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Rollstuhlfahrer steuert Roboterarm mit PS3-Controller

Drei Studenten aus Texas haben eine ungewöhnliche und günstige Greifarm-Lösung entwickelt.

Das ist Dee Faught. Eigentlich darf ROLLINGPLANET als Magazin emanzipierter Behinderter das nicht schreiben, aber mal unter uns: Ist der nicht knuffig?

Das ist Dee Faught. Eigentlich darf ROLLINGPLANET als Magazin emanzipierter Behinderter das nicht schreiben, aber mal unter uns: Ist der nicht knuffig?

Dee Faught mit seinem neuen Roboterarm (Screenshot aus Video unten)

Dee Faught mit seinem neuen Roboterarm (Screenshot aus Video unten)

ROLLINGPLANET ist sich sicher: Dee Faught wird nach Michel Petrucciani der nächste musizierende Ladykiller mit Osteodingsbumsda. Aber nun zum Thema.

PS3-Controller nennt sich die Konsole, mit der Spieler ihre Play Station bedienen. Das Teil kann ab sofort auch als Reha-Hilfsmittel gelten: Die drei Studenten Nimish Mittal, Sergio Gonzalez und Matthew Nojoomi von der Rice University Engineers, Texas (USA) haben den PS3-Controller so konfiguriert, dass er einen Roboterarm steuern kann. Zwei Jahre Tüftelarbeit haben sie dafür investiert.

Profitieren soll davon zunächst der 17-jährige Dee Faught, der mit seinen Eltern 32 Kilometer von Huston entfernt in Friendswood lebt. Er hat Osteogenesis Imperfecta (umgangssprachlich bekannt als Glasknochenkrankheit) Typ 3, verbunden mit Kleinwüchsigkeit und deformierten Gliedmaßen. Bislang fiel es dem Rollstuhlfahrer schwer, alltägliche Dinge selbst zu erledigen – wie das eben so ist, wenn die Arme zu kurz sind (regelmäßige ROLLINGPLANET-Leser kennen schon unseren Lieblingswitz aus „Ziemlich beste Freunde“: „Keine Arme, keine Schokolade“).

Unabhängigkeit ermöglichen

Mit dem PS3-gesteuerten Arm soll sich das ändern – Faught wird in der Lage sein, Dinge aufzuheben und zu bewegen. Die Kosten für das – zugegebenermaßen noch etwas klobig wirkende – Gerät belaufen sich auf knapp 800 Dollar (rund 590 Euro). Im Vergleich dazu kostet ein durchschnittlicher, industrieller Roboterarm rund 25.000 Dollar. Trotzdem hoffen die drei angehenden Ingenieure, den Preis ihrer Entwicklung noch weiter senken zu können. Dann würde es auch kommerziell interessant: So wurden beispielsweise bis gestern auf der Rehacare Düsseldorf neue Greifarm-Lösungen vorgestellt.

„Es wird mir helfen, unabhängiger zu sein“, sagte Faught am vergangenen Freitag, als er erstmals den Arm testete (siehe Video unten). Auch seine Mutter Stacy zeigte sich begeistert und erklärte, obwohl angesichts der neuen Möglichkeiten für ihren Sohn eher den Glückstränen nahe, mit einem Lächeln: „Jetzt kann er endlich seine Wäsche vom Boden aufheben.“

Dee Faught will nächstes Jahr aufs College und träumt von einer Musikkarriere. Was will er da bloß mit einem Greifarm? Doch nicht nur nach dem Klavier kneifen, hofft ROLLINGPLANET.

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