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Schmerzgesellschaft fordert von der Politik mehr Engagement für Patienten

Bis zu zwölf Millionen Menschen in Deutschland plagen sich mit chronischen Beschwerden.

Wartezimmer einer Schmerzambulanz (Foto: Martin Schutt/dpa)

Wartezimmer einer Schmerzambulanz (Foto: Martin Schutt/dpa)

Für eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen hat die Deutsche Schmerzgesellschaft mehr Engagement von Bund und Ländern gefordert. „Schmerz hat inzwischen den Charakter einer Volkskrankheit erreicht“, sagte Prof. Thomas Tölle, Präsident der Gesellschaft, zu Beginn des Deutschen Schmerzkongresses in Hamburg. Bis Sonnabend wollten sich auf der Tagung mehr als 2500 Experten austauschen.

Bis zu zwölf Millionen Menschen in Deutschland plagen sich Tölles Angaben zufolge mit chronischen Beschwerden. Wichtig sei, akute Schmerzen von Anfang an ernst zu nehmen und zu behandeln, um sie nicht chronisch werden zu lassen. „Wir sind überrascht zu sehen, wie wenige und wie kurze Schmerzreize bereits die Struktur des Gehirns ändern können.“

Von Therapeut zu Therapeut geschickt

Am häufigsten seien Schmerzen durch Erkrankungen des Bewegungsapparats, Kopfschmerzen und Nervenschmerzen, aber auch Schmerzen bei Tumoren oder Erkrankungen wie Rheuma. Viele Patienten hangelten sich von Therapeut zu Therapeut, sagte Tölle. In manchen Fällen dauere es Jahre, bevor erstmals eine interdisziplinär koordinierte Behandlung stattfinde.

Prof.Toelle-000136-1Tölle (Foto: TUM) plädierte unter anderem für eine noch bessere Versorgung von Patienten mit akuten Schmerzen im Krankenhaus, etwa nach Standard-Operationen.

Nur rund 15 Prozent der Kliniken nehmen den Angaben zufolge an speziellen Zertifizierungen zum Schmerzmanagement teil.

„Es wäre sinnvoll, ein Deutsches Schmerzregister aufzubauen, um besonders gute Behandlungsstrategien zu erfassen und die Qualität zu verbessern“, sagte Tölle. „Die Menschen brauchen mehr Transparenz, welche Angebote es zur Behandlung bei chronischen Schmerzen gibt.“

Umsetzung des Aktionsplans gefordert

Die Deutsche Schmerzgesellschaft hatte 2010 verschiedene Eckpunkte eines „Nationalen Aktionsplans gegen den Schmerz“ vorgestellt. Darin ging es unter anderem um Forschungsförderung, eine bessere Aus- und Weiterbildung für Ärzte sowie darum, mehr Bewusstsein für das Thema Schmerz zu schaffen.

Nun sei es an der Zeit, die Aufgaben, die sich die Fachgesellschaft selbst aufgetragen habe, in die Politik zu bringen, damit sie flächendeckend umgesetzt werden könnten, sagte Tölle.

(dpa)

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