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Rumänien: Misshandlung von behinderten Heimkindern im Kommunismus – mehr als 10.000 Todesopfer?

Menschen mit Behinderung galten als nicht schützenswert – Historiker wollen die Verantwortlichen vor Gericht bringen.

Auf einer Pressekonferenz erläuterten IICCMER-Präsident Radu Preda (m.), Rechtsberater Catalin Constantinescu (2.v.l.) und das frühere Heimkind Izidor Ruckel (r.) das Schicksal behinderter Menschen während des Kommunismus in Rumänien. (Foto: IICCMER)

Auf einer Pressekonferenz erläuterten IICCMER-Präsident Radu Preda (m.), Rechtsberater Catalin Constantinescu (2.v.l.) und das frühere Heimkind Izidor Ruckel (r.) das Schicksal behinderter Menschen während des Kommunismus in Rumänien. (Foto: IICCMER)

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wende in Rumänien werden die massiven Misshandlungen in Kinderheimen während des Kommunismus ein Fall für die Justiz. Das Bukarester Historiker-Institut (IICCMER) erstattete bei der Generalstaatsanwaltschaft Strafanzeige im Zusammenhang mit dem Tod von insgesamt 771 Kindern, die von 1966 bis 1991 in drei rumänischen Heimen gestorben waren. Das teilte IICCMER am Donnerstag mit.

Kurz nach dem Fall des Kommunismus waren Bilder und Berichte über unmenschliche Zustände in Waisenhäusern um die Welt gegangen. Besonders in Behindertenheimen seien Kinder, die als „nicht heilbar“ eingestuft worden seien, durch Nahrungsentzug, Schläge und mangelnde hygienische Fürsorge misshandelt worden, bestätigte das Institut. Behinderte Menschen hätten im Weltbild der rumänischen Kommunisten als nicht schützenswert gegolten.

Mutmaßliche Folterer sollen vor Gericht

Nach Recherchen des Instituts seien die Todesursachen in den meisten der untersuchten 771 Fälle auf Lungenentzündungen, Kopfverletzungen oder Epilepsie zurückzuführen. Insgesamt schätzt IICCMER die Zahl der Todesopfer in den Kinderheimen auf 10.000. Verantwortlich dafür seine „mehrere hundert“ Pfleger und Ärzte, die das Institut aber nicht benannte.

IICCMER forscht seit Jahren zu Fällen von politisch motivierter staatlicher Repression während des Kommunismus. Ziel ist es, mutmaßliche Folterer vor Gericht zu bringen. Bisher erreichte das Institut die rechtskräftige Verurteilung von zwei Gefängnisdirektoren aus jener Zeit zu langen Haftstrafen. Das Gericht befand sie für den Tod von Gefangenen infolge von Misshandlungen für verantwortlich.

(dpa)

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