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Sabine Volgmann: Kleine graue Wolke – Mein Leben mit MS

Der Film einer westfälischen Studentin über ihre Multiple-Sklerose-Erkrankung soll in die Kinos kommen.

Sabine Volgmann (Foto: privat)

Sabine Volgmann (Foto: privat)

Der Film hat eine persönliche und sensible Herangehensweise: In ihrer Abschlussarbeit (Bachelor) an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (OWL) drehte Sabine Volgmann einen Film über ihre Krankheit Multiple Sklerose. Im vierten Semester erhielt die Medienproduzentin selbst die Diagnose und nahm daraufhin die Auseinandersetzung mit der Krankheit als Aufgabe an. Das Ergebnis soll sowohl in Kinos als auch international auf Festivals gezeigt werden. Auch ein Verleih hat nach Informationen der Hochschule bereits Interesse gezeigt.

Für den Film „Kleine graue Wolke“ reiste Sabine Volgmann, die nun in Hamburg lebt, quer durch Deutschland und besuchte Betroffene. „Der Film soll nicht einfach nur zeigen, welche Ursachen die Krankheit hat oder wie sie sich entwickeln kann, sondern vielmehr subjektiv mein Leben und das der anderen betrachten. Welchen Ängsten und Sorgen muss man sich stellen, welche Hoffnungen darf man haben?“, sagt die Studentin.

Vor zwölf Tagen: Sabine Volgmann (2.v.r.) bei ihren Dreharbeiten in Hamburg (Foto: Volgmann)

Vor zwölf Tagen: Sabine Volgmann (2.v.r.) bei ihren Dreharbeiten in Hamburg (Foto: Volgmann)

Sabine Volgmann über ihren Film

Sommer, Sonne, ein voller Badestrand, spielende Kinder, die Straßen von Kroatien – der Sommerurlaub, in dem sich alles änderte, läuft wie ein Film immer wieder vor meinen Augen ab. Plötzlich farbenblind, die überstürzte Abreise, der anstrengende Krankenhausaufenthalt – die Tage danach scheinen irreal. Am Ende steht die Diagnose: Multiple Sklerose.
Von außen hat sich nichts geändert. Doch mein Leben passt plötzlich nicht mehr in meinen gewohnten Alltag hinein. Jeder einzelne Teil meines alten Lebens scheint völlig aus der Bahn geworfen und nicht mehr auf mein neues Ich zu passen. Wer bin ich denn jetzt eigentlich? Und was wird mit mir passieren?

Um eine Antwort auf diese essentielle Frage zu finden, gehe ich auf eine Reise. Ich möchte Menschen treffen, die ebenfalls mit dieser Krankheit leben, sie gezähmt oder gar gemeistert haben. In verschiedenen Städten Deutschlands treffe ich Menschen, die schon stark behindert sind und ihren eigenen Weg gefunden haben, damit zu leben. Ich treffe Menschen, die ihre MS verstecken oder lange versteckt haben, aus Angst um ihren Job, und Menschen, die sich von den Lähmungen der MS selbst geheilt haben. Für die Zeit der Reise wird auch meine Krankheit nicht anhalten. Die Entscheidung für oder gegen eine Medikamententherapie steht an, werde ich mich bald regelmäßig spritzen müssen?

Es heißt, MS ist die Krankheit mit den 1000 Gesichtern. Ich bin gespannt, welche mir davon begegnen. Der Krankheitsverlauf ist unvorhersehbar und bei jedem Menschen unterschiedlich. Will ich auf alles vorbereitet sein? Das versuche ich herauszufinden.

In ihrem Blog begleitet Sabine Volgmann das Projekt und notiert ihre Gedanken, zum Beispiel warum sie das Thema aufgreift. „Vielleicht ist es Neugierde, vielleicht der krampfhafte Versuch die Angst vor einer möglichen Zukunft zu verlieren, vielleicht eine unterbewusste selbstzerstörerische Kraft. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem“, schreibt sie.

Eine Art Ritterschlag

Die Produktion wurde von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) mit 60.000 Euro unterstützt. FFHSH honoriere damit das „engagierte und zugleich handwerklich experimentelle Projekt.“ Den Rest der anfallenden Kosten müssen die Studentin und ihr Team selbst aufbringen. Volgmanns Professor Heizo Schulze: „Ich bin sehr stolz auf das gesamte Projekt und das Engagement von Sabine Volgmann. Filmförderung ist immer bereits eine Art Ritterschlag!“

Sollte der Film Gewinn erzielen, muss die Förderung zurückgezahlt werden. „Wenn es soweit kommen sollte, dann mache ich das gerne“, sagt Volgmann. und betont: „Nie zuvor hab ich so sehr gespürt, wie man mit einem Film Hilfe, Hoffnung und Gemeinschaft geben kann. Es ist mein Herzenswunsch, möglichst viele Menschen mit dem Film ,Kleine graue Wolke‘ zu erreichen!

(RP/wh)

Multiple Sklerose

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1 Kommentar

  • Joe Winter

    Die is ja mal richtig süß!

    24. Mai 2013 at 12:49

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