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Seine erste große Rolle in einem Kinofilm: Samuel Koch dreht „Ein ziviler Dienst“

In der ZDF-Koproduktion spielt er einen todkranken, zynischen Mann, der unerwartet einen ziemlich besten Freund findet.

Samuel Koch (links) und Nils Hohenhövel (rechts) sind die beiden Hauptdarsteller in „Ein ziviler Dienst“. (Foto: ZDF/Thomas Kost)

Samuel Koch (links) und Nils Hohenhövel (rechts) sind die beiden Hauptdarsteller in „Ein ziviler Dienst“. (Foto: ZDF/Thomas Kost)

In Köln haben die Dreharbeiten zu der Kino-Koproduktion des Kleinen Fernsehspiels im ZDF mit dem Arbeitstitel „Ein ziviler Dienst“ begonnen. Im Mittelpunkt des Films steht Pfleger Christoph (Nils Hohenhövel), der den todkranken zynischen Sven (Samuel Koch) betreut und im Laufe der Zeit nicht nur mit dessen intimen und für ihn befremdlichen Wünschen konfrontiert wird, sondern auch eine Freundschaft mit ihm beginnt. Regisseurin Eibe Maleen Krebs schrieb für ihren Debütfilm zusammen mit Andreas Keck das Drehbuch, das „lose auf einer wahren Begebenheit beruht“, wie das ZDF in einer Pressemitteilung informiert. Für Koch ist es die erste Hauptrolle in einem Kinofilm.

Darum geht es in dem Film: Sven lebt mit einer Krankheit, die seine Muskulatur schwächt und schwinden lässt. Da er auf Hilfe angewiesen ist, wohnt er seit Jahren in einem Hamburger Pflegestift. Dort begegnet er dem vor Optimismus sprühenden Christoph, der ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Er wird Sven zugeteilt, als dessen Pflegebedarf steigt. Der anfangs grimmige todkranke 28-Jährige fasst mehr und mehr Vertrauen und gibt irgendwann seine geheimen Wünsche preis.

„Ein ziviler Dienst“ ist der erste Langfilm von Eibe Maleen Krebs, die zuvor mit ihrem Abschlussfilm an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg „Vom Hören Sagen“ einen Einblick in die Vorstellungswelt blinder Menschen gegeben hat. Produzentin Verena Gräfe-Höft, Junafilm UG, produziert den Film in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit Arte. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen fördern den Film.

Die Dreharbeiten enden am 11. März 2017. Sowohl der Kinostart als auch der Sendetermin im ZDF stehen noch nicht fest.

„Zur Schauspielerei gehört mehr als nur der Körper“

Samuel Koch (29) wuchs in Efringen-Kirchen an der deutsch-schweizerischen Grenze auf. Vor gut sechs Jahren verunglückte der Leistungsturner und Schauspiel-Student als „Wetten, dass..?“-Kandidat bei einem Stunt. Heute ist er Ensemblemitglied des Staatstheaters Darmstadt, wo er vertraglich noch mindestens für die nächste Spielzeit bis 2018 eingeplant ist. Im August heiratete Koch seine Schauspielkollegin Sarah Elena Timpe (31).

Auf die Frage „Welche Rolle spielte der Körper bei Ihnen als Schauspieler vor dem Unfall, welche nach dem Unfall?“ antwortete Koch vor zwei Wochen im Vorfeld der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft: „Meine Dozenten an der Uni befürchteten vor dem Unfall, dass mir meine Körperlichkeit beim Schauspielern im Weg stehen könnte. Diese Sorge habe ich ja nun nicht mehr … Zur Schauspielerei gehört mehr als nur der Körper, nämlich Stimme und Geist. Natürlich sind viele Dinge für mich weggefallen. Weswegen ich mich auch lange gefragt habe: Was soll das Ganze überhaupt noch? Aber ich habe mich dann auf die ursprünglichen Reize der Schauspielerei besonnen. Die Essenz ist geblieben: Menschen zum Lachen, Weinen und im besten Fall zum Nachdenken anzuregen.“

(RP/PM/dpa)

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15 Kommentare

  • Sven Fiala

    Dieser Mensch ist und bleibt für mich im Umgang mit seiner Behinderung ein rotes Tuch. Jetzt auch noch im Kino. Naja, wer´s mag!

    11. Februar 2017 at 14:05
    • Olaf Forner

      Sieht nicht danach aus als wenn du eine substanzielle meinung hättest-ist da jemand in seiner Eitelkeit gekränkt das es ein Behinderter wagt „Schauspieler“ und berühmt zu sein?

      11. Februar 2017 at 15:57
    • Susanne Lüer

      Dann ignorier ihn doch einfach… Menschen sind halt unterschiedlich, und das ist auch gut so ! Alles Gute für dich !

      11. Februar 2017 at 15:59
    • Sven Fiala

      Olaf Forner Würdest du mich kennen, würdest du mir die Frage hundertprozentig nicht stellen!

      11. Februar 2017 at 15:59
    • Elisabeth Wirthensohn

      Mein Eindruck zu Samuels Koch Behinderungsweg, dass er seine Behinderung in gewisser Weise vermarktet. Viele behinderte Menschen müssen sehr viele behinderungsbedingte Leistungen über Gerichte erstreiten.

