Sehbehinderte Landeier bekommen jetzt Unterstützung

Ein neues Beratungsmobil fährt durch Sachsen-Anhalt . Hier leben bis zu 25.000 Betroffene, denen im Alltag und beim Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis geholfen werden soll. Von Young-Sim Song

Mit einem Beratungsmobil sollen Sehbehinderte in kleinen Städten und Dörfern in Sachsen-Anhalt die Chance auf Rat und Hilfe durch Betroffene bekommen. Etwa zweimal pro Woche machen sich Mitarbeiter des Blinden- und Sehbehindertenverbandes aus den drei Beratungsstellen auf den Weg in die Regionen. Dies teilte der Verband heute in Magdeburg mit

Es sei die zweite Initiative dieser Art des Blinden- und Sehbehinderten-Verbands nach der Schaffung einer mobilen Beratungsstelle in Schleswig-Holstein, sagte die Projektleiterin vom Bundesverband, Angelika Ostrowski. Menschen mit „erworbener“ Augenerkrankung stünden im Mittelpunkt des Projekts. Diese bräuchten eine andere Unterstützung als von Geburt an sehbehinderte Menschen.

Neulinge „auffangen und ihnen zuhören“

Patienten, die durch die Erkrankung jetzt etwa nicht mehr lesen oder Autofahren können, müsse man zunächst „auffangen und ihnen zuhören“, sagte Ostrowski. Die Fragen der Betroffenen und Angehöriger sollen im Beratungsmobil „Blickpunkt Auge“ beantwortet werden.

Der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehinderten-Verbands Sachsen-Anhalt, Hans-Joachim Krahl, sagte, auf zwei Touren pro Woche würden abgelegene Orte im Land anfahren. Gerade auch älteren Menschen mit Sehschwäche, für die der weite Weg bis zu einer der festen Beratungsstellen in Halle, Magdeburg oder Stendal zu beschwerlich sei, solle geholfen werden. Die geschulten Berater seien selbst betroffen und sprächen aus Erfahrung. Sie könnten zwar nicht die Arbeit von Augenärzten, Optikern oder Therapeuten übernehmen. Das „soziale Problem“ könne man aber beim Arzt oft nicht erörtern. „Dafür wollen wir da sein“, sagte Krahl.

Bis zu 25.000 Betroffene in Sachsen-Anhalt

Die Betroffenen erhalten in der mobilen Beratungsstelle Alltagstipps, Hilfe zur Beantragung eines Sehbehindertenausweises oder können Hilfsmittel wie Vorlesegeräte und sprechende Uhren kennenlernen. Rund 60.000 Euro hat der Kleintransporter inklusive Ausstattung gekostet. 80 Prozent sind mithilfe von Spenden finanziert, Hauptförderer war die Landesinvestitionsbank. Am Freitag (8. Juni) ist das Mobil in Bernburg und am 19. Juni in Wernigerode und Ilsenburg. Die Regionen und aktuelle Termine können unter www.blickpunkt-auge.de im Internet abgerufen werden.

Der Behindertenbeauftragte der Landesregierung, Adrian Maerevoet, begrüßte die Initiative des Verbands. Es sei eine „schöne Sache“, dass der Verband auf die bedürftigen Menschen zugehe. Viele von ihnen gingen sicher nicht mehr gerne aus ihrem kleinen Dorf in die nächst größere Stadt, vor allem wenn sie zusehends schlechter sähen, sagte Maerevoet. Nach Schätzungen des Blinden- und Sehbehinderten-Verbands leben rund 5.000 blinde Menschen in Sachsen-Anhalt, zudem 15.000 bis 20.000 hochgradig Sehbehinderte.

Als blind werden den Angaben nach alle Menschen angesehen, deren Sehvermögen auf dem besseren Auge nur noch zwei Prozent des normalen Sehens beträgt, als hochgradig sehbehindert bei fünf Prozent. Nur jeder Fünfte ist von Geburt oder seit dem Kinder- oder Jugendalter sehbehindert oder blind. Rund 70 Prozent der Blinden sind im Rentenalter.

(dapd)


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