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Setzt bei den Stärken der Kinder bei Förderung und Therapie an!

Alle Mütter und Väter sollten dieses Buch lesen. Und Menschen, die mit Autisten arbeiten. Warum? Es geht um einen Jungen, bei dem früh Autismus diagnostiziert wird. Die Diagnose lautet, dass er möglicherweise nie sprechen und schreiben wird. Die Therapien laufen fast rund um die Uhr, bis seine Mutter merkt, dass der Kleine vor allem eines nicht hat: Elemente einer normalen Kindheit. Rumtoben, „Dreck zwischen den Zehen“, machen was er will. Sie erkennt nur Rückschritte in seiner Entwicklung, wenn er aus den Fördereinrichtungen zurück kommt. Über 18 Monate spricht Jake kein Wort. Sie wagt dann den Schritt, ihn aus dem Förderbereich herauszunehmen und selbst mit ihm zu arbeiten. Das Ergebnis ist bekannt: Der jüngste Astrophysik-Forscher aller Zeiten mit guten Chancen auf den Nobelpreis, der darüber hinaus noch zahlreiche andere einzigartige Fähigkeiten entwickelt. Der Weg dorthin ist oft steinig und gibt auch so manchen Einblick in die amerikanische Gesellschaft und die Zeit der Rezession um 2011, wo die Familie von Obdachlosigkeit bedroht war.

Der Funke

Kristine Barnett: Der Funke. 320 Seiten. Kailash-Verlag ISBN 978-3-424-63069-5. Printbuch: 19,99 €; eBook 15,99 €

Obwohl an einigen Stellen das gewöhnungsbedürftige amerikanische Pathos nicht fehlt, beschreibt die Mutter die Ereignisse in aller Dramatik doch schonungslos. Während sie das eine Kind an den Autismus zu verlieren droht, wird ihr nächstes Kind mit einer seltenen, lebensbedrohlichen Krankheit geboren. Später hat sie einen Schlaganfall mit 30 Jahren.

Im Kern geht es um die Aussage, die besonderen Kinder bei dem zu unterstützen, was sie können und nicht ständig auf den Defiziten herumzuhacken. Ein möglicher Gegenentwurf zum fachlich kritisch hinterfragten ABA-Programm. Warum müssen Autisten lernen, Augenkontakt zum Gegenüber herzustellen, wenn es sie körperlich schmerzt und sie sich dann auf nichts anderes konzentrieren können? Es gibt Wichtigeres im Leben! Ideen statt monotone Therapie, Feinfühligkeit statt Zwang.

Ein tolles Buch, sehr gut geschrieben und mitreißend.

 

Wenn man damit durch ist, sollte man das Buch „Mein Wunderkind“ von Catherine Lewis lesen. Auch ein autistischer (und blinder) Junge, der ein musikalischer Savant ist und sagenhaftes vollbringt – mit einer kämpfenden und engagierten Mutter.

Gisa Anders ist hingegen eine deutsche Mutter, die zwar kein Wunderkind beschreibt, aber auch den erstaunlichen Weg ihres Kindes mit frühkindlichem Autismus von der Geburt bis zur normalen Schul- und Berufsausbildung nachzeichnet. Auch dieses Buch schonungslos mit alles Höhen und Tiefen.

 

Michael Schmitz von www.autismus-buecher.de

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