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Saxophonist Klaus Kreuzeder ist tot

Der Weltklasse-Musiker starb in München im Alter von nur 64 Jahren.

Klaus Kreuzeder (†),  2008 vor seinem Porträt, gemalt von Kai Feldschur (angefertigt von der Stadt München 2008 anlässlich der 850-Jahrfeier für die Ausstellung „Echte Münchner“). (Foto: Wikipedia/Amrei-Marie)

Klaus Kreuzeder (†), 2008 vor seinem Porträt, gemalt von Kai Feldschur (angefertigt von der Stadt München 2008 anlässlich der 850-Jahrfeier für die Ausstellung „Echte Münchner“). (Foto: Wikipedia/Amrei-Marie)

Wir trauern. Ein großer Mensch, Musiker und Kämpfer ist gestorben. Wir haben Klaus Kreuzeder persönlich gekannt. Erstmals trafen Mitglieder unserer Redaktion ihn vor ungefähr 25 Jahren, später oft ganz zufällig auf der Straße. Zuletzt wurden die zufälligen Begegnungen seltener. Immer, wenn wir am Münchner Stiglmaierplatz vorbeikamen, wo er mit seiner wunderbaren Lebensgefährtin wohnte, dachten wir, wir müssen endlich wieder zum Telefon greifen und fragen, wie es ihm geht. Uns für einen Kaffee verabreden. Über Gott und die Welt sprechen. Nun sind wir bestürzt, dass wir nicht angerufen haben.

Mit eineinhalb Jahren erkrankte Klaus an Polio. Mit 16 kaufte er sich sein erstes Saxophon. Auf seine schwache Atemmuskulatur wirkte das Blasen wie eine Therapie. Als Jura-Student bekam er ein Angebot der fränkischen Gruppe Aera, fortan verdiente er sein Geld als Jazz-Musiker. Später dann die Weltkarriere. Diese hatte er, neben seinem Talent, zunächst Stevie Wonder zu verdanken, der ihn 1984 für vier Konzerte engagierte. Es folgten zahlreiche Auftritte mit Stars wie Sting, Gianna Nannini und Udo Lindenberg. 100 Konzerte gab er im Jahr. Seit 2001 tourte Klaus auch solo, „Best of Kreuzeder“ hieß sein Programm.

Ein Kämpfer

„Der Mann im Rollstuhl spielte in der Saxophon-Weltliga“, so die „Süddeutsche Zeitung“. Aber es war abzusehen, dass irgendwann einmal Schluss sein würde: Das Post-Polio-Syndrom verursachte extreme Kurzatmigkeit, seit Jahren war er auf eine Atemmaske angewiesen. 2011 musste Klaus seine Karriere beenden.

Klaus war ein politischer Mensch und Kämpfer. Er schrieb Bücher, er engagierte sich gegen Rechtsradikalismus, aber er war nie ein Verbissener. Wer ihm begegnete, erlebte einen hilfsbereiten, bescheidenen und meist sanft lächelnden Menschen. Klaus wurde nur 64 Jahre alt. Er starb gestern in seiner Wohnung.

(RP)

Schwerbehinderte Telekom-Mitarbeiter demonstrierten 2008 auf dem Münchner Marienplatz für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Unter den Teilnehmenden ist auch Klaus Kreuzeder (links, hinter dem Schild) (Foto: Peter Kneffel/dpa/lby)

Schwerbehinderte Telekom-Mitarbeiter demonstrierten auf dem Münchner Marienplatz für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Unter den Teilnehmenden ist auch Klaus Kreuzeder (links, hinter dem Schild) (Foto: Peter Kneffel/dpa/lby)

Bundeskanzler Gerhard Schröder unterhält sich am 2. Oktober 2011 mit Klaus Kreuzeder während der Paralympics Night Sport Gala in Neuss. Rechts im Bild der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement.  (Foto: dpa/lnw)

Bundeskanzler Gerhard Schröder unterhält sich am 2. Oktober 2011 mit Klaus Kreuzeder während der Paralympics Night Sport Gala in Neuss. Rechts im Bild der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement. (Foto: dpa/lnw)

 Auch so werden wir ihn in Erinnerung behalten: Klaus Kreuzeder (2008) (Foto: dpa)

Auch so werden wir ihn in Erinnerung behalten: Klaus Kreuzeder (2008) (Foto: dpa)

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