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Samuel Koch, Paralympics, Pflegegeld, Altersvorsorge: 17 Dinge, die Sie für das neue Jahr wissen sollten

Szene aus dem Film 'Ziemlich beste Freunde'

Neu, wichtig, spannend: Was Behinderte und Senioren 2012 erwartet. Eine ROLLINGPLANET-Übersicht.


1. Höhere Pflegesätze

Die Leistungsansprüche der Versicherten an die Pflegeversicherung steigen in der häuslichen Pflege in der Pflegestufe I von 440 auf 450 Euro, in der Pflegestufe II von 1040 auf 1100 Euro und in der Pflegestufe III von 1510 auf 1550 Euro. Alle Änderungen in der Übersicht gibt es hier bei ROLLINGPLANET: Zum 1.1.2012 gibt es ein bisschen mehr Kohle: Leistungen der Pflegeversicherung steigen an


2. Mehr Zeit für pflegende Angehörige: klappt das?

Um berufstätigen Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu erleichtern, tritt am 1. Januar das Familienpflegezeitgesetz in Kraft. Die Familienpflegezeit soll es pflegenden Angehörigen ermöglichen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Beschäftigte können ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden verringern – wenn der Arbeitgeber zustimmt. Möglich ist das über einen Zeitraum von höchstens zwei Jahren. Um die Einkommenseinbußen, die durch die Reduzierung der Arbeitszeit entstehen, abzufedern, erhalten sie eine Lohnaufstockung. Wer zum Beispiel von einer Vollzeit- auf eine Halbzeitstelle reduziert, erhält 75 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens. Nach der Pflegephase wird die Arbeit wieder im vollen Umfang aufgenommen. Die Beschäftigten bekommen aber weiterhin nur ihr abgesenktes Gehalt – so lange, bis der Gehaltsvorschuss des Arbeitgebers „abgearbeitet“ ist.


3. „Ziemlich beste Freunde“ nicht verpassen

In Frankreich war er bereits ein Megahit: Am 5. Januar kommt ein Spielfilm in die Cinemas, den jeder Rollstuhlfahrer (und Nichtbehinderter) gesehen haben muss: „Ziemlich beste Freunde“. Die Komödie handelt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Tetraplegiker und seinem Pfleger. Nicht das Kino, sondern das Leben erzählt oft die ungewöhnlichsten Geschichten, und manchmal ergibt sich der Glücksfall, dass aus wahren Geschichten kein billiger Trash, sondern ganz großes Kino wird – wie in diesem Fall. Zum Themenschwerpunkt Ziemlich beste Freunde


4. Stufenweiser Einstieg in die Rente mit 67

Als ersten trifft es den Jahrgang 1947, also alle Bundesbürger, die im Laufe des Jahres 65 werden. Sie müssen einen Monat länger arbeiten, um ohne Abschläge in Rente gehen zu können. In den kommenden Jahren verschiebt sich das Renteneintrittsalter immer weiter nach hinten. 2029 wird erstmals der Geburtenjahrgang 1964 mit 67 Jahren in Rente gehen.


5. Was sich in der Altersvorsorge ändert

Das Mindestrentenalter für Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Renten sowie für die betriebliche Altersvorsorge (über Direktversicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen) steigt von 60 auf 62 Jahre. Wer ab 2012 einen neuen Vertrag abschließt, erhält seine Rente erst ab dem vollendeten 62. Lebensjahr ausbezahlt.

2012 sinkt für neu abgeschlossene klassische Lebensversicherungen sowie Riester- und Rürup-Verträge der Garantiezins von 2,25 auf 1,75 Prozent.

Riester-Sparer: In der Vergangenheit mussten viele Sparer staatliche Zulagen zurückzahlen, weil sie – meist aus Unkenntnis – zu wenig Eigenbeitrag gezahlt hatten. Künftig ist es in solchen Fällen jedoch problemlos möglich, die nichtgezahlten Beiträge nachträglich zu entrichten – dann müssen die Zulagen nicht zurückgezahlt werden. Außerdem wird ein Mindesteigenbeitrag von 60 Euro für die sogenannten „mittelbar Zulagenberechtigten“ eingeführt. Das sind all jene Riester-Sparer, die eigentlich die Voraussetzungen für Riester nicht erfüllen, aber mit einem Riester-Berechtigten verheiratet sind. Bisher bekam diese Gruppe die staatliche Riester-Förderung, ohne einen eigenen Beitrag zu zahlen.

