""

Rollstuhlfahrerin musste Flugzeug verlassen: Easyjet wegen Diskriminierung verurteilt

Aber die notorisch behindertenfeindliche Airline kommt diesmal verhältnismäßig billig davon.

3 Easyjet-Flugzeuge

Immer wieder Easyjet (Pressefoto)

Marie-Patricia Hoarau hat ihren Prozess gegen die Airline wegen Diskriminierung und Demütigung gewonnen. Die 40-Jährige sitzt aufgrund eines Fahrradunfalls seit 20 Jahren im Rollstuhl.

Der Vorfall ereignete sich im März 2010 bei einem Rückflug von Paris nach Nizza, als der Pilot die Frau trotz eines gültigen Tickets wieder aus dem Flugzeug schieben ließ, nachdem sie bereits Platz genommen hatte. Begründung: Sie reiste ohne Begleitperson. (ROLLINGPLANET berichtete: Schon wieder Easyjet: Neuer Prozess wegen Diskriminierung hat begonnen.)

Billigstrafe für Billigairline

Das Verfahren vor der Pariser Strafkammer endete nun mit einem Bußgeld für Easyjet in Höhe von 5000 Euro. Außerdem muss EasyJet der Klägerin 5000 Euro Entschädigung zahlen, einen symbolischen Euro an die als Nebenklägerin auftretende französische Behindertenvereinigung überweisen und Anwaltskosten in Höhe von 4000 Euro übernehmen.

Easyjet kann sich über das Urteil nicht beschweren: Im Januar war man in einem anderen, ähnlich gelagerten Prozess von einem Strafgericht in Bobigny bei Paris zu einer Geldstrafe von 70 000 Euro verurteilt worden. In diesem Fall hatte die Airline drei behinderten Passagieren den Flug verweigert. Die drei Kläger erhielten allerdings nur jeweils 2000 Euro Entschädigung.

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

  • Helge Blankenstein

    Ich freue mich für die Erkenntnis, dass die Rechte von Menschen durchaus einklagbar sind. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel, dass es für Menschen mit Behinderungen eine sehr große Herausforderung darstellt, und einem langen Atem bedarf.
    Genau hier setzt ein zukunftsweisender Gedanke an. Dieser geht in zwei Richtungen. Einmal die Einrichtung des „Fachanwalt für soziale Ausgleiche“. Dieser kann, anders als bisher, die besonderen, individuellen Herausforderungen erheblich hintergründiger erkennen und somit auch bei Gericht argumentieren. Die zweite Richtung tendiert zur Unterstützung vorhandener Anwälte durch qualifizierte Sachverständige.
    Beide Richtungen sind zwingend notwendig, da auch die Richterinnen/Richter häufig keine Vorstellung davon haben was es bedeutet mit Sinnes- und/oder motorischen Einschränkungen leben zu müssen. Sie haben keine Vorstellungen welchen Stellenwert Nachteilsausgleiche haben.
    Die durch uns angedachten Wege, sollen diese Minderinformationen ausgleichen und somit den Betroffenen zu angemessenen Ausgleichen verhelfen. Diese beziehen sich nicht ausschließlich auf finanzielle Ausgleiche. Sehr häufig sind dies individuelle Leistungen bei Hilfsmitteln oder andere ideelle Leistungen.
    Wichtig ist auch die Unterstützung, die viele Betroffenen brauchen um den Gang zum Gericht überhaupt anzugehen. Danach ist die Unterstützung notwendig um auch langwierige Gerichtswege durchstehen zu können.
    Anders als in Frankreich, sind es nicht gerade wenige Richterinnen/Richter, die die Rechte von Menschen mit Behinderungen als frei verhandelbare Rahmenbedingungen sehen. Dies haben wir bereits erleben dürfen. Aber natürlich auch gegenteilige Entscheidungen.
    Helge Joachim Blankenstein

    6. Mai 2012 at 20:16

KOMMENTAR SCHREIBEN