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Sesam, öffne Dich: Nicht nur barrierefrei, sondern auch geschmackvoll einrichten

Der erste Eindruck entscheidet – das gilt auch für die eigene Wohnung. Platz da: Hier kommt der ROLLINGPLANET-Einrichtungsberater mit 10 Tipps, wie Sie Ihren Hausflur sowohl behindertengerecht als auch schön gestalten.

So eine Lichtnische wünscht sich ROLLINGPLANET-Mitarbeiterin Petra Bechtle für ihren Wohnungsflur. (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

1. Wie breit sollte der Flur sein?

„Ideal – auch für Benutzer von Gehhilfen oder Rollstühlen – ist eine Flurbreite von mindestens 1,20 Metern, die dann auch frei und nicht zugestellt sein sollte“, empfiehlt Karin Dieckmann vom Verein Barrierefrei Leben in Hamburg.

Sie haben einen Ersatzrollstuhl oder einen Rollator für draußen, der möglichst in der Nähe des Eingangs stehen sollte? Wohin damit, wenn Ihr Wohnungsflur klein ist? Sofern es die Größe und die örtlichen Gegebenheiten des Hausflurs erlauben, darf Mietern nicht verboten werden, einen Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator im Treppenhaus abzustellen.

Im Gegenteil: Derartige Aufforderungen sind sittenwidrig und nicht wirksam. Weder der Vermieter noch eine etwaige Eigentümerversammlung haben dazu das Recht. (Oberlandesgericht Düsseldorf ZMR 84,161, Bundesverfassungsgericht WM 2000, 289, Bundesgerichtshof, Urteil vom 10. November 2006 – V ZR 45/06)

2. Klappsitze sparen Platz

Klappstuhl aus Birke für 173 Euro (Foto: dodesign2)

Nicht nur für Ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen ist eine Sitzmöglichkeit im Flur wichtig. Dort kann man sich zum Ausziehen der Schuhe bequem hinsetzen oder die Einkaufstaschen abstellen, während man den Mantel auszieht.

„Flexibel einsetzbar ist ein Hocker. Die platzsparendste, stabile Lösung ist ein in der Wand befestigter Klappsitz“, sagt Karin Dieckmann. Voraussetzung für die Montage ist eine tragfähige Wand. Aber: „Es gibt mittlerweile auch Modelle, bei denen an der in den Flur ragenden Kante ein Stützblock befestigt ist. Beim Aufklappen des Sitzes bietet er zusätzliche Stabilität und trägt einen Teil des Gewichtes des Benutzers.“

3. Keine Stolperfallen

Ein weiterer Tipp von Barrierefrei Leben in Hamburg: „Auf jeden Fall sollten Stolperfallen wie Kabel von Stehlampen oder Teppichkanten vermieden werden.“

4. Garderobe

Wohin mit Jacken und Mänteln? Platzsparend und flexibel platzierbar sind einfache Wandhaken, die aber nicht zu dicht behängt werden dürfen. Denn überquellende Haken wirken nicht nur unordentlich, die Kleiderwülste ragen auch störend in den Raum hinein.

5. Worauf es beim Schuhschrank ankommt

Schuhschrank für 49 Euro (Foto: Ikea)

Schuhe kommen wegen des Staubs am besten in einen geschlossenen Schrank. Je schmaler der Schrank ist, umso besser. „Sehr praktisch sind Schuhschränke mit Klappen“, sagt Dieckmann. Bei Kauf eines solchen Möbels sollte am besten ein Paar von dem Bewohner mit den größten Füßen mitgebracht werden. Denn: Nicht jedes Modell kann auch Schuhe für große Füße aufnehmen – das gleiche gilt für hohe Frauenschuhe.

6. Multifunktionsmöbel einsetzen

Auch Hüte, Schals, Taschen und Schuhputzzeug brauchen im Flur ihren Platz: Sie können in Hängeschränken oder Fächern unter einem Sitzmöbel unterkommen (allerdings nicht für jeden Behinderten geeignet). „Aktuell sind Multifunktionsmöbel besonders angesagt“, sagt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef bei Bonn.

Das kann eine Spiegelwand sein, die über eine Garderobenstange sowie Einlegeböden mit der Wand verbunden ist. Oder ein drehbarer Schrankkörper ist auf einer Front mit einem Spiegel, an den Seiten mit Haken und auf der Rückseite mit Fächern ausgestattet.

7. Weniger ist mehr

Je mehr Möbel in einem Raum sind, umso unruhiger wirkt er. „Wenn es der Grundriss erlaubt, sind Einbaumöbel eine Überlegung wert“, schlägt daher Werner Dielen vom Bund deutscher Innenarchitekten aus Mönchengladbach vor. Das biete sich vor allem in Räumen mit Nischen an, wo zum Beispiel Möbel mit raumhohen Schiebetüren unterkommen können. Diese Türen sind auch für Rollstuhlfahrer praktisch, da kein Raum beim Öffnen benötigt wird. Solche Konstruktionen sind jedoch nicht nur praktisch, sondern auch modern: „Sie vergrößern den Raum optisch und reduzieren das Gefühl von Enge zumindest zum Teil“, erläutert Dielen.

8. Der Trick mit den Farben

Helle Farben machen kleine Räume optisch größer (Foto: Das Tropenhaus)

Optisch weitet man einen Raum auch mit Hilfe von Farbe: „Für die Wände kleiner Räume sind helle Farben das Mittel der Wahl“, sagt Klaas. „Ein guter Trick ist, für Wände, Türen und eventuell auch Einbaumöbel dieselbe helle Farbe zu wählen. So wird insgesamt eine großzügige Wirkung erzielt.“

Auf Muster und auffällige Strukturputze oder -tapeten sollte weitgehend verzichtet werden, denn sie wirken zu unruhig. Spiegelflächen dagegen – egal, ob auf Türen oder an der Wand – lassen den Raum großzügiger wirken.

9. Worauf es beim Boden ankommt

„Wenn Türen zu angrenzenden Wohnräumen öfter offen stehen, macht es sich gut, den Bodenbelag in diese Räume übergehen zu lassen. Ein anderes Hilfsmittel ist, Dielen quer zur Laufrichtung zu verlegen“, ergänzt Klaas.

10. Das richtige Licht

Ganz oder teilweise verglaste Zimmertüren lassen ein wenig Tageslicht in den Flur. „Für eine gleichmäßige Grundbeleuchtung bieten sich Decken- oder nach oben strahlende Wandleuchten an“, rät Innenarchitekt Dielen. „Eine kostengünstige und gleichzeitig sehr effektvolle Lösung ist auch eine Lichtdecke.“

An der Wand wird dabei ein umlaufender Metallrahmen befestigt und innen mit einer milchig-transparenten Folie bespannt. Diese wird von der Decke beleuchtet – und die dann helle Flurdecke bildet quasi den Himmel bei Tageslicht nach. Akzente lassen sich auch setzen, indem etwa ein Strahler den Spiegel in Szene setzt.

(Eva Neumann/dpa/RP)

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