Sehbehinderte müssen Kot von Blindenführhund nicht mehr aufsammeln

In Potsdam gibt es künftig Ausnahmegenehmigungen – ausgelöst durch den Fall einer blinden Frau, die von Passanten genervt wurde.

Kackverbot auf einer Wiese. (Foto: erysipel/pixelio.de)

Kackverbot auf einer Wiese. (Foto: erysipel/pixelio.de)

Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein – aber bekanntlich helfen gegen korrekte Passanten, denen Vorschriften wichtiger sind als der gesunde Menschenverstand, nur klare Regeln. Schon bisher war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass Blinde und Sehbehinderte die Häuflein ihrer Blindenführhunde nicht aufsammeln müssen. Doch ungeschrieben ist eben ungeschrieben. In Potsdam gibt es deshalb ab sofort einen eigenen Paragrafen, um die Angelegenheit zu klären. Er wird künftig hoffentlich sehbehinderte Menschen davor schützen, von ordnungsfanatischen Zeitgenossen gelyncht zu werden.

Die Verwaltung will die Stadtordnung entsprechend ändern. „Gelebte Praxis“ werde nun auch formal umgesetzt, teilte ein Sprecher am Montagabend mit. In einem ersten Schritt können sich Blinde und Sehbehinderte auf Antrag von der Pflicht befreien lassen, die Hinterlassenschaften ihres Tieres zu beseitigen (§ 15). Noch dieses Jahr sollen sie grundsätzlich befreit werden.

Im August habe eine Potsdamerin, die auf einen Blindenführhund angewiesen ist, die Verwaltung um eine Ausnahmegenehmigung gebeten, teilt die Stadt mit. Die Frau sei von Passanten angesprochen worden, dass sie den Hundehaufen wegräumen solle. Sie sei aber blind und das Aufheben sei ihr nicht möglich. Den Angaben der Stadt zufolge hat das Potsdamer Ordnungsamt selbst so etwas nie von behinderten Menschen gefordert.

„Ich möchte eine bürgerfreundliche und nachvollziehbare Regelung“, sagt der Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung, Mike Schubert. Seit September ist er im Amt, nun soll es klare Regeln geben. Gut so.

(RP/mit Materialien von dpa/bb)

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1 Kommentar

  • Handbiker

    Man sollte diese Regelung auf Rollstuhlfahrer ausweiten. Natürlich gibt es Rollstuhlfahrer die sich bücken und über Wiesen fahren können. Doch wer einen Behindertenbegleithund hat, ist häufig so unbeweglich, daß er die Häufchen seines Hundes nicht wegmachen kann. Hier wäre die gleiche Toleranz angemessen.

    27. September 2016 at 11:23

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