Schon wieder Todesopfer bei Brand in Behinderteneinrichtung

26-Jähriger stirbt in Trier. Ermittler suchen mit Hochdruck nach der Feuerursache.

In Trier waren rund 50 Rettungskräfte im Einsatz, darunter die Berufsfeuerwehr Trier (Symbolfoto: E. Kopp/pixelio.de)

In Trier waren rund 50 Rettungskräfte im Einsatz, darunter die Berufsfeuerwehr Trier (Symbolfoto: E. Kopp/pixelio.de)

Eine Katastrophe, die vielleicht auch deshalb möglich war, weil es keine Sprinkleranlage gab: Nachdem am 26. Februar 2012 im baden-württembergischen Titisee-Neustadt 14 Menschen bei einem Großbrand in einer Caritas-Werkstatt für behinderte Menschen (WfBM) starben, warnte ROLLINGPLANET: Achtung, Feuer: Müssen behinderte Menschen sterben, weil nicht genug Geld da ist?

Der stellvertretende Geschäftsführer der EVIM Gemeinnützige Behindertenhilfe GmbH in Wiesbaden, Eugen Krauter, forderte seinerzeit in einem Interview mit ROLLINGPLANET mehr Sensibilität für das Thema Sicherheit. Schulungen, Rettungskonzepte und Brandschutz müssten vor allem in den Einrichtungen für behinderte Menschen neu thematisiert werden. Es müsse trotz genereller Konzepte geprüft werden, ob die Betroffenen ebenso wie Betreuer ausreichend auf einen Notfall vorbereitet und die Vorgaben auf einem aktuellen Stand seien, sagte Krauter.

Im Dezember vergangenen Jahres, als Flammen ein Haus der Diakonie in Celle (Niedersachsen) zerstörten, fragten wir: Behindertenwerkstatt brennt herunter – nichts aus Titisee-Neustadt gelernt?

Tod in Trier

Offensichtlich nicht. In dieser Nacht zum Donnerstag ist bei einem Feuer in einer Behinderteneinrichtung der Lebenshilfe in der Eisenbahnstraße 6 in Trier-Euren (Rheinland-Pfalz) ein Bewohner ums Leben gekommen. Der 26-Jährige sei tot in einem völlig ausgebrannten Zimmer des Dachstuhls des ehemaligen Klosters St. Augustinus geborgen worden, sagte Wachabteilungsleiter Jürgen Hartz von der Berufsfeuerwehr Trier. Ein weiterer junger Mann, der schlafend in einem anderen Raum lag, konnte unverletzt aus dem brennenden Gebäude gerettet werden. Zuvor waren bereits neun Bewohner der Einrichtung für körperlich und geistig Behinderte mit ihrem Betreuer in Freie geflüchtet.

Der Brand war gegen 0.21 Uhr gemeldet worden. Die Ursache des Dachstuhlbrands sei noch völlig unklar, sagte Hartz. Die Kriminalpolizei Trier habe Ermittlungen vor Ort aufgenommen. Die Nachlöscharbeiten seien am Morgen abgeschlossen worden. Nach einer ersten Einschätzung brach das Feuer vermutlich im Obergeschoss aus und breitete sich auf den kompletten Dachstuhl aus. Die Höhe des Schadens wird auf einen sechsstelligen Eurobetrag geschätzt. Die Einrichtung sei nach dem Brand unbewohnbar.

Die Bewohner der Einrichtung wurden vor Ort von Notfallseelsorgern betreut. Eine Person kam zur Beobachtung in ein Krankenhaus. Inzwischen seien alle Bewohner in einer anderen Einrichtung untergebracht. Insgesamt waren rund 50 Rettungskräfte vor Ort. Laut Feuerwehr hatte einer der Betreuer das Feuer bemerkt und den Alarm ausgelöst.

(RP/mit Materialien von dpa/lrs)

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5 Kommentare

  • Steffen Kuhna

    Auch, wenn es makaber klingen mag. Die Häufigkeit der Brände in solchen Einrichtungen macht mir schon ein wenig Sorgen!

    17. März 2016 at 11:48
    • Uschi Riedhammer

      AfD?

      17. März 2016 at 12:10
      • Matthias Zeisberger

        Alleine in Bayern gab es im Jahr 2014 insgesamt über 18000 Brandeinsätze. Die gefühlte Häufung solch tragischer Fälle wie hier, entsteht aber wohl auch durch die mediale Berichterstattung und der dadurch erzeugten Aufmerksamkeit.. Einen Brand wird man nicht völlig ausschließen oder verhindern können. Deshalb ist es ja auch so wichtig, sowohl personell wie auch baulich alles zu tun, um das Risiko und die Folgen (vor allem für Menschen) so gering wie möglich zu halten. Wenn es hier Defizite gibt oder gab müssen diese sofort abgestellt werden!

        17. März 2016 at 12:18
  • Sabine Schaetzle

    Ja…….aber wollen wir mal SOWAS nicht annehmen. Dennoch: …..es wird gespart…auch an Betreuungspersonal.

    17. März 2016 at 11:59
  • Claudia Pokorny

    Oh jee, auch trotz ordnungsgemäßer Schulungen, es beschleicht einen da schon ein ungutes Gefühl, vor allem nachts im Wohnheim.

    17. März 2016 at 12:01

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