Inhaber von Rürup-Verträgen können ihre Beiträge für das Jahr zu 74 Prozent von der Steuer absetzen. Alleinstehende dürfen damit maximal 14.800 Euro beim Finanzamt geltend machen, Ehepaare bis 29 600 Euro. Gleichzeitig müssen alle, die 2012 erstmals eine Rürup-Rente beziehen, diese Einkünfte nun zu 64 Prozent statt wie bisher zu 62 Prozent versteuern.


6. Ausgleichsabgabe steigt

Alle privaten und öffentlichen Arbeitgeber mit 20 oder mehr Arbeitsplätzen sind verpflichtet, wenigstens 5 Prozent dieser Plätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Für jeden nicht mit einem schwerbehinderten Menschen besetzten Pflichtarbeitsplatz ist eine Ausgleichsabgabe zu entrichten. Zum 1. Januar 2012 erhöht sich die monatliche Abgabe bei einer Erfüllungsquote von 3 bis unter 5 Prozent von 105 Euro auf 115 Euro. Liegt die Quote zwischen 2 und 3 Prozent, steigt die Abgabe von 180 Euro auf 200 Euro. Liegt die Quote unter 2 Prozent, klettert sie von 260 Euro auf 290 Euro. Die erhöhten Sätze sind erstmals zum 31. März 2013 zu zahlen, wenn die Ausgleichsabgabe für das Jahr 2012 fällig wird. ROLLINGPLANET wird in den kommenden Wochen in einer großen Serie zeigen, wie viele große deutsche Unternehmen die Schwerbehinderten-Quote nicht erfüllen. Eins haben wir vor einigen Tagen schon ertappt: Skoda: Sind die clever?


7. Kinderbetreuungskosten lassen sich einfacher absetzen

Die bisher unterschiedlichen Voraussetzungen für den Abzug von Kinderbetreuungskosten wie Berufstätigkeit, Ausbildung oder Krankheit der Eltern entfallen. Eltern können damit Kinderbetreuungskosten einfacher absetzen – egal, ob die Kinder aus beruflichen oder privaten Gründen betreut werden. Somit können alle Mütter und Väter ihre Betreuungskosten mit der Steuererklärung 2012 geltend machen. Zudem fällt eine von drei Seiten der „Anlage Kind“ weg. Insgesamt lassen sich Kinderbetreuungskosten von maximal 4000 Euro im Jahr absetzen.


8. Zigaretten, Süßigkeiten und Alkohol werden teurer

Seit 1. Januar gilt eine höhere Tabaksteuer. Die Hersteller müssen rund fünf Cent mehr Steuern pro Packung zahlen. Ob und wie stark die Kunden daran beteiligt werden, ist noch offen. Einzelne Zigarettenhersteller haben aber bereits Preiserhöhungen angekündigt.

Auch viele Süßigkeiten und Alkohol werden wahrscheinlich teurer. Als Grund nennt die Branche die zuletzt rapide gestiegenen Preise für Zucker und Kakao.


9. Banken müssen schneller arbeiten

Online ausgeführte Überweisungen dürfen längstens einen Tag dauern. Wird das Überweisungsformular verwendet, muss das Geld binnen zwei Tagen auf dem Zielkonto gelandet sein.

Das normale Girokonto ist ab dem 1. Januar nicht mehr automatisch vor Pfändungen geschützt. Droht eine Pfändung, sollten Kunden bei ihrer Bank die Umwandlung in ein sogenanntes Pfändungsschutzkonto („P-Konto“) beantragen – dort ist dann das Existenzminimum von monatlich 1028,89 Euro sicher. Unsozial: Viele Banken berechnen dafür extra Bearbeitungsgebühren.


10. Das neue Versorgungsstrukturgesetz gilt

Die meisten Inhalte des Versorgungsstrukturgesetzte sind in erster Linie für Ärzte und andere Gesundheitsberufe von Interesse. Nichtsdestotrotz ist einiges auch für Behinderte und Senioren sowie Menschen mit seltenen Krankheiten wichtig: Zungenbrecher GKV-Versorgungsstrukturgesetz (VStG) beschlossen. Was haben wir davon? (Foto: Gesundheitsminister Bahr verteidigt im Bundestag sein Gesetz)


11. Zähne: Kronen, Brücken oder Prothesen werden teurer

Gesetzlich Versicherte müssen ab 2012 mehr bezahlen: Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für die sogenannte Regelversorgung. Was darüber hinausgeht, wird nach der neuen – und teureren – Gebührenordnung für privatzahnärztliche Leistungen (GOZ) abgerechnet. Privatversicherte werden grundsätzlich nach der GOZ abgerechnet. Laut der Zeitschrift „Finanztest“ können auf sie Mehrkosten zwischen 14 bis 20 Prozent zukommen.


12. Ein bisschen mehr Untertitel


Das Angebot der TV-Sender ist diesbezüglich zwar immer noch dürftig, aber ROLLINGPLANET freut sich ja auch über kleine Fortschritte: Das ZDF hat angekündigt, im Laufe des Jahres Untertitel für “Wetten, dass..?” und “maybrit illner” anzubieten. Außerdem werde das “heute-journal”, das schon jetzt untertitelt gesendet wird, in der ZDFmediathek online in einer Version mit Gebärden-Dolmetscher abrufbar sein. ROLLINGPLANET berichtete: ZDF baut 2012 seine Angebote für Seh- und Hörbehinderte aus. (Foto: ZDF-Intendant Markus Schächter)


13. 100 Jahre Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV)

Die älteste deutschlandweite Selbsthilfeorganisation feiert 2012 sein hundertjähriges Bestehen. Die Schirmherrschaft für das Jubiläum hat Bundespräsident Christian Wulff übernommen. Im Jubiläumsjahr finden neben dem offiziellen Festakt im Oktober zahlreiche weitere Aktivitäten statt. Sie werden ergänzt durch jährlich wiederkehrende Anlässe wie den „Tag des weißen Stockes“ der Vereinten Nationen. Auftakt der Veranstaltungen wird am 13. Januar in Hamburg die Schulaktion „Wir begegnen blinden und sehbehinderten Menschen“ sein. Ab dem 16. Januar werden blinde und sehbehinderte Menschen in ganz Deutschland Grundschulklassen besuchen. Zum Themenschwerpunkt Blinde und sehbehinderte Menschen


14. Neue Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze

Die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt für das Jahr 2012 3825 Euro im Monat bzw. 45.900 Euro im Jahr (2011: 3712,50 Euro bzw. 44.550 Euro). Die Versicherungspflichtgrenze liegt bei 4237,50 Euro im Monat bzw. 50.850 Euro im Jahr (2011: 4125 Euro bzw. 49.500 Euro).


15. Samuel Koch bleibt das tragische Thema Nr. 1


Das Schicksal des ehemaligen „Wetten, dass…?“-Kandidaten und sein harter Weg zurück in die Normalität wird auch 2012 viele Menschen bewegen: Kein Name wurde bei ROLLINGPLANET so oft gesucht wie Samuel Koch. Ende 2011 waren vier Beitrage über ihn in den Top 10 unserer meistgelesen Artikel: “Wetten, dass…”-Abschied am Samstagabend ohne Samuel Koch, Das Video: Der lange Reha-Weg des Samuel Koch, Ich bin ein Krüppel. Bitte verlass mich. und Weihnachten: Samuel Koch ist endlich wieder zu Hause


16. Ein Jahr voller sportlicher Höhepunkte

Das Sportjahr 2012 steht im Zeichen von Olympia (27. Juli bis 12. August 2012). Die XIV. Paralympischen Sommerspiele werden vom 29. August bis 9. September 2012 in London ausgetragen. Schon jetzt steht ein Rekord fest: 4200 Athleten aus mehr als 150 Ländern werden antreten – mehr als jemals zuvor.

Die Briten scheinen vorbereitet zu sein, vor allem in sportlicher Hinsicht: Anders als in Deutschland trainieren dort behinderte und nichtbehinderte Leistungssportler in den gleichen Verbänden, mit den gleichen Etats und denselben Trainern, sagt Paralympics-London-Botschafter Marc Woods. Davon sind die Deutschen noch weit entfernt – weshalb es nahe liegt, dass sich der Deutsche Behindertensportverband (DBS) durch die Paralympics für den Behindertensport in Deutschland mehr Achtung, Anerkennung und Förderung erwartet: Wir können noch mehr, sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher.

Das wird ohne mediale Unterstützung nicht gehen – weshalb ROLLINGPLANET auf Journalisten wie Holger Schmidt vom Sport-Informations-Dienst (SID) setzt, der das Ressort Behindertensport beim SID und seine kontinuierliche Berichterstattung über das Thema aufbaute. Schmidt wurde dafür 2011 mit dem German Paralympic Media Award 2011 ausgezeichnet.

Und dann ist da natürlich auch noch die Fussball-EM 2012 in Polen und der Ukraine vom 9. Juni bis 1. Juli.


17. Europäisches Jahr

2012 ist das “Europäische Jahre des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen“.


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1 Kommentar

  • Björn

    Wirklich traurig, wie Menschen drauf sind. Samuel Koch tut mir auch leid, aber dass so gezielt nach ihm gesucht wird, ist irgendwie bezeichnend. Menschen werden auch 2012 voyeuristisch sein, daran wird sich nie etwas ändern!

    1. Januar 2012 at 17:30

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