      11. Februar 2017 at 16:53
    • Bia Paradies

      Völlig wertungsfreie Rückfrage an Sven Fiala. Warum?

      11. Februar 2017 at 21:08
    • Sven Fiala

      Ich hatte es schon in anderen Beiträgen geschrieben. Mich stört einfach total, dass er trotz seines Handicaps immer so tut als wäre er ganz „normal“. Nur mal zwei Beispiele.

      1. Über seinen Heiratsantrag wurde auch berichtet. Er hat sich da ja quasi mit einem Klettverschluss an seinen Bruder Kletten lassen, um seiner Frau den Heiratsantrag zu machen. Ich und ich denke viele andere auch, fand die Aktion ziemlich lächerlich. Hätte er zum Beispiel ein Exoskelett genutzt, dann wäre dies eine Sensation gewesen und auch ein toller Werbegag für den Hersteller, aber so fand ich die Aktion ehrlich gesagt in gewisser Weise ziemlich würdelos, weil er einfach nicht zu seiner Behinderung stand.

      Beispiel zwei: Bei der Abschlusssendung von Wetten dass?! Hätte er doch auch ganz cool in seinem Rollstuhl sitzen bleiben können, stattdessen lässt er sich zwischen Til Schweiger und Kati Witt auf der Couch einklemmen.

      Trotz dieser und weiterer Aktionen dieser Art, wird er als Vorbild für uns Menschen mit Behinderung gesehen. Dies stößt mir einfach sauer auf, nicht mehr und nicht weniger.

      Noch eine kleine Ergänzung. Dass er seine derzeitige Popularität nutzt ist absolut menschlich damit habe ich kein Problem aber wie bereits erwähnt das nicht zu seiner Behinderung zu stehen und dennoch als Vorbild gehandelt zu werden, finde ich einfach daneben.

      11. Februar 2017 at 21:23
    • Benedikt Fischer

      Sollte es nicht seine Sache bleiben, wie er mit sich (und in höchstens zweiter Linie mit seiner Behinderung) umgeht!?

      11. Februar 2017 at 23:39
    • Claudia Stückner

      Susanne Lüer Bin ich auch deiner Meinung

      12. Februar 2017 at 01:04
    • Sven Fiala

      Benedikt Fischer Da gebe ich dir absolut recht! Aber es muss auch erlaubt sein, wenn sich eine Person öffentlich inszeniert, Kritik zu üben.

      12. Februar 2017 at 10:10
    • Tatjana Gruhlke-Driller

      Was soll er denn Deiner Meinung nach machen, Sven? Zu Hause bleiben und Trübsal blasen? Er nimmt die Möglichkeiten an, die ihm geboten werden. Und ich wage mal zu behaupten, dass das die meisten Menschen täten.

      12. Februar 2017 at 15:03
    • Susanne Lüer

      Es ist normal, nicht „normal“ zu sein ! Wer ist das schon ? Und … Ist es wirklich so toll, normal zu sein ? Gerade wenn man „besonders“ ist, ist es toll rauszugehen und allen zu zeigen , HIER BIN ICH !

      12. Februar 2017 at 15:10
    • Benedikt Fischer

      Sven Fiala Ist das nicht ein bisschen sehr hart!? Warum sollte er sich so verhalten, wie Sie das erwarten oder wie Sie es (aus sicherlich guten Gründen) selber tun würden? Es gibt übrigens auch Leute, die Raul Krauthausen vorwerfen, er würde sich selber inszenieren, da er ja ständig in den Medien ist (oder besonders neulich Michel Arriens, den man in Hamburg aus einem Bus geworfen hat und der dank Medienpräsenz eine Einigung mit der HOCHBAHN erreicht hat). Dabei bedienen sich (wie ich finde alle drei!) der Medien, um etwas zu erreichen – und zwar nicht nur für sich selber. Und das tun sie auf unterschiedliche Weise…was auch mit ihrer eigenen Geschichte und der Geschichte ihrer Behinderung (von Geburt an bzw. durch Unfall, noch dazu in einer TV-Show) zu tun hat, denke ich. Ich finde, es sollte vielmehr darauf geachtet werden, ob Samuel Koch ein guter Schauspieler ist (was in meinen Augen zumindest jetzt noch nicht der Fall ist), als darauf, ob er seine Behinderung „ausschlachtet“. Da hätte es für ihn sicherlich andere Möglichkeiten gegeben, nach seinem Unfall vor allem, als seine Eltern und später er selber Hunderte von „Angeboten“ abgelehnt haben. Einiges, was er macht, würde ich auch nicht so machen – aber für ihn scheint es zu passen, das finde ich wichtiger. Und solange es noch immer (leider viele) Menschen gibt, die Rollifahrer oder Behinderte generell für „Aliens“ halten, braucht es blöderweise jegliche Art von „Verständnishilfe“ für Läufer, damit sich endlich ihr Bewußtsein bzw. ihr Blick auf Behinderte ändert und endlich „normal“ wird… frei nach dem Motto: „Wer ist hier eigentlich behindert?“

      12. Februar 2017 at 23:52
  • Susanne Lüer

    Kinofilm !! Hammer !! Ich freu mich drauf! Die Thematik klingt wahnsinnig spannend !

    11. Februar 2017 at 15:56
  • Christa Niclasen

    ich bewundere ihn auch, Susanne!

    11. Februar 2017 at 17:28

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