""

Schon wieder Easyjet: Neuer Prozess wegen Diskriminierung hat begonnen

Billiger geht es nicht mehr: Die Fluggesellschaft ließ eine Rollstuhlfahrerin wieder aus dem Flieger herausbringen.

Marie-Patricia Hoarau

Marie-Patricia Hoarau mit ihren beiden Easyjet-Tickets (Foto: KAWA)

Marie-Patricia Hoarau hat die Billig-Airline wegen Diskriminierung und Demütigung verklagt. Der Prozess begann am vergangenen Freitag in Paris.

Die 40-Jährige sitzt aufgrund eines Fahrradunfalls seit 20 Jahren im Rollstuhl, wie die englischsprachige Nachrichtenseite „Mail Online“ berichtet. Der Vorfall, der nun die Juristen beschäftigt, ereignete sich im März 2010 bei einem Rückflug von Paris nach Nizza. Hoarau durfte alleine in das Flugzeug, wurde wenig später aber wieder vor den Augen der anderen Passagiere herausgebracht.

Hoarau: „Es war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Bis heute warte ich immer noch auf eine Entschuldigung des Personals.“

Easyjet redet sich mit Sicherheitsvorschriften heraus

Den Hinflug von Nizza nach Paris hatte sie selbstständig gemeistert. Als sie jedoch wieder zurück wollte, wurde sie als „Sicherheitsrisiko“ bezeichnet, weil sie ohne Begleitung unterwegs war. Obwohl sich ein Mitreisender bereit erklärt hatte, die Rolle der Hilfsperson zu übernehmen, wurde Hoarau gezwungen, den Flieger zu verlassen. Begründung: Die beiden hätten nicht gemeinsam eingecheckt.

Easyjet verteidigt sich: „Wir fliegen jährlich 350.000 Menschen mit Mobilitätsproblemen. Weniger als ein Prozent von ihnen wird begleitet. In diesem speziellen Fall erschien uns die Frau aber nicht reisefähig.“

„Ich verstehe Frau Hoaraus Gefühle“, sagte François Bacchetta, Frankreichchef von Easyjet, „aber in einem Notfall müssen wir alle Fluggäste innerhalb von 90 Sekunden evakuieren.“ Dies gehe nur, wenn eine Begleitperson vorhanden sei. Das Französische Verkehrsministerium hatte allerdings bereits im August 2010 klar gestellt: „Easyjet kann sich nicht hinter Sicherheitsvorschriften verstecken, um behinderte Menschen abzulehnen.“

Erst vor zwei Monaten war Easyjet wegen eines ähnlich gelagerten Falls zu einer Geldstrafe in Höhe von 70.000 Euro verurteilt worden.

Aufmerksam geworden durch einen Tweet von Christiane Link.

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

  • Susann Stuckert (via Facebook)

    Sorry Easyjet, daß wir nicht so effizient zu packen sind.
    Klar, „Passagiere mit Mobilitätsproblemen“, so nennt sich das.
    Jetzt wäre es doch schön gewesen, wenn alle anderen Passagiere das Flugzeug verlassen hätten und erst wieder an Bord gegangen wären, wenn allen Passagieren der Flug ermöglicht worden wäre.
    So eine Zeitungsmeldung hätte mir Freude gemacht.

    19. März 2012 at 02:34

KOMMENTAR SCHREIBEN