""

RSV Lahn-Dill stürmt gegen Hamburg ins Playoff-Finale

Rollstuhlbasketball: Nun kommt es zur Neuauflage des Giganten-Duells zwischen den Hessen und Thuringia Bulls.

Piotr Luszynski (#11), hier am Ball, war der überragende Topscorer. In dieser Szene trifft er auf Reo Fujimoto (#14) und Anne Patzwald (#7), vorne Thomas Böhme (#13). (Foto: Armin Diekmann)

Piotr Luszynski (#11), hier am Ball, war der überragende Topscorer. In dieser Szene trifft er auf Reo Fujimoto (#14) und Anne Patzwald (#7), vorne Thomas Böhme (#13). (Foto: Armin Diekmann)

Der frisch gebackene Deutsche Pokalsieger RSV Lahn-Dill steht im Finale um die Deutsche Meisterschaft 2017. Im dritten und alles entscheidenden Playoff-Halbfinale gegen die BG Baskets Hamburg stürmten die Mittelhessen nach dem 59:53-Heimsieg am Samstagabend einen Tag später mit 85:58 (19:14/41:34/65:44) in die „best-of-three“ Endspielserie, wo sie nun auf Titelverteidiger 1.
RSB Thuringia Bulls treffen. Die Ostdeutschen sorgten in ihrem Semifinale bereits am Vorabend für das 2:0 gegen den Aufsteiger Rhine River Rhinos aus Wiesbaden.

„Wir haben heute den Ball hervorragend laufen lassen, die daraus entstehenden Lücken in der gegnerischen Defensive gut erkannt und eiskalt zugeschlagen“, freute sich Co-Trainer Ralf Neumann nach Spielende über den Finaleinzug. Nach der 58:59-Niederlage zum Auftakt der Halbfinalserie vor zwei Wochen in Hamburg war ihm und Head Coach Nicolai Zeltinger aber auch die Erleichterung, ein hartes Stück Arbeit verrichtet zu haben, deutlich anzumerken.

Mit dem Rücken zur Wand

„Wir standen mit dem Rücken zur Wand und hatten viel Druck, mit dem wir hervorragend umgegangen sind. Am Samstag haben wir diesen mit einer bärenstarken Verteidigung besiegt, und so konnten wir heute auch deutlich freier aufspielen“,

so der 45-jährige Cheftrainer der Wetzlarer Rollis.

Zuvor erlebte Zeltinger und sein Gegenüber Holger Glinicki ein extrem hochklassiges und vor allem tempogeladenes und rasantes Playoff-Duell der beiden Dauerkonkurrenten der vergangenen Wochen. Wie am Vorabend, als der RSV mit viel Druck startete, dann aber ins Stottern kam, lagen die Hausherren schnell mit 12:6 (6.) in Front, ehe nur drei Minuten später die Hanseaten zum 14:14-Ausgleich kamen.

Doch an diesem Sonntag war der einmal in Fahrt gekommene RSV-Express nicht mehr zu bremsen. Nach einem Dreier von BG-Guard Jake Williams zum 21:17 (11.) war es Thomas Böhme, der mit seinem Korb einen 16:6-Lauf zum 37:23 (18.) einläutete. Wie stark aber auch die Hamburger an diesem Tag waren, zeigten beispielhaft deren Konter noch vor der Pause. Zweimal der Kanadier Nik Goncin und ein lupenreinen Dreier von US-Boy Williams, und schon war der komfortable Vorsprung der Hessen bis zum Ende der ersten Halbzeit bis auf sieben Punkte zusammengeschmolzen.

Piotr Luszynski überragend

Auch nach dem Seitenwechsel waren es zunächst die Norddeutschen, die nach zwei Mitteldistanzwürfen des Japaners Hiroaki Kozai bis auf 41:38 (21.) weiter verkürzten. Doch der RSV Lahn-Dill wirkte an diesem Tag extrem stabil und mit viel Selbstbewusstsein aus dem Vorabendspiel ausgestattet. Piotr Luszynski war es nun, der das Heft in die Hand nahm.

Der überragende Center erzielte binnen drei Spielminuten elf Punkte in Serie (traf insgesamt 15 von 18 Würfen, darunter 3 von 3 Dreiern.) Seinem Dreier zum 52:40 (26.) setzte Kapitän Paye mit einem weiteren Treffer von jenseits der 6,75 Meter-Markierung das i-Tüpfelchen zum 55:40 auf. Beide RSV-Akteure profitierten dabei vom heute sehr variablen Spiel der gesamten Mannschaft, das deutliche Freiräume für Luszynski wie Paye schuf. So kam der US-Amerikaner am Ende auf 26 Punkte und unfassbare 18 Assits, wären sein polnischer Teamkollege sogar 33 Zähler und zehn Rebounds zum verdienten Erfolg beisteuerte.

Am Ende waren es Joe Bestwick und Jan Haller, die drei weitere Dreier der BG-Schützen eiskalt auskonterten und zum 85:58-Endstand einnetzten. „Das war ein sehr starkes Wochenende von uns, doch am Ende sind wir nur einen einzigen Schritt weiter in unserer Zielsetzung. Wir freuen uns natürlich, dass wir ohne Unterbrechung nun in die Finalserie gegen Thüringen gehen können. Das wird ein weiteres ganz hartes Stück Arbeit für uns, aber auch für den Kontrahenten“, so Zeltinger weiter.

Gelingt Lahn-Dill die Revanche?

„Am Ende muss man einfach sagen, dass die bessere Mannschaft den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft erreicht hat“,

gratulierte BG-Trainer Glinicki nach dem Spiel. „Wir haben heute leider unsere Defense nicht wie gewünscht in den Griff bekommen und fanden insbesondere für Piotr Luszynski, der ein herausragendes Match gespielt hat, keine Lösung hat.“ Glinickis Saison-Bilanz fällt dennoch positiv aus:

„Ich denke, wir haben uns im Laufe dieser Spielzeit gut weiterentwickelt und den nächsten Schritt getan. So gehören wir aktuell zu den acht besten Teams in Europa und haben gezeigt, dass wir gegen starke Mannschaften wie den RSV Lahn-Dill enge Spiele ausfechten und auch gewinnen können.“

Nun kommt es zur Neuauflage des Giganten-Duells der vergangenen Saison, das Thüringen für sich entscheiden konnte und damit den langjährigen Abonnement-Meister Lahn-Dill entthronte. Die ebenfalls im Modus „best-of-three“ ausgetragenen Finalserie steigt am kommenden Samstag, 15. April, um 19:30 Uhr mit Spiel eins in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle in Wetzlar. Die Duelle zwei und möglicherweise drei finden am 22. und 23. April in Elxleben statt.

Lahn-Dill: Piotr Luszynski (33), Michael Paye (26/1 Dreier), Thomas Böhme (14/1), Joe Bestwick (4), Dirk Köhler (4), Philipp Häfeli (2), Jan Haller (2), Annabel Breuer, Nico Dreimüller, Björn Lohmann.

Hamburg: Ghazian Choudhry (18/2), Jake Williams (18/2), Hiroaki Kozai (13/1), Nik Goncin (6), Reo Fujimoto (2), Kai Möller (1), Anne Patzwald, Karlis Podnieks, Mitsugu Chiwaki (n.e.), Matthias Heimbach (n.e.).

(RP/aj)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN