (23) und Jan Gans (16) heraus.

Die Spannung auf dem Parkett und den Rängen war deutlich zu spüren, als es am Dienstag um 20 Uhr zum Hochball im Pabellon Las Torres kam. Dabei erwischte das Team Germany den besseren Start und setzte sich nach einem schönen 3-Punkt-Wurf von Kapitän Jan Haller schnell mit dem 11:4 (Min 6) ein wenig ab. In der Folge ließ man dann aber die Hausherren aus Spanien etwas besser ins Spiel kommen und so folgte nach einem 8:1 Lauf der Ausgleich mit dem 12:12 auf dem Fuß.

Mit Beginn der zweiten zehn Minuten war es wieder die deutsche Auswahl, die besser ins Rollen kam und sich nun mit dem 18:14 (Min 12) und dem 24:16 (Min. 15) ein kleines Polster erarbeitete. Vor allem die beiden Center Alex Halouski und Jan Gans trafen für ihre Farben nach Belieben. Bis zur Pause blieben die deutschen Korbjäger auf Zug und gingen beim Stand von 32:26 mit einer Sechs-Punkte-Führung in die Halbzeit.

Deutscher Protest

In der zweiten Halbzeit wollte es den Schützlingen von Headcoach Nicolai Zeltinger dann nicht gelingen, sich entscheidend von den Spaniern abzusetzen. Nach dem 36:36 (Min. 25) holte man kurz vor Beginn der letzten zehn Minuten mit dem 44:40 wieder einen kleinen Vorsprung heraus. Das letzte Viertel hielt nicht nur jede Menge Spannung auf der Anzeigetafel parat, sondern auch einen Protest seitens des Team Germany gegen den spanischen Kapitän Asier García Pereiro.

Wie sich kurz vor Ende des Spiels beim Stand von 59:58 herausstellen sollte, hatte die Sitzhöhe des Sportstuhls die falsche Bemaßung und war daher regelwidrig. Die Konsequenz aus Disqualifikation des Spielers, zwei Freiwürfen für die deutsche Mannschaft und anschließender Ballbesitz waren der entscheidende Knackpunkt im Spiel. Thomas Böhme und Co. blieben von der Freiwurflinie und unter dem Korb cool und rollten am Ende als verdienter Sieger und Halbfinalist vom Platz.

„Uns ist die Revanche für Rio geglückt, und wir sind sehr zufrieden damit. Das war heute sehr anstrengend für uns, aber wir hatten einen Gameplan, und die Jungs haben diesen sehr gut umgesetzt. Die Spanier sind mit Sicherheit einer der großen Favoriten in diesem Turnier gewesen und wir haben sie geschlagen. Auf der einen Seite wunderbar, aber jetzt geht der Blick wieder direkt nach vorne, denn wir haben morgen ein schweres Spiel vor uns und da wollen wir den nächsten Schritt machen und das auch gewinnen,“ zeigte sich Zeltinger erleichtert und glücklich nach dem Triumph.

Das Halbfinale bestreiten die deutschen Herren an diesem Mittwochabend um 20 Uhr (21 Uhr MESZ) gegen die Türkei.

Jubel nach dem Schlusspfiff: Thomas Böhme (l.) überlebt die Umarmung durch Kai Möller. (Foto: Tanja Feddersen)

Jubel nach dem Schlusspfiff: Thomas Böhme (l.) überlebt die Umarmung durch Kai Möller. (Foto: Tanja Feddersen)

Deutschland: Aliaksandr Halouski (24), Thomas Böhme (23), Jan Gans (16), Kai Möller (4), Jan Haller (3), Christopher Huber, Matthias Güntner, Nico Dreimüller, Jan Sadler, Oliver Jantz, Phillip Schorp, Frank Oehme

Spanien: Daniel Stix Soto (2), Pablo Jesús Zarzuela (23), Francisco Sanchez Lara, Alejandro Zarzuela (6), Amadou Diallo Diouf (6), Jordi Ruiz Jordan (4), Asier García Pereiro (17), David Mouriz Dopico, Jesús Romero Martín, Jose Manuel Conde Moreno, Roberto Mena Pérez (5), Augustin Alejos Alonso

(PM/tf)

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