Sanofi: MS-Patienten sind offensichtlich lukrativer

Das Unternehmen nimmt das Leukämie-Medikament MabCampath (Alemtuzumab) vom Markt – offensichtlich, um künftig unter dem Namen Lemtrada das große Geld mit Multiple Sklerose zu machen.

Hauptsitz der Genzyme Corporation in Cambridge, Massachusetts (USA). Das Biotechnologieunternehmen gehört seit 2011 zu Sanofi.

Das Pharmaunternehmen Genzyme hat ein Leukämie-Medikament vom Markt genommen und damit Betroffene erbost. Das zur Sanofi-Gruppe gehörende Unternehmen will das Medikament künftig gegen Multiple Sklerose (MS) einsetzen.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte vergangene Woche mitgeteilt, Genzyme beende die Vermarktung von MabCampath (Alemtuzumab). Das Paul-Ehrlich-Institut gab die Information in Deutschland weiter – und rief Kritiker auf den Plan.

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie fand das Vorgehen inakzeptabel: „Die betroffenen Patienten mit chronischer Lymphatischer Leukämie verlieren den direkten, von den Krankenkassen finanzierten Zugang zu einem wirksamen und etablierten Medikament.“

Genzyme sagte zu, namentlich registrierte Patienten könnten das Präparat weiter bekommen. Man stelle den Verkauf ein, um MS-Patienten zu schützen: Bevor das Medikament nicht für MS zugelassen sei, dürfe es nicht außerhalb klinischer Studien verfügbar sein, erläuterte das Unternehmen auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Aus MabCampath wird Lemtrada

Alemtuzumab ist ein gentechnologisch hergestellter, humanisierter Antikörper, der B- und T-Lymphozyten zerstört. Er wird gegenwärtig auf seine Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit MS untersucht. Die Wirkung soll angeblich größer sein als bei dem bislang häufig eingesetzten Interferon.

Angeblich sollen Betroffene, die mit Alemtuzumab behandelt wurden, ein um 74 % reduziertes Schubrisiko gegenüber denjenigen, die mit Interferon behandelt wurden, haben. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit 600 Patienten. Zudem hatten sich jüngst die Zweifel an der Behandlung mit Beta-Interferonen bei Multiple Sklerose verstärkt: So kamen Wissenschaftler in Kanada zu dem Schluss, dass die Therapie nicht zu der erhofften Verlangsamung der Krankheitsprogression führt.

Sanofi will für sein Medikament in den kommenden Wochen die Zulassung unter dem Namen Lemtrada in den USA und Europa beantragen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

(dpa/RP – Foto: Wikipedia/Tim Pierce. Gemeinfrei.)

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1 Kommentar

  • Pippi

    Tja, wir sind halt tolle Melkkühe – sterben nicht an der Krankheit und bekommen es in jungen Jahren. Einfach nur eckelig.

    18. August 2012 at 22:37

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