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Schulische Inklusion: Note 6 für Hessen

Das Bundesland ist deutschlandweit Schlusslicht, wenn es um den gemeinsamen Unterricht von Menschen mit und ohne Behinderung geht.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. (Foto: Roland Holschneider/dpa)

In keinem anderen deutschen Bundesland werden so wenige Schüler mit und ohne Handicap gemeinsam unterrichtet wie in Hessen. Das geht aus einer Umfrage bei allen Bundesländern hervor, die die „Rheinische Post“ und der „Wiesbadener Kurier“ ausgewertet haben (ROLLINGPLANET berichtete). Danach besuchten im zu Ende gehenden Schuljahr 2016/17 in Hessen lediglich 26,8 Prozent der Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule. Eine Quote von 88,9 Prozent erreichte hingegen Spitzenreiter Bremen. Im Bundesschnitt lag die Quote bei rund 41 Prozent.

Eine erfolgreiche Inklusion messe sich nicht an Quoten, hieß es am Dienstag im CDU-geführten hessischen Kultusministerium in Wiesbaden. Man setze bei Kindern mit festgestelltem Förderbedarf auf die Wahlfreiheit von Eltern. Dies könnten je nach Bedarf vor Ort zwischen dem Angebot von Förderschulen und inklusivem Unterricht an einer Regelschule wählen, sagte Ministeriumssprecher Stefan Löwer. Zugleich sei es wichtig, die Lehrer an den Regelschulen auf den inklusiven Unterricht vorzubereiten.

Konservativere Regierungen = niedrigere Inklusionsquoten

Scharfe Kritik an der schwarz-grünen Landesregierung kam von der Landtagsopposition.

„Überall fehlen Förderstunden, Eltern fühlen sich als Bittsteller und werden unzumutbar lange im Unklaren darüber gelassen, wie es für ihr Kind weitergeht“,

klagte der SPD-Abgeordnete Christoph Degen. Das Land könne neue Stellen für inklusive Schulen gar nicht besetzen, weil es an entsprechender Aus- und Fortbildung für Lehrer fehle. Die Linke-Fraktion forderte eine bessere personelle und räumliche Ausstattung, um die Inklusion gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen.

Nach der Umfrage ist der Anteil an Schülern mit Förderbedarf an Regelschulen in Bundesländern mit konservativeren Regierungen besonders niedrig. Die Quote in Bayern ist mit 27,4 Prozent nur wenig höher als in Hessen, in Sachsen liegt sie bei 32,8 Prozent. Aber auch in Rheinland-Pfalz (31,4) ist der Anteil verglichen mit dem Durchschnitt niedrig.

Hohe Quoten verzeichnen dagegen die Stadtstaaten Berlin (74,7) und Hamburg (64,2). Insgesamt liegt die Inklusionsquote an deutschen Schulen bei 41,1 Prozent und ist damit im Vergleich zum vorherigen Schuljahr um 3,4 Prozent gestiegen.

(dpa/lhe)